Anzeige

Anzeige

Wie die Eiszeit die Weser formte: Niederterrasse, Hochwasser und verwilderte Flusssysteme

Einst floss die Weser in vielen verzweigten Rinnen durch ein breites Tal. Gewaltige Schmelzwassermengen und Frostverwitterung schufen die Niederterrasse – ein geologisches Erbe, das bis heute sichtbar ist.
Ablaufendes Wasser vor einer Sandhalde veranschaulicht gerade zu modellartig die Struktur „verwilderter“ eiszeitlicher Flüsse. Foto: Dietmar Meier
Ablaufendes Wasser vor einer Sandhalde veranschaulicht gerade zu modellartig die Struktur „verwilderter“ eiszeitlicher Flüsse. Foto: Dietmar Meier

Von Dr. Dietmar Meier

In der letzten Folge unserer Serie haben wir beschrieben, wie die Weser ihren Verlauf während der abwechselnden Kalt- und Warmzeiten verändert hat. In dieser Folge schauen wir einmal auf das Erscheinungsbild der Weser selbst.
Während der vergangenen Kaltzeiten hatten die Flüsse – so auch die Weser – eine ganz andere Gestalt und ein ganz anderes Abflussverhalten, als wir es aus der heutigen Warmzeit kennen. In den damaligen Wintern fielen weite Teile der Flusstäler trocken. In den Frühsommer dagegen führte einsetzendes Tauwetter den Flüssen gewaltige Mengen von Schmelzwasser zu. Dieses Wasser konnte auf dem tiefgründig gefrorenen Boden kaum versickern, so dass es während der Tauperioden zu enormen Hochwasserwellen kam, die in flachen und sehr breiten Teilungen wildwasserartig abflossen. Unter diesen Bedingungen entwickelten sich sogenannte „verwilderte“ Flusssysteme. Das waren Netzwerke eng verflochtener Flussrinnen, die sich ständig verlagerten. Diese eiszeitlichen Flüsse transportierten riesige Mengen von Gesteinsschutt, der durch die intensive Frostverwitterung an den Talhängen entstand.

Anzeige

Bei nachlassender Strömungsgeschwindigkeit wurde dieser Gesteinsschutt in Form von Kies- und Sandbänken im Flussbett wieder abgesetzt. Im Verlauf einer Kaltzeit wuchsen diese Bänke nach und nach zu breiten Schotterfluren zusammen. Deren Überbleibsel ziehen sich, soweit sie nicht in der jüngeren geologischen Vergangenheit bereits wieder abgetragen wurden, heute als Terrassen an den Flüssen entlang.
Auf diese Weise ist während der letzten Kaltzeit nördlich der Porta Westfalica die sogenannte Niederterrasse der Weser geformt worden, eine in großen Teilen flache Ebene, auf die die Weser bei heutigen Hochwasserereignissen bereichsweise überschwappt. Die Kartendarstellung veranschaulicht die Breite der Niederterrasse im Stadtgebiet von Petershagen. Gegenüber dem eiszeitlichen Flusssystem ist die heutige warmzeitliche Weser nur noch ein schmales Band (blaue Linie), das sich in Bogenform – man spricht dabei von Mäandern – durch die Niederterrasse schlängelt. Der Ausbau der Weser zur Bundeswasserstraße im Zuge der Industrialisierung zielte drauf ab, dass sich der Flussverlauf nicht weiter verändert.