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Musiker Peter Wilcek aus Minden über Erfolg, Bühnenleben und die Zukunft der Musik

Mehr als 120 Auftritte pro Jahr, Begegnungen mit bekannten Künstlern und die Leidenschaft für Live-Musik: Peter Wilcek erzählt im Interview, warum er auch mit 70 Jahren noch nicht an den Ruhestand denkt.
Leidenschaftlicher Musiker: Peter Wilcek. Foto: Jessica Höffner
Leidenschaftlicher Musiker: Peter Wilcek. Foto: Jessica Höffner

Von Jessica Höffner

Minden. Schon als Kind war Peter Wilcek von Musik umgeben. Heute, mit 70 Jahren, steht er noch immer regelmäßig auf der Bühne. Im Interview spricht er über Glücksmomente, Herausforderungen im Musikgeschäft und seinen Wunsch, so lange wie möglich weiter Musik zu machen.

Sie haben im Jahr 2020 Ihre Biographie mit dem Titel „Immer knapp am Hit vorbei – aus dem Leben eines Mittelstandsmusikers“ veröffentlicht. Auch wenn es aus Ihrer Sicht keinen Hit gab, warum würden Sie immer wieder Musiker werden?
Die Antwort ist einfach: Wenn man etwas tut, was einem Spaß macht, arbeitet man nie. Mein Freund Christian hat zudem einmal gesagt: „Der liebe Gott hat dich auf die Erde gebracht, damit du Musik machst und den Leuten Spaß bringst.“ Und ich muss sagen: Es macht mich bis heute glücklich, wenn ich glückliche Menschen sehe, die lächeln und feiern, wenn ich Musik mache. Das ist einfach ein großartiges Gefühl. Unterm Strich würde ich also immer wieder Musiker werden – trotz vieler langer (Konzert-)Nächte.

Den größten Teil Ihres Lebensunterhaltes, so schreiben Sie im Vorwort, haben Sie mit der Musik verdient. Und womit den Rest?
Das ist eine längere Geschichte. Das Motto meiner musikalischen Eltern war stets: „Unser Junge soll was Besseres werden. Am liebsten Rechtsanwalt. Oder Arzt.“ Jeden Morgen ging es um Punkt 6.10 Uhr mit dem Zug von Döhren nach Minden zur Schule, um fleißig zu lernen. Zumindest bis zur Pubertät. Dann bin ich ausgebrochen, war nächtelang mit dem Saxophon unterwegs, habe die Schule geschwänzt und überall „mitgehupt“, wo es nur ging. So bin ich schnell in der Musikerszene gelandet.
Mein Abitur habe ich schließlich auf dem zweiten Bildungsweg gemacht – und bin schließlich Lehrer für Musik und Geschichte geworden. Als Lehrer an der Hauptschule habe ich dann aber so ziemlich alle Fächer unterrichtet, wurde erst Vertrauenslehrer, dann Konrektor und schließlich für mehr als 30 Jahre Teil der Schulleitung.

Aber zu der Zeit haben Sie Musik dann quasi nebenbei gemacht?
Ob ich das als „nebenbei“ bezeichnen würde? (lacht). Schließlich stand ich Jahr für Jahr 120 bis 140 Mal auf der Bühne.
Welche Erinnerungen haben Sie denn an Ihre ersten Berührungen mit der Musik?
Ich war vier Jahre alt, als ich praktisch die erste „Kapelle“ kennengelernt habe: Opa an der Geige, Oma an der Laute, Papa am Saxophon. Im Alter von sechs Jahren stellte sich dann nicht die Frage, ob ich ein Instrument lernen möchte, sondern welches. Das war dann zunächst mit sechs Jahren das Akkorden. Um am Geigenunterricht in der Schule teilzunehmen, war kein Geld da. Mein Vater entschied also, dass ich Klarinette lernen sollte – mit ihm als Lehrer. Der heimische Unterricht stand jeden, aber auch wirklich jeden Tag, auf dem Programm. Zurückblickend habe ich das gehasst, weil auch die Erziehungsmethoden andere waren. Im Alter von etwa 30 habe ich dann aber realisiert, dass ich genau dadurch irre Vorteile hatte. Nebenbei habe ich mir als Autodidakt noch das Gitarrespielen beigebracht. Dann kamen die Wochenenden, die Zeit der Zeltfeste. Und ich habe verdammt viel Musik am Wochenende gemacht. Les Caliers, New MGs, Santa Fee und Dominos waren meine Stationen bei Tanz- und Showbands, so hieß das damals, gegründet. Bei den Auftritten trugen wir weiße Anzüge und so. Heute nennt man Bands wie diese „Top40“-Band.

Haben denn auch Sie Ihre Musikgene innerhalb der Familie weitergegeben?
Ja. Meine Tochter ist sehr erfolgreich als Musicaldarstellerin. Zuletzt hatte sie die künstlerische Leitung für das Musical „Ku‘damm 56“ in Berlin. Da muss ich als Papa schon weinen, wenn ich sie auf der Bühne sehe.

Sie selbst haben nicht nur mehrere Jahre Musikererfahrung, sondern auch Künstler wie Gunter Gabriel, Karl Dall oder Dieter Thomas Heck begleitet. Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Die Begleitung von Dieter Thomas Heck war leider keine schöne. Das, was er selbst nicht hinbekommen hat, hat er auf den Schlagzeuger geschoben. Aufgrund eines Musikerausfalls habe ich zudem Gunter Gabriel begleitet. Er gab keine Anweisungen, fing einfach an zu spielen. Eine Herausforderung, denn als Musiker musst du dann wissen, wo du bist und was du spielen musst. Über die Begleitung der Künstler könnte ich ein ganzes Buch schreiben. So viele Dinge sind da passiert.

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Wie würden Sie dann heute Ihre ganz eigene Musikerkarriere zusammenfassen?
Ich war und bin Mittelstandsmusiker. Unterhaltungsarbeiter.

Ihr Tourkalender ist noch immer prall gefüllt. Auch welche Auftritte können sich Ihre Fans in den kommenden Monaten freuen?
Mein Nummer-1-Projekt ist die CCR Revival Band. Viele sagen, wir sind die Besten in Europa. Wir sind auch wirklich eine tolle Truppe, spielen das echt gut. Wenn die Leute bei diesen Auftritten die Hände in die Höhe reißen, macht das einfach glücklich. Am 11. Juli spielen wir beispielsweise an Büschings Mühle; am 29. August stehen wir bei der Oldie-Night in Südfelde auf der Bühne. Alle Termine gibt es auch auf meiner Homepage.

Wie bewältigen Sie die Auftritte heute – im Alter von 70 Jahren?
Die Verstärker werden im Laufe der Zeit schwerer (lacht). Ich rauche zu viel, ernähre mich aber gut. Und ich gönne mir meine Ruhephasen. Ich sorge dafür, dass die Sonntage komplett frei sind. Dann habe ich Zeit, die Füße hochzulegen und mich auszuruhen. Wenn es in diesem Jahr nicht gut läuft, spiele ich das erste Mal seit mehr als 40 Jahren weniger als 100 Termine.

Welche Gründe gibt es dafür?
Die Unterhaltungsszene ändert sich. Die KI wird zur Seuche. Auch in der Musikszene. Die „Top40“-Bands erleben das mittlerweile massiv. In einem Jahr steht noch die Band auf der Bühne. Fünf bis sechs Musiker, ein Team hinter den Kulissen, das sich um Licht, Ton und alles, was sonst noch dazugehört, kümmert. Ein Jahr später steht an gleicher Stelle ein einzelner Mensch. Die Musik kommt nur noch aus dem Laptop. Das Verrückte: Dieser „Musiker“ kostet mehr als die Liveband, die die Bühne noch im vergangenen Jahr rockte.

Denken Sie deshalb vielleicht schon über die Musiker-Rente nach?
Auf keinen Fall. Ich spiele, so lange es geht. Aber natürlich auch nicht so lange, bis man mich von der Bühne tragen muss. Wenn meine Kollegen irgendwann zu mir sagen sollten: „Komm, lass mal!“, dann ist der Zeitpunkt da.

Ein Leben ohne Musik wäre für Peter Wilcek…?
Das geht nicht. Nein, das geht einfach nicht. Und zwar nicht nur für mich, sondern generell. Wenn kleine Kinder geboren werden, tanzen sie, bevor sie laufen. Und sie singen, bevor sie sprechen.

Hier steht Peter Wilcek auf der Bühne – die Terminübersicht

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