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Großübung an der Weserfähre in Hävern: Feuerwehr und Rettungsdienst proben Ernstfall

Brand auf der Weserfähre, 13 Vermisste und eine aufwendige Wasserrettung: Eine unangekündigte Alarmübung in Hävern stellte 77 Einsatzkräfte vor eine anspruchsvolle und realitätsnahe Einsatzlage.
Dichter Rauch steigt von der Weserfähre auf: Das realitätsnahe Übungsszenario bildete die Grundlage für eine Alarmübung der Feuerwehr Petershagen in Hävern. Fotos: Krischi Meier
Dichter Rauch steigt von der Weserfähre auf: Das realitätsnahe Übungsszenario bildete die Grundlage für eine Alarmübung der Feuerwehr Petershagen in Hävern. Fotos: Krischi Meier

Hävern (kri). Als am Mittwochabend um 19:21 Uhr die Meldeempfänger der Einsatzkräfte auslösten, deutete zunächst alles auf einen realen Einsatz hin. Gemeldet wurde ein Brand im Motorraum der Weserfähre in Hävern sowie mehrere betroffene Personen an Bord. Erst auf der Anfahrt stellte sich für die alarmierten Kräfte heraus: Es handelte sich um eine groß angelegte Alarmübung der Feuerwehr Petershagen.

Gerade dieser Überraschungseffekt war bewusst gewollt. Die Leitstelle alarmierte die Einheiten wie bei einem echten Einsatz, sodass Lageeinschätzung, Erstmaßnahmen und Koordination unter realistischen Bedingungen erfolgen mussten – insbesondere in den ersten, entscheidenden Minuten.

Einsatzleiter Thomas Busse koordinierte die Übung.
Einsatzleiter Thomas Busse koordinierte die Übung.

Das angenommene Szenario hatte es in sich: Insgesamt 13 Personen galten als betroffen, als der simulierte Brand auf der Fähre ausbrach. Vier von ihnen befanden sich zunächst noch auf der Fähre, weitere waren nach dem angenommenen Brand ins Wasser gesprungen. Eine Person wurde als im Wasser vermisst gemeldet, die übrigen Betroffenen konnten sich bereits an Land retten und mussten dort medizinisch versorgt werden.

Insgesamt waren 77 Einsatzkräfte vor Ort. Neben den Löschgruppen aus Frille, Eldagsen, Petershagen, Buchholz, Großenheerse, Lahde und Ovenstädt wurde im Verlauf des Einsatzes auch Windheim nachalarmiert. Zudem waren Tauchergruppen und der Rettungsdienst eingebunden, um die komplexe Lage abzuarbeiten.

Einsatzleiter und Zugführer Thomas Busse führte die Kräfte strukturiert in mehrere Einsatzabschnitte. So wurden Bereiche für die medizinische Rettung, die Brandbekämpfung an Bord der Fähre, die Personensuche an Land sowie die Wasserrettung durch Taucher eingerichtet. Ziel war es, die parallel laufenden Aufgaben effizient zu koordinieren. Für die Taucher wartete dabei eine besondere Aufgabe: Sie mussten eine Übungspuppe vom Grund der Weser bergen. Dadurch wurde die Lage für die Einsatzkräfte möglichst realitätsnah dargestellt und die Suche unter erschwerten Bedingungen trainiert.

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Die ersten Einsatzzeiten zeigten die Dynamik der Lage: Bereits um 19:30 Uhr traf der Einsatzleiter an der Einsatzstelle ein, um 19:31 Uhr folgte das erste Fahrzeug der Löschgruppe Ovenstädt. Parallel dazu begann die Strukturierung der Einsatzstelle unter realistischen Bedingungen.

Neben der eigentlichen Einsatzbewältigung spielte auch die Kommunikation eine zentrale Rolle. Ein Funkkonzept wurde erarbeitet, um die Vielzahl an Rückmeldungen zu bündeln und die Funkkanäle zu entlasten.

Auch die Einrichtung eines Bereitstellungsraums gehörte zu den Aufgaben des Abends, also der Bereich, zu dem die Fahrzeuge nach Alarmierung fahren sollen. Während ein Teil der Kräfte direkt zur Einsatzstelle fuhr, sollten sich weitere Einheiten zunächst außerhalb des unmittelbaren Gefahrenbereichs sammeln. Von dort werden dann die einzelnen Abteilungen an die Einsatzstelle gerufen. „Dieser Bereitstellungsraum wurde gebildet, aber aufgrund der Masse an Funk, der teilweise schwierigen Hörbarkeit aufgrund eines des Funkloches bei den Teichen auf der Anfahrt, sind fast alle Fahrzeuge direkt zur Einsatzstelle gefahren“, berichtet Alana Wiegmann aus dem Team Öffentlichkeitsarbeit der Feuerwehr. Aufgrund der engen Zufahrt und der unübersichtlichen Lage wurde deutlich, dass künftig eine konsequentere Steuerung der Zufahrt notwendig ist, um Engstellen und Blockaden zu vermeiden.

Zukünftig soll daher ein Bereitstellungsraum für schwer zugängliche Einsatzstellen, wie im Bereich der Weser in Hävern, definiert und in die Alarm- und Einsatzplanung der Leitstelle eingebunden werden. Ziel ist es, die Anfahrt und Koordination der Kräfte noch klarer zu strukturieren.

Taucher der Feuerwehr haben die Wasserrettung geübt.
Taucher der Feuerwehr haben die Wasserrettung geübt.

Trotz der komplexen Lage und der hohen Einsatzdichte zeigten sich die Verantwortlichen mit dem Ablauf der Übung zufrieden. Für die Beteiligten bot das Szenario wertvolle Erkenntnisse zur Zusammenarbeit der Einheiten, zur Führungsstruktur und zur technischen Kommunikation unter realistischen Bedingungen.

Besonders war die Übung auch deshalb, weil es sich um die erste Alarmübung seit der Corona-Pandemie handelte. Anders als bei einer regulären Ausbildungsübung werden die Einsatzkräfte bei einer Alarmübung über ihre Meldeempfänger wie bei einem echten Einsatz alarmiert. „Erst an der Einsatzstelle entspannt sich die Situation etwas, wenn allen klar wird, dass es sich nicht um einen Ernstfall handelt“, erklärte Alana Wiegmann. Dennoch werde die Lage anschließend genauso abgearbeitet wie bei einem realen Einsatz. Gerade deshalb seien Alarmübungen für die Einsatzkräfte besonders wertvoll.

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