04/2010
Reaktionen auf Artikel „Planungen für E-Neukauf“

Die beiden Eckhäuser sollen abgerissen und nicht mehr ersetzt werden.
Die beiden Eckhäuser sollen abgerissen und nicht mehr ersetzt werden.

Petershagen (an). Der Artikel im letzten Petershäger Anzeiger zu dem Thema „Planungen für den
E-Neukauf sind angelaufen“ hat viele Reaktionen hervorgerufen. Waren schon in der letzten Ausgabe einige Stellungnahmen zu lesen, sollen hier noch drei weitere Meinungen veröffentlicht werden: Die CDU Ortsunion hat ihre Position schriftlich mitgeteilt, ebenso die Petershäger Bündnis 90/ Die Grünen. Wolfgang Battermann verfasste, als engagierter Bürger, einen offenen Brief an das LWL-Amt für Denkmalpflege.

Friedhelm Fischer, OU Vorsitzender: Die Mitglieder der CDU Ortsunion Petershagen sprechen sich für Neubau aus

Für die Mitglieder der CDU in der Ortschaft Petershagen steht fest: „Es darf für die Zukunft keine Engpässe in der „fußläufig erreichbaren“ Versorgung der Bürger mit frischen Lebensmitteln geben.“ Aus diesem Grund unterstützen die Mitglieder den Neubau des Edeka Neukaufs an der Sparkassen- und Hauptstraße.
Bei den letzen zwei Zusammenkünften der Ortsunion wurde das Thema ausgiebig besprochen, Vorteile und evtl. Nachteile wurden sorgfältig abgewogen. „Für die CDU ist es besonders wichtig, das Wohl der Bürger in den Vordergrund zu stellen,“ betonte Friedhelm Fischer - Vorsitzender der Ortsunion, und weiter: „Es kann nicht sein, dass einzelne Personen ihre wirtschaftlichen oder sonstigen Interessen hinter Bürgerinitiativen verstecken, und mit allen Mitteln den Neubau des Marktes zum Nachteil der Petershäger Bürger verhindern wollen.“
Wenn man langfristig schaut, so wird der Edeka Neukauf in der jetzigen Form in der Zukunft nicht mehr Ertrag bringend arbeiten können. Das würde den Wegfall des zentralen Lebensmittelmarktes bedeuten, sind sich die Mitglieder der CDU sicher.
Auch der Wegfall einiger alter Gebäude wurde diskutiert und man kam zum Schluss, dass es in Petershagen viele interessante Häuser gibt, die es 100 mal mehr verdienen würden, erhalten und verschönert zu werden.
„Es hat nichts mit Demokratie zu tun, wenn eine einzelne Person den Denkmalschutz missbraucht, um Verbesserungen für die Allgemeinheit zu verhindern“, so das Votum der Anwesenden.
Abschließend kam der Entschluss zu Stande, die Bürger der Stadt Petershagen und den Stadtrat aufzurufen, den Neubau des Edeka-Marktes und damit gleichzeitig die Ansiedelung weiterer Geschäfte zu unterstützen und durch entsprechende Ratsbeschlüsse zu ermöglichen.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Neukaufmarkt und Erhaltung des Stadtbildes sind vereinbar

Zur Zeit werden die Errichtung eines Lebensmittelmarktes in der Innenstadt von Petershagen und die möglichen Folgen sowohl bei Bürgern als auch Politikern heiß diskutiert. Die Petershäger GRÜNEN haben schon sehr früh deutlich gemacht, dass sie einen solchen Markt zwar grundsätzlich positiv sehen, aber mit dem gleichzeitig geplanten Abriss denkmalwerter Bebauung an der Hauptstraße überhaupt nicht einverstanden sind. Außerdem ärgern sie sich über die schlechte Informationspolitik der Stadt, die über Monate eine öffentliche Diskussion erschwert hat.
„Natürlich finden wir einen attraktiven Lebensmittelmarkt, wie er jetzt von Horst Röthemeier geplant wird, viel besser als einen weiteren großflächigen Laden auf der "Grünen Wiese". Und natürlich erhoffen auch wir uns dadurch eine Belebung der Petershäger Innenstadt“, so Wolfgang Riesner, der BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN im Bau- und Planungsausschuss vertritt. „Eigentlich hält Petershagen mit Läden wie Pittsbörg, Kuhlmann und jetzt sogar der neu eröffneten Buchhandlung Betz sowie Gastronomie und weiteren Dienstleistern ein gutes Angebot für die Kunden bereit. Wenn jetzt noch der vorhandene Lebensmittelmarkt durch einen Neubau mit umfangreicherem Sortiment langfristig im Ort bleibt, könnte das für die Attraktivität der Petershäger Innenstadt eine gute Perspektive sein, falls das nicht mit dem Verlust des Stadtbildes im Bereich Hauptstraße/Kreisel einher geht,“ macht Riesner deutlich. Neben der Ausstattung mit Läden stellt gerade das gewachsene historische Stadtbild eine besondere Qualität für Einheimische und Besucher dar. Das wird auch bei Untersuchungen wie dem Standortmarketingkonzept der GMA deutlich, das im Herbst beim Bürgerforum breit vorgestellt und diskutiert wurde.
Die GRÜNEN glauben nicht, dass die Gebäude Hauptstraße 38 und 40 abgerissen werden müssen, um den Neukaufmarkt mit 1.800 qm Verkaufsfläche, der ja ohnehin in 2. Reihe geplant ist, wirtschaftlich betreiben zu können. Die zusätzlich vorgesehenen Ladeneinheiten mit je ca. 180 m² Fläche lassen sich nach ihrer Ansicht mit hinnehmbaren Zugeständnissen auch in den bestehenden Gebäuden unterbringen. Dies um so mehr, als auch die Denkmalpfleger aus Münster bereit seien, Veränderungen zu akzeptieren, wenn die beiden Häuser dadurch erhalten blieben. So kann das Stadtbild, das an dieser Stelle ohnehin schon durch vorausgegangene Abbrüche empfindlich gelitten hat, bewahrt bleiben. „Gerade dieser Bereich, der nach dem Kreisel den Eingang zum historischen Petershagen mit der sogenannten Neustadt bildet, ist besonders empfindlich und schützenswert“, sind sich die GRÜNEN auch mit der Ortsheimatpflege und vielen engagierten Bürgern einig.

Nach Aussage von Investor Heinz Röthemeier sind für ihn Umbau und Umnutzung jedoch unwirtschaftlich, eine Vermietbarkeit zu entsprechend höheren Preisen bleibt fraglich. Die GRÜNEN meinen jedoch, dass ein gewisser Mehraufwand für den Erhalt der stadtbildprägenden Gebäude im Verhältnis zur Höhe der Gesamtinvestition nicht das Projekt insgesamt in Frage stellt und sogar teilweise durch bessere Abschreibungsmöglichkeiten ausgeglichen wird. Darauf deuten auch die bereits erfolgten Aufwendungen für den Erwerb der Grundstücke durch den Investor hin.

Auch die bisher bekannt gewordenen Fassadenvarianten für die vorgesehene Neubebauung stoßen bei den GRÜNEN auf deutliche Kritik. Selbst nach Ansicht von Investor Heinz Röthemeier „seien sie nicht gerade architekturpreisverdächtig, das sei für ihn aber auch nicht wichtig“, äußerte er sich bei einem Gespräch mit den Petershäger GRÜNEN. Und zumindest im ersten Punkt stimmen die ihm zu. Beide gezeigten Gestaltungsvarianten sind völlig ungeeignet als Ersatz für die vom Abriss bedrohten denkmalwerten Häuser Hauptstraße 38 und 40. Riesner fürchtet sogar: „Damit sind wir auf dem besten Wege unsere Innenstadt ebenso zu verpfuschen, wie das etwa in Lübbecke oder Hausberge schon passiert ist. Es darf doch nicht sein, dass für die eigentlich erwünschte Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes unser historisch gewachsenes Stadtbild in diesem Bereich vollends ruiniert wird. Solche Fehlentwicklungen sind in der Zukunft kaum noch zu korrigieren.“ Hier sollten Investor, Politik und Verwaltung noch einmal gemeinsam nach Lösungen suchen, wünschen sich BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.

Von Wolfgang Battermann: Offener Brief an das LWL-Amt für Denkmalpflege in Westfalen

Die Stadt Petershagen unterstützt den Abriss der Häuser Hauptstraße 38 und 40 der Beutelei in Petershagen für den Neubau eines Supermarktes, ohne dass dem Rat dazu bei seiner Entscheidung irgendwelche Baupläne vorgelegen haben, was einer Blankovollmacht gleichkommt. Außerdem wurden die Stellen des Ehrenamtes von Orts- und Stadtheimatpflege und des Denkmalbeauftragten der Stadt umgangen und nicht mit einbezogen! Der zuständige Fachausschuss bekam keine Möglichkeit zu tagen, seine Stellungnahme wurde nicht eingeholt!
Ihr Amt für Denkmalpflege in Westfalen weist diese Gebäude nach fachlichen Überprüfungen in vier (!) Schreiben an die Stadt Petershagen und sogar an das Düsseldorfer Ministerium (u.a. vom 22.10.09, 8.12.09, 4.01.10) eindeutig, also ohne Wenn und Aber, als Baudenkmale nach §2 des Denkmalschutzgesetzes aus. Die Stadt Petershagen kommt Ihrer Aufforderung des Eintrags dieser Häuser in die Denkmalliste nicht nach, wozu sie nach dem Denkmalschutzgesetz verpflichtet ist!
Ihr Amt hebt hervor, dass beide Gebäude für die Stadt- und Ortsgeschichte eine große Bedeutung haben und herausragende, letzte Zeugnisse für das zeittypische Bauen und Wohnen im kaiserzeitlichen Petershagen vor 1900 sind.
Die Gebäude waren und sind für die Bürger identitätsstiftend, haben ortsbildprägenden Charakter und eine ähnliche Dominanz in der Stadtstruktur und dem Gebäudeensemble wie ihr östlicher Gegenpol, die Gebäude Hauptstraße 1. Zusammen bilden sie die herausragenden Kreuzungs- und Einmündungspunkte in Petershagen!
Ausdrücklich betonen Sie, Herr Dr. Harzenetter als der Landeskonservator von Westfalen, „dass die Bewahrung der historischen Substanz eine städtebaulich befriedigende Einbindung der Neubaumaßnahme (d.h. des Supermarktes) befördern und gleichzeitig durch Erhalt des vertrauten Ortsbildes zur allgemeinen Akzeptanz beitragen würde“.
Das heißt, dass beide Ziele, der Erhalt der beiden Baudenkmale und der für die zukünftige Entwicklung Petershagens als Einzelhandelsstandort wichtige neue Supermarkt, bei geschickter integrierter Planung vereinbar sind!

Wenn sich bis zum September, so wie Sie schreiben, nur wenige Stimmen gegen den Abriss erhoben hatten, dann lag das daran, dass man die Öffentlichkeit nicht informiert hatte, sie vor vollendete Tatsachen stellte und Flächennutzungs- und Bebauungspläne die Gebäude bis zum Stadtratsbeschluss im Dezember 2009 schützten. Die meisten Menschen waren sich sicher, dass auf diesem bedeutenden Stadtteil der Beutelei, dem heute ältesten Teil Petershagens, der Ensembleschutz des gesamten Stadtbildes lag!
Sie wissen besser als ich, dass Bauten des Historismus als zu schützende Kulturgüter andernorts noch kaum berücksichtigt sind!
In der Zwischenzeit hat sich ein erheblicher Widerstand in der Bürgerschaft gegen den Abriss formiert! Da Sie in Ihren Schreiben keine (!) Gründe nennen, warum Sie von Ihrem Anrufungsrecht keinen Gebrauch machen, fordere ich Sie aufgrund der obigen Gründe auf, Ihr Anrufungsrecht (§ 3 Abs. 2 Denkmallisten-Verordnung) wahrzunehmen, d.h. das Düsseldorfer Ministerium von Herrn Lienenkämper einzuschalten!


Nach OBEN !