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Asiatische Hornisse auf dem Vormarsch: Warum sie für Bienen zur Gefahr wird

Die Asiatische Hornisse breitet sich auch in der Region weiter aus. Imker und Hornissenberater Fred Dietz erklärt, warum die invasive Art eine Gefahr für Bienen und andere Insekten darstellt, wie sich ihre Nester erkennen lassen und warum Bürger Sichtungen unbedingt melden sollten.
Imker Fred Dietz im stichsicheren Schutzanzug. Foto: Jessica Höffner
Imker Fred Dietz im stichsicheren Schutzanzug. Foto: Jessica Höffner

Von Jessica Höffner

Petershagen. Die Asiatische Hornisse ist auf dem Vormarsch. „Klar ist, dass wir sie nicht mehr loswerden. Aber wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass wir die Ausbreitung eindämmen“, sagt der Lahder Imker Fred Dietz. Warum die Ausbreitung der invasiven Art unbedingt vermieden werden muss, erklärt Dietz, der nicht nur Imker, sondern auch Bienensachverständiger sowie Wespen- und Hornissenberater ist, im Interview.

Die einheimischen Hornissen stehen unter Naturschutz, da sie in unserem Ökosystem eine wichtige Rolle spielen. Warum gilt das nicht für die Asiatische Hornisse?
Unsere heimische Hornisse ist nicht nur sehr friedliebend, sondern in der Tat auch ein wichtiger Insektenjäger auf der einen Seite und eine Futterquelle für Vögel auf der anderen Seite. Die Asiatische Hornisse hingegen hat sich darauf spezialisiert, Honigbienen, Wildbienen und Hummeln zu töten. Zudem hat sie bei uns keine natürlichen Feinde. Breitet sie sich also immer weiter aus, stellt das eine große Gefahr für die Bienenvölker und damit auch das ökologische Gleichgewicht dar. Die Vielfalt an Insekten wird geringer; der Fressschaden an Obst und Weinbau größer.

Aber stehen Bienen und Hummeln nicht auch auf dem Speiseplan der heimischen Hornisse?
Nicht in dem Ausmaß. Als Imker mache ich mir auch keine Sorgen, wenn eine Hornisse die eine oder andere Biene wegsammelt. Um die Gefahr der Asiatischen Hornisse deutlich zu machen: Eine Kolonie verfüttert an die Larven rund zwölf Kilo Insekten pro Jahr. Das heißt, sie muss schon sehr viele Insekten töten, etwa Dreiviertel davon sind Bienen. Die erwachsenen Hornissen brauchen zuckerreiche Nahrung – also reife Früchte, Fallobst süße Säfte. Um den Druck auf die Gesellschaft, das Ökosystem und die Bienen so gering wie möglich zu halten, müssen die Nester entfernt werden. Es gab schon Weinbauern, die ihre Weinanbaugebiete aufgegeben haben, weil die Asiatische Hornisse diese befallen hat.

Inwiefern stellt die Asiatische Hornisse eine direkte Gefahr für den Menschen dar?
Ich habe kürzlich ein Nest entfernt und war erschrocken, wie sie – noch bevor wir überhaupt in die Nähe des Nestes kamen – in den Verteidigungs- und Angriffsmodus gegangen sind. So ein Verhalten habe ich bei der heimischen Hornisse noch nicht festgestellt.

Ist ein Stich der Asiatischen Hornisse gefährlicher als ein Stich der heimischen Hornisse?
Mit Blick auf den Schmerz ist der Stich vergleichbar mit dem einer heimischen Hornisse oder Wespe. Für Allergiker können aber – wie bei Bienen- oder Wespenstichen – ernsthafte gesundheitliche Reaktionen die Folge sein. Deshalb rate ich dringend davon ab, einem Nest der Asiatischen Hornisse zu nahe zu kommen.

Woran erkenne ich ein Nest der Asiatischen Hornisse?
Asiatische Hornissen bevorzugen beim Bau ihrer Nester die Nähe zu den Menschen. Denn sie wissen, dass es dort auch Futter zu holen gibt. Dabei gibt es unterschiedliche Nestformen. Das Primärnest befindet sich oft auf Augenhöhe und beheimatet etwa 100 bis 500 Hornissen in der Größe eines Fußballs. Deutlich größer ist das Sekundärnest. Sie können bis zu einem Meter lang werden und dabei einen Durchmesser von etwa 80 Zentimetern haben. Im Gegensatz zum Primärnest sitzt das Sekundärnest in luftiger Höhe. Wenn ich ein größeres Primärnest entdecke, kann ich davon ausgehen, dass sich in der näheren Umgebung ein deutlich größeres Sekundärnest mit 5.000 bis 10.000 Asiatischen Hornissen befindet.

Ist ein Nest mit bloßem Auge erkennbar?
Gut sichtbar sind sie in den Bäumen, sobald die Blätter gefallen sind. Zuvor kann man, wenn man ein Nest vermutet, mit einem Fernglas schauen. Ein Sekundärnest wird von der Seite angeflogen. Beobachten lässt sich eventuell die Einflugschneise. Das ist vergleichbar mit einer Ameisenstraße – nur dass in diesem Fall zahlreiche Hornissen auf einer Linie ins und aus dem Nest fliegen.

Wie viele Nester finden sich in der Region mittlerweile?
Die Anzahl nimmt zu. Auf einem Quadratkilometer können bis zu sechs Nester entstehen. Sie können bis in den Januar hinein bestehen bleiben.

Was ist Ihre Aufgabe als Wespen- und Hornissenberater?
Meine erste Aufgabe ist die Beratung. Etwa dann, wenn jemand zuhause ein Wespen- oder Hornissennest entdeckt hat. Mit Blick auf die Wespen versuche ich, die Menschen dazu zu bringen, die Nester, wenn möglich, zu belassen. Insbesondere jetzt, wenn die Nächte kälter werden, werden die Nester kleiner und lösen sich auf. Zudem stehen Wespen unter Naturschutz.

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Warum haben Sie sich dazu entschieden, gegen die Asiatische Hornisse aktiv zu sein?
In erster Linie, um meine eigenen Bienenvölker und die meiner Imkerkollegen zu schützen. Denn wenn wir nichts gegen die Ausbreitung unternehmen, wird das zu einem großen Problem.

Wichtig ist, dass die Menschen die Nester Asiatischer Hornissen melden. Wie funktioniert das?
Bürger, die ein Nest entdecken, können sich an den Kreisimkerverein Minden wenden. Das geht online über die Website. Auch das Hochladen von Fotos eines Nestes, die aber aus sicherer Entfernung gemacht werden sollten, ist dort möglich. Ich würde mir wünschen, dass die Menschen mit offenen Augen durch die Gegend gehen und die Nester melden.

Merkmal des Insekts: die gelben Beinenden.           Fotos: christels/pixabay
Merkmal des Insekts: die gelben Beinenden. Fotos: christels/pixabay

Sie leisten diese Arbeit ehrenamtlich. Schutzausrüstung und Geräte kosten viel Geld. Welche Unterstützung bekommen Wespen- und Hornissenberater?
Wir haben vom Land NRW einen Zuschuss in Höhe von 500 Euro für zwei spezielle und stichfeste Anzüge bekommen. Das reicht aber längst nicht, denn neben dem Schutzanzug und den Geräten – wie zum Beispiel Dampfgerät, Dampflanze und Stromgenerator – kommen in Summe um die 10.000 Euro zusammen. Finanziert wird das aktuell vom Kreisimkerverein. An verschiedenen Stellen haben wir deshalb um Spenden gebeten. Es wäre schön, wenn wir mehr Unterstützung bekämen: Schließlich sind wir ehrenamtlich und für die Natur und die Menschen unterwegs.

Was fasziniert Sie an der Imkerei?
Ich bin schon seit meinem 16. Lebensjahr Imker. Die ersten Schritte waren laienhaft – aber die Imkerei hat mich so sehr gepackt, dass ich verschiedene Lehrgänge besucht habe. Auch bei einer Heilpraktikerin, die mir deutlich gemacht hat, welch gute Heilmittel die Bienen haben. Als ich mich dann noch mit der Völkerentwicklung beschäftigt habe, hat es mich so richtig mitgerissen. Heute habe ich 15, 16 Bienenvölker. Den Honig verkaufe ich unter anderem jeden Freitag auf dem Wochenmarkt in Petershagen. Zudem stellt meine Frau Propolis-Creme her und ich habe erstmals zum testen auch Met angesetzt. Dieses Jahr war übrigens ein tolles Bienenjahr – mit viel leckerem Honig.