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Praxistest in Petershagen: Schweißen im Metallbau – Einblick bei Wilhelm Brase

Im fünften Teil der Serie „Der Praxistest“ wird geschweißt statt geschrieben: Ein Blick in den Metallbaubetrieb Wilhelm Brase in Raderhorst.
Erste Schweißversuche von Redakteurin Jessica Höffner. Foto: privat
Erste Schweißversuche von Redakteurin Jessica Höffner. Foto: privat

Von Jessica Höffner

Petershagen. Im fünften Teil unserer Serie „Der Praxistest – wir probieren es aus“ habe ich Block und Stift gegen Schweißgerät  getauscht. Talentiert oder nicht? Niklas Wagner, Metallbaumeister mit der Fachrichtung Konstruktionstechnik bei der Wilhelm Brase GmbH & Co. KG aus Raderhorst, fasst es so zusammen: „Das war schon sehr gut. Beim dritten Versuch, eine Schweißnaht hinzubekommen, die gut aussieht, bekommt nicht jeder hin.“

Niklas Brase kann es beurteilen. Er ist Profi am Schweißgerät. 2006 hat er bei Brase seine Ausbildung absolviert – heute ist der 36-Jährige ein erfahrener Metallbauer und Meister. Was auf den ersten Blick einfach erscheint, hat aber so seine Tücken. Das wird schnell klar. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt, das richtige Schweißtempo, der richtige Abstand zum Schweißobjekt. Das weiß auch Marie Brase, die gemeinsam mit Schwester Anne-Sofie Brase-Franke und Vater Bernd Brase die Position der geschäftsführenden Gesellschafterin inne hat. „Meine ersten Versuche sahen auch so aus. Aus dem Stegreif würde ich es nicht besser hinbekommen – meine Schwester Anne-Sofie vielleicht schon“, sagt die 37-Jährige, die unter anderem ein BWL-Studium mit Schwerpunkt Unternehmensnachfolge absolvierte. Anne-Sofie Brase-Franke hingegen entschied sich vor dem Studium für eine Ausbildung zur Metallbauerin mit der Fachrichtung Konstruktionstechnik. „Sie hat das also von der Pike auf gelernt“, begründet Marie Brase, warum ihre Schwester in diesem Bereich vermutlich die Nase vorn hätte.
Niklas Wagner legt unterdessen das MAG-Schweißgerät zur Seite. „Es ist schon ein toller Beruf“, sagt der 36-Jährige. Vielfältig sei er, weil kein Tag dem anderen gleicht. „Herausforderungen und Probleme, für die Lösungen gefunden werden müssen, sind an der Tagesordnung“, sagt der Metallbaumeister.

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Und er zieht einen Vergleich, der im ersten Moment ungewöhnlich erscheint. „Schweißen ist wie Backen Jede Stahlsorte hat ihr eigenes Rezept und kann beispielsweise nicht mit jedem Zusatzschweißwerkstoff verschweißt werden. Im schlimmsten Fall wird die Schweißnaht dann brüchig“, erklärt Niklas Wagner. „Beim Backen ist es auch so. Nicht jede Zutat passt zusammen – nicht zu jedem Kuchen passt Sahne“, macht er deutlich. Eine „ladylike“-Erklärung für mich. Aber ich muss zugeben: Das Backen gehört nicht zu meinen Kernkompetenzen. Immerhin scheinen die Kollegen von Niklas Wagner ebenfalls der Meinung zu sein, dass das mit dem Schweißen hätte schlechter laufen können. „Und Niklas, haben wir eine neue Mitarbeiterin?“, rufen sie. In der Tat kann die Firma Brase weitere Unterstützung gebrauchen. „Wir suchen immer Unterstützung in unserer Metallverarbeitung – ausgelernte oder junge Menschen, die die Ausbildung absolvieren möchten“, macht Marie Brase deutlich. „Gerne auch weibliche Unterstützung“, ergänzt die Geschäftsführerin.

Metallbaumeister Niklas Wagner und Geschäftsführerin Marie Brase. Foto: Jessica Höffner
Metallbaumeister Niklas Wagner und Geschäftsführerin Marie Brase. Foto: Jessica Höffner

Frauen sind hier im Bereich der Schweißabteilung klar in der Minderheit. Noch zumindest. Anders als in der Geschäftsführung mit der weiblichen Doppelspitze. Ist das ein Problem in einem männerdominierten Bereich? „Grundsätzlich ist das nicht immer ganz einfach. Wir mussten und müssen uns schon Respekt verschaffen. Viele Mitarbeitende kennen uns, seitdem wir Kinder sind. Und jetzt sind wir plötzlich in der Rolle der Chefinnen. Aber, und das merken wir in unserer Firma deutlich, wir sind hier auf einem Dorf. Heißt: Auch wenn es nicht immer ganz einfach ist, läuft das hier wirklich gut. Es ist halt menschlicher“, sagt Marie Brase.
Dass Frauen im Metallbau noch unterrepräsentiert sind, merkt man bei Brase – sowohl in der Werkstatt als auch in der Branche insgesamt. Gleichzeitig zeigt das Unternehmen mit seiner weiblichen Doppelspitze, dass sich Rollenbilder verändern. Vielleicht braucht es genau solche Beispiele, damit sich künftig noch mehr Frauen an das Schweißgerät wagen.

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