Mittwoch, 30. September 2026

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„Rauch & Schaum“ in Uchte: 800 Zigarettenschachteln und 3000 Biergläser erzählen Geschichte

800 Zigarettenschachteln, 3000 Biergläser und längst verschwundene Brauereien: Die Ausstellung „Rauch & Schaum“ im Uchter Bürgerhaus nimmt Besucher mit auf eine ungewöhnliche Zeitreise durch Rauch-, Bier- und Regionalgeschichte.
Sammler aus Leidenschaft: Bernd Volmerding (links) und Eckhard Dera. Foto: Jessica Höffner
Sammler aus Leidenschaft: Bernd Volmerding (links) und Eckhard Dera. Foto: Jessica Höffner

Von Jessica Höffner

Uchte. Was haben eine zerdrückte Zigarettenschachtel, ein Bierglas aus einer längst verschwundenen Brauerei und eine Sonderedition mit Dracula-Bezug gemeinsam? Sie erzählen Geschichten. Genau darum geht es bei der Ausstellung „Rauch & Schaum“ im Uchter Bürgerhaus. Eckhard Dera und Bernd Volmerding zeigen dort ihre ungewöhnlichen Sammlungen: Rund 800 verschiedene Zigarettenschachteln treffen auf etwa 3000 historische Biergläser und zahlreiche Bierflaschen.

Wer durch die Ausstellung schlendert, entdeckt eine erstaunliche Vielfalt: Zigarettenschachteln aus China, Frankreich, England und den USA, DDR-Verpackungen, Sondereditionen und längst vergessene Marken. Jede Schachtel ist dabei ein kleines Stück Zeitgeschichte. Und ausgerechnet der Mann hinter der Sammlung hat selbst nie geraucht.

Eckhard Dera begann Anfang der 1990er-Jahre mit dem Sammeln. Damals war er noch nicht einmal 15 Jahre alt. „Am Anfang waren es 42 Schachteln“, erinnert er sich. Einige stammten von holländischen Urlaubern, andere gelangten über Verwandte und Bekannte zu ihm. Die farbenfrohen Verpackungen faszinierten ihn – und gemeinsam mit einem Freund begann er, die Sammlung systematisch auszubauen. Heute stehen rund 800 unterschiedliche Zigarettenschachteln in seiner Sammlung.

Ein besonders ungewöhnliches Stück trägt den Aufdruck „Winsel Brauerei Uchte“. Foto: Jessica Höffner
Ein besonders ungewöhnliches Stück trägt den Aufdruck „Winsel Brauerei Uchte“. Foto: Jessica Höffner

Besonders spannend sind für Dera nicht nur die Verpackungen selbst, sondern die Geschichten, die hinter ihnen stecken. Zu seinen besonderen Stücken gehört eine seltene HB-Schachtel mit Bezug zum Film „Dracula“. Offenbar wurde die Probeschachtel im Zusammenhang mit der Filmpremiere ausgegeben. Eine andere Schachtel hat einen ganz anderen Hintergrund – und ist dafür besonders persönlich. Dera fand sie auf einem Festival in Lüneburg. Zerdrückt, verschmutzt und kaum noch als Zigarettenschachtel zu erkennen. Für andere wäre sie vermutlich ein Fall für den Papierkorb gewesen. Für Dera war sie ein Fundstück. Er wusch die Schachtel vorsichtig ab, bügelte sie und klebte sie wieder zusammen. „Schon ein bisschen bekloppt“, sagt er über den Aufwand und muss dabei selbst schmunzeln. Doch genau solche Geschichten machen für ihn den Reiz des Sammelns aus.

Heute lässt sich fast jede historische Verpackung innerhalb weniger Sekunden im Internet recherchieren. Anfang der 1990er-Jahre sah das noch ganz anders aus. Wer damals als Jugendlicher Zigarettenschachteln sammelte, war auf Freunde, Verwandte, Urlaubsbekanntschaften sowie Informationen aus Zeitungen und Zeitschriften angewiesen. Gerade deshalb sind die Schachteln für Dera mehr als bloße Sammelobjekte. Sie dokumentieren Veränderungen bei Werbung, Design und Marken – und spiegeln damit auch gesellschaftliche Entwicklungen wider.

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Auf der anderen Seite der Ausstellung wartet eine zweite ungewöhnliche Sammlung. Bernd Volmerding besitzt tausende Biergläser. Rund 3000 davon sind im Uchter Bürgerhaus zu sehen, weitere etwa 2000 lagern bei ihm zu Hause. Auch hier geht es um weit mehr als Bier.

Historische Logos, Werbeaufdrucke, Formen und Schriftzüge erzählen von Brauereien, die teilweise längst nicht mehr existieren. Zu den besonderen Stücken gehören unter anderem Gläser von Germania, Hakebeck, Isenbeck und Eichbaum. Auch DDR-Gläser sowie Exemplare aus den 1930er- bis 1950er-Jahren sind Teil der Sammlung. Manche Fundstücke waren offenbar echte Schnäppchen. Auf Flohmärkten habe Volmerding nach eigener Einschätzung schon besondere Gläser gekauft, ohne dass die Verkäufer deren Bedeutung oder Seltenheit erkannt hätten.

Besonders wichtig ist der regionale Bezug der Ausstellung. Zu sehen sind auch Flaschen und Gläser von Brauereien aus der Umgebung, die heute nicht mehr existieren. Ein besonders ungewöhnliches Stück trägt den Aufdruck „Winsel Brauerei Uchte“. „Wir vermuten aber, dass hier eigentlich nie gebraut wurde, sondern das Bier nur angeliefert und in die Flaschen umgefüllt wurde“, sagt Sonja Winsel, zweite Vorsitzende des Uchter Bürger- und Kulturvereins.

Ebenfalls zu sehen: Besondere "Metallschachteln". Foto: Jessica Höffner
Ebenfalls zu sehen: Besondere „Metallschachteln“. Foto: Jessica Höffner

Für Volmerding erzählen solche Fundstücke von einer Brauereilandschaft, die sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert hat. Der materielle Wert steht für ihn dabei nicht im Vordergrund. Entscheidend sind Seltenheit, Zustand – und vor allem die Geschichte eines Stücks.

Lange lagerten die beiden Sammlungen hauptsächlich zu Hause. Die Idee für eine gemeinsame Ausstellung entstand schließlich aus Gesprächen über die ungewöhnlichen Sammelleidenschaften.

Dera holte seine Zigarettenschachteln hervor und breitete sie zunächst zu Hause aus, um überhaupt einen Überblick über den Bestand zu bekommen. Danach entstanden Rahmen und thematische Zusammenstellungen.

Auch Volmerding musste seine zahlreichen Biergläser zunächst sortieren, überprüfen und immer wieder neu arrangieren. Insgesamt flossen rund 90 Stunden Arbeit in die Vorbereitung der Ausstellung. Denn bei mehreren hundert Exponaten stellt sich schnell die entscheidende Frage: Was kommt wohin? Welche Stücke passen thematisch zusammen? Und welche seltenen Exemplare verdienen einen besonderen Platz?

Die Resonanz auf „Rauch & Schaum“ ist nach Angaben der Sammler groß. Die Besucher kommen dabei nicht nur aus der näheren Umgebung. Auch Gäste aus Berlin, Freiburg und Köln haben die Ausstellung bereits besucht. Manche fotografieren zahlreiche Exponate. Andere bringen eigenes Wissen mit – und genau dann wird es für die Sammler besonders interessant. So konnte eine Besucherin beispielsweise die russischen Zigarettenschachteln erklären. Aus einer Ausstellung wird plötzlich ein Gespräch, aus einem Exponat eine persönliche Erinnerung.

Damit sorgt „Rauch & Schaum“ nicht nur für Nostalgie. Die Sammlung bringt Menschen ins Gespräch: über Reisen, Bier, Zigarettenmarken, Werbung und Orte, die heute ganz anders aussehen als früher.

Biergläser und Flaschen so weit das Auge reicht. Foto: Jessica Höffner
Biergläser und Flaschen so weit das Auge reicht. Foto: Jessica Höffner

Sammeln statt Wegwerfen

Wer selbst alte Biergläser, Bierflaschen oder Zigarettenschachteln besitzt, kann sich ebenfalls bei den Sammlern beziehungsweise den Organisatoren melden. Besonders interessant sind Stücke mit regionalem Bezug, seltene Marken oder außergewöhnliche Sondereditionen.

„Rauch & Schaum“ im Uchter Bürgerhaus

Wer die ungewöhnliche Sammlung selbst sehen möchte, kann die Ausstellung „Rauch & Schaum“ im Uchter Bürgerhaus besuchen.

Öffnungszeit: bis zum 1. November jeden Sonntag von 15 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. Wer die Ausstellung zu einem anderen Zeitpunkt besichtigen möchte, kann auch einen individuellen Termin vereinbaren. Dafür stehen Friedhelm Schwiering unter 05763/2457 oder Sonja Winsel unter 0172/7545 210 als Ansprechpartner zur Verfügung.

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