05/2009
Baumfällaktionen am Bessel’schen Hof – Lügen und vollendete Tatsachen

Von Hubert Horstmann, Wolfgang Battermann, Uwe Jacobsen

Was sind solche Aussagen wert? Im städtischen Ausschuss für Kultur- und Heimatpflege im September 2008 gab es durch Jürgen Thielking, den Leiter des Kreis-Bau- und Planungsamtes, folgende Aussage: „Der Baumbestand (des Bessel’schen Hofes) soll im Wesentlichen bestehen bleiben. Die hohen, alten Bäume werden nicht geopfert.“ (MT-Artikel vom 9. September 2008).

Der Beauftragte für Denkmalschutz in der Stadt Petershagen und der Ortsheimatpfleger für die Ortschaft Petershagen sowie zahlreiche Bürgerinnen und Bürger waren wütend und enttäuscht, als sie feststellen mussten, dass entgegen den gegenüber ihnen gemachten Zusagen und Beteuerungen, drei große, sehr alte Bäume am 26. März 2009 in der Parkanlage des Bessel’schen Hofs gefällt worden waren. Beide, ehrenamtlich tätige, engagierte und vom Rat bestellte Personen, wurden vor vollendete Tatsachen gestellt.

Wie war es dazu gekommen? Vom Kreisbauamt war zu erfahren, es hätte ein Missverständnis zwischen dem Bauamt und Grünflächenamt des Kreises Minden-Lübbecke gegeben. Diese Aktion wäre so nicht geplant gewesen. So fragwürdig diese Aussage auch ist, wenn sie aber den tatsächlichen Vorgang beschreibt, wirft das in jedem Fall ein bezeichnendes Licht auf die Haltung des Kreises zum Baumschutz sowie auf den Wert planerischer Aussagen in Ausschusssitzungen.

Drei große alte, gesunde, man kann sagen ehrwürdige Bäume, standen seitlich vor dem Hauptgebäude und verdeckten keineswegs die Fassade, wie ebenfalls behauptet wurde. Ungeachtet der Frage, was man von einem Argument halten soll, das Baumveteranen optischen Belangen opfert, stehen vor der Fassade tatsächlich vier Bäume, die offensichtlich geschont werden sollten, da sie vom Anfang der Baumaßnahme an mit einer Bretterverkleidung gegen Beschädigungen geschützt waren. Verdecken sie nicht die Fassade, zumindest teilweise?

Es muss also andere Gründe gegeben haben, warum die besagten drei Bäume gefällt worden sind, eine ca. zweihundert Jahre alte Rotbuche mit einem Stammdurchmesser von
ca. 1,30 m, eine seltene Kastanienart mit einem Durchmesser von 0,60 m sowie eine Hainbuche von ca. 0,60 m, einer Baumart, die auch als niedriger Bewuchs in Wäldern, aber auch als Heckenpflanze bekannt ist.

Ob eine fachmännische Untersuchung über die Gesundheit bzw. den Zustand der Bäume vorliegt, darf bezweifelt werden.

Baumexperten haben empirisch festgestellt, dass starke, dicke Bäume selten oder gar nicht umfallen, weil allein die Physik dagegen spricht. Sie sterben langsam von oben, Stück für Stück. Ein bekannter Baum in Heisterholz, „Die Krause Eiche“, ist dafür ein augenscheinliches Beispiel. Mehrere hundert Jahre alt, vom Förster beobachtet und gepflegt, treibt sie immer noch Jahr für Jahr frisches Grün aus.

Die ehrenamtlichen Helfer, Beauftragte für Denkmalschutz und Ortsheimatpflege, werden durch solche Vorkommnisse für ihre Tätigkeit nicht weiter motiviert, nachdem ihre Bemühungen bei den Vorplanungen, den Baumbestand pfleglich zu behandeln, offensichtlich beiseite geschoben und eher als lästig und überflüssig bewertet wurden!

Aufgebrachten Bürgerinnen und Bürgern, die bei der Aktion vor Ort waren, konnte der Vorarbeiter auf ihre Fragen keine Antworten geben, sondern redete sich nach zwei gefällten Bäumen mit der Lüge heraus, der dritte, später ebenfalls gefällte Baum, solle nur ausgedünnt werden!

Die parkähnliche Anlage am Bessel’schen Hof ist zerstört! Stadt und Kreis sind ihrem Baumfäller-Image treu geblieben nach dem Motto: „Nur Sägen bringt Segen!“.


Nach OBEN !