Ab jetzt wird mehr auf die Jugend gesetzt – Haller Dorfvorstand verjüngt sich

Halle. Die Haller verstärkten den Vorstand bei der Jahreshauptversammlung am 1. März um Beisitzer Alexander Kahlert und den neuen zweiten Vorsitzenden Lukas Niemann. Diese wollen ab sofort neue Ideen einbringen und dem kleinen Dorf an der niedersächsischen Grenze zu Nordrhein-Westfalen zu mehr Bekanntheit verhelfen. Man wolle bei der Dorfentwicklung vor allem auf das Engagement der Jugend setzen und in deren Interesse handeln.

Durch seinen Beruf ist der 25-jährige Lukas Niemann, Verwaltungsbeamter der Stadt Minden, ständig in politische Entscheidungen verwickelt. Außerdem engagiert er sich als Jugendtrainer der B-Jugend des SV Kreuzkrug, wo er ebenfalls zum Vorstand gehört. Mit Alexander Kahlert (32) der für die Mindener Kreisbahnen in der Werkstatt arbeitet, sind die beiden von nun an vor allem für eine Erneuerung und Verbesserung bisheriger Konzepte der Dorfgemeinschaft zuständig. Die erste große Aufgabe war die Erstellung des Dorfentwicklungskonzepts, bei der man sich über große Unterstützung der Kommune erfreue. Diese Entwicklungskonzepte seien eine einmalige Chance für Dörfer wie Halle. Außerdem mache die Zusammenarbeit Spaß und es sei schön, Kontakte zu knüpfen und sich mit anderen auszutauschen.

Das Problem, welches kleine Dörfer wie Halle hätten, sei zum einen, dass der demografische Wandel hier besonders stark spürbar sei, so Lukas. Es gäbe kaum noch junge Leute, die hier wohnen blieben, was dazu führe, dass weniger Engagement und Ideen in Projekte einflößen. Man müsse die Jugend viel mehr miteinbeziehen. Die Schuld wolle man dafür aber niemandem in die Schuhe schieben. „Die Einteilungen der Aufgaben wurden vor Jahren festgelegt und seither einfach nicht verändert“, sagt Alexander Kahlert. „Wir müssen uns nun darüber unterhalten, wer von den jüngeren nachrücken kann, um den Dingen etwas neuen Schwung zu geben.“ Zwar seien traditionelle Feste immer gut besucht, jedoch würden diese zunehmend unattraktiver für jüngere Leute. An dieser Stelle müsse das Dorf nun anschließen und auf die Kreativität der Jugend setzen, meint Alexander. Zum Beispiel bei Veranstaltungen wie dem Backtag, der dieses Jahr aufgrund der Corona-Krise leider ausfallen muss, und dem deutlich umfangreicheren Fischtag, durch die man bereits einiges zu bieten habe. „Beim Haller Backtag  gibt es einfach den besten Butterkuchen der Welt“, schmunzelt Lukas Niemann.  Der Fischtag, der jedes zweite Jahr am 3. Oktober stattfindet, bietet eine ganze Menge Programm für jedes Alter. Neben der großen Auswahl an Fisch und anderen Gourmetspeisen, sorgen Spiele und Hüpfburgen, eine Tombola, Getränke und musikalische Unterhaltung für einen gelungenen Tag. Eröffnet wird das Fest von der Fischkönigin, die in der Regel aus Halle oder Westenfeld stammt. An der Organisation sind die Dorfgemeinschaften Halle und Westenfeld gleichermaßen beteiligt. Es ginge nun darum, diese Feste auch für jüngere und auch für die nordrheinwestfälischen Nachbarn attraktiver zu machen. Dies solle unter anderem durch Werbung und eine weitreichende Verbesserung des Rahmenprogrammes geschehen. Dabei solle Traditionelles unbedingt erhalten bleiben! „Unsere kleinen Dörfer haben sich in den letzten 30 Jahren sehr verändert“, erzählt Lukas Niemann. „Früher gab es auch in Halle eine Tankstelle, Kneipe und ein Lebensmittelgeschäft, aber das lohnt sich heutzutage nicht mehr. Wir kaufen zunehmend bei den größeren Konzernen ein, was dazu führt, dass sich das aktive Leben meist in den Städten konzentriert. Feste, wie der Back- und Fischtag sind ein wertvolles Zusammenkommen von Jung und Alt, das anders vermutlich gar nicht stattfinden würde.“

Wir dürfen also sehr gespannt sein, was uns demnächst erwarten wird. Einen ersten Einblick werden wir uns am 3. Oktober erlauben, wenn die Fischkönigin den diesjährigen Fischtag 2020 eröffnen wird.

Text und Foto: Annalena Sundmäker