Anzeige

Anzeige

Hightech im Schießkeller: Treffer oder Technikschaden?

Sportschützenverein Todtenhausen: Der neue Schießstand im Praxistest der Redaktion. Treffer oder Technikschaden?
Redakteurin Jessica Höffner beim „Praxistest“. Foto: Dietmar Meier
Redakteurin Jessica Höffner beim „Praxistest“. Foto: Dietmar Meier

Von Jessica Höffner

Todtenhausen. „Nichts wäre schlimmer, als die Scheibe kaputtzuschießen.“ Die Worte von Thomas Koschany, Vorsitzender des Sportschützenvereins Todtenhausen, sind deutlich. Ich schlucke kurz, werfe einen Blick auf die 50 Meter entfernte Scheibe und denke mir: „Hoffentlich bin ich gut versichert.“ Unsere Redaktion durfte den neuen und hochmodernen Schießstand in Todtenhausen testen. Der Auftakt unserer neuen Serie „Der Praxistest – wir probieren es aus“.

Ein Dienstagabend in Todtenhausen. Nach und nach füllt sich der Schießkeller im Dorfgemeinschaftshaus. Sie alle kommen mit einem (Waffen-)Koffer in der Hand, tragen die blaue Vereinsweste. 130 Mitglieder zählt der Verein; etwa 35 von ihnen treten regelmäßig bei Wettbewerben und Turnieren an. „Vom Jugendlichen bis hin zum Senior mit über 80 Jahren ist alles dabei“, erzählt Thomas Koschany, während er den Schlüssel im Schloss der Tür zum Kleinkaliberstand umdreht. Hinter der unscheinbaren Holztür verbirgt sich der ganze Stolz des Vereins. Rund 15.000 Euro hat die neue und hochmoderne Schießanlage gekostet, finanziert durch Sponsoren und weitere Spenden. „Jetzt können wir alle Schüsse detailliert auswerten, haben eine neue Beleuchtung angebracht und auch den Lichtpunktschießstand neu installiert“, erklärt Thomas Koschany. Viel haben die Schützen in Eigenleistung erledigt. Der Vorsitzende blickt auf die kleinen Monitore und den großen Bildschirm im Gemeinschaftsraum der Schützen. Wer hier sitzt, kann live mitverfolgen, ob die Kameraden mit dem Kleinkaliber ins Schwarze getroffen haben.

Der Vorsitzende Thomas Koschany. Foto: Dietmar Meier
Der Vorsitzende Thomas Koschany. Foto: Dietmar Meier

„Nicht die Scheibe kaputtschießen – und die, die im Gemeinschaftsraum sitzen, können alles live mitverfolgen“: Die Aufregung vor dem ersten Schuss steigt. Etwas Beruhigung stellt sich ein, als ich zunächst eine Einweisung bekomme. Richtige Sitzposition, ein ruhiger Blick durchs Visier und Vorsicht mit dem Abzug. Der ist sensibel. Fast so, wie das Gaspedal eines Sportwagens, der binnen Sekunden von 0 auf 100 ist. „So lange du den weißen Bereich der Scheibe triffst, ist alles okay. Ein Treffer auf der braunen Fläche wäre nicht so gut. Dahinter verbirgt sich die Technik. Die Summe von 15.000 Euro schießt mir in den Kopf. Ein, zwei „Trockenübungen“ folgen. Noch ist keine Munition im Lauf. „Bereit?“, fragen die Schützen. Bereit. Ich nehme Scheibe 2 ins Visier, sehe den schwarzen Punkt in der Mitte der digitalen Scheibe deutlich. Ich drücke ab – doch der Schuss verschwindet quasi im Nirwana. Die Technik läuft noch. „Glück gehabt“, denke ich mir. Die habe ich jedenfalls nicht getroffen. Wo aber ist der Schuss abgeblieben? „Auf Scheibe drei, rechts neben der zweiten Scheibe“, heißt es aus dem Hintergrund. Ich atme durch, die Schützen lächeln. Die Schüsse zwei, drei und vier laufen besser. Ich fahre die Konzentration hoch und achte vor allen Dingen darauf, jetzt die richtige Scheibe ins Visier zu nehmen. 7, 8, 6: „Immerhin“, sage ich, setze den Gehörschutz ab und warte auf meine Scheibe.

Anzeige

„Die gibt es schon lange nicht mehr“, sagt Thomas Koschany. Um 1996 wurde die alte Zuganlage abgeschafft und durch eine erste elektronische Anlage ersetzt. Eine Papp-Zielscheibe als Andenken – Fehlanzeige. „Zu der Zeit war es noch so, dass man das Ergebnis tatsächlich erst ablesen konnte, als man die Zielscheibe zu sich gezogen hat“, blickt Thomas Koschany zurück. Mit richtiger Munition wird bis heute geschossen. Auch auf die hochmodernen und digitalen Zielscheiben. 50 Schuss der Kleinkalibermunition liegen bei knapp acht Euro. Geld, das viele aus dem Dorf gerne ausgeben, wenn sie einmal im Monat zum öffentlichen Schießen kommen. Dann dürfen sich alle diejenigen ausprobieren, die nicht im Schützenverein sind. Unter Aufsicht versteht sich. 40 bis 50 Gäste kommen dann im Schützenhaus zusammen. Auch deshalb sei die Investition in die in die Jahre gekommene Anlage immens wichtig gewesen. „Hier stand das Dorfleben auf dem Spiel. Wenn wir keine neue Anlage bekommen hätten, hätte nicht nur unser Verein ein Problem gehabt, weiter aktiv zu sein. Auch Veranstaltungen wie das öffentliche Schießen und das große Todtenhauser Schützenfest hätte es vermutlich nicht mehr gegeben“, sagt Thomas Koschany. Das Schützenfest und der Schützenverein: ein wichtiger Treffpunkt im Dorf Todtenhausen. Und dank der neuen Anlage auch mit einer echten Perspektive für die Jüngeren, die sich dem Verein anschließen. Mittlerweile haben drei Damen des Schützenvereins den Schießstand betreten. „Wenn wir eine 7 oder 8 schießen, ist das schon nicht so gut“, sind sie sich einig. Routiniert stehen sie jetzt da und nehmen ihre Scheibe ins Visier. Sie treffen ins Schwarze – bei fast jedem Schuss.