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Starke Strategie im Stahlmarkt: Wie sich der Mindener Stahlhandel behauptet

Mit nur sechs Mitarbeitern gestartet, heute einer der größten Stahlhändler Deutschlands: Frank Hägermann und Julia Schulze vom Mindener Stahlhandel sprechen über Meilensteine, Mut und unternehmerische Entscheidungen.
Geschäftsführer Frank Hägermann. Foto: Dietmar Meier
Geschäftsführer Frank Hägermann. Foto: Dietmar Meier

Von Jessica Höffner

Minden. Trotz schwieriger Zeiten blickt der Mindener Stahlhandel nach vorn. Geschäftsführer Frank Hägermann und Prokuristin Julia Schulze sprechen im Interview über Meilensteine, die Zukunft des Unternehmens und die Verantwortung für mehr als 300 Mitarbeiter.

Der Mindener Stahlhandel wurde 2009 gegründet und ist von einem kleinen Team auf über 300 Mitarbeiter und mehrere Standorte gewachsen. Was waren die entscheidenden Meilensteine?
Frank Hägermann: Der wohl größte Meilenstein war, dass mein ehemaliger Arbeitgeber verhindern wollte, dass ich im Markt in OWL Fuß fasse. Deshalb haben wir den Weg außerhalb von OWL gesucht und den Markt an der A7 hoch nach Hamburg aufgebaut. Überzeugt haben wir durch Leistung und nicht über den Preis. 2012 habe ich den Standort in Eberswalde übernommen. Der zweite große Meilenstein. Im Jahr 2014 haben wir dann schließlich den Standort hier in Minden noch einmal erweitert.

Sie haben Ihre beruflichen Wurzeln in der Stahl- bzw. Bauzulieferbranche. Was hat Sie dazu motiviert, dieses Unternehmen aufzubauen und diesen Weg zu gehen?

Frank Hägermann: Ich habe in einem Großkonzern gearbeitet. Als ich als Standortleiter während der Lehman-Krise Mitarbeiter entlassen sollte, wurde mir klar, dass das nicht meins ist. Die Weihnachtsfeier meines damaligen Arbeitgebers habe ich sausen lassen und meinem damaligen Chef ziemlich deutlich gesagt, warum. Schließlich habe ich meinen heutigen Geschäftspartner Andreas Wachter angerufen. Er hatte seinerzeit eine Biegerei im Allgäu. Ich habe ihm erzählt, dass ich keine Lust mehr auf den Konzern habe – und er sagte: „Dann such eine Immobilie und wir machen was zusammen.“ Im Februar folgte die Insolvenz meiner Lehrfirma Lagemann & Schelken. Sarah Schäfer hat seinerzeit die Insolvenz abgewickelt. Ich habe sie übernommen, heute ist sie meine Assistentin. So ist der kleine Mindener Stahlhandel mit sechs Mann gegründet worden.

Was unterscheidet Ihr Unternehmen heute von anderen Stahlhändlern in Deutschland – wo liegt Ihr Wettbewerbsvorteil?
Frank Hägermann: Insgesamt gibt es in Deutschland zwischen 800 und 900 Eisenbiegereien. Allerdings können längst nicht alle Objekte in einer Größenordnung von fünf bis sechs Millionen Euro bewerkstelligen. Wir gehören allerdings dazu und zählen damit zu den drei größten Stahlhändlern in Deutschland.
Julia Schulze: Als wir 2014 den Standort in Minden erweitert haben, haben wir uns nicht nur dazu entschieden, weiterhin ehrlich und loyal zu sein, sondern uns auch mit dem Thema Vorfertigung weiter auseinanderzusetzen. Bauunternehmen bieten wir dadurch Lösungen an, um wirtschaftlicher und schneller zu bauen. Und das machen wir mittlerweile sehr erfolgreich. Um es transparenter zu machen: Wir haben ganz klein mit drei Kunden im Segment der Vorfertigung begonnen. Heute sind es 400 Kunden. Mit der Übernahme der Standorte in Herford und Goslar haben wir zudem den Bereich der Schweißtechnik ausgebaut. All das haben wir mitten in der Baukrise getan, weil wir überzeugt waren, dass unsere Produkte benötigt werden. Unseren Standort in Herford haben wir aufgrund der Nähe zur A2 auf den Infrastrukturbau ausgerichtet, weil viele Brücken und Autobahnen in Deutschland saniert werden müssen.

Der Stammsitz des Unternehmens ist in Minden. Welche Bedeutung hat dieser Standort für Ihr Unternehmen – sowohl wirtschaftlich als auch mit Blick auf Arbeitsplätze in der Region?
Frank Hägermann: In der Region haben wir einen Marktanteil von 90 Prozent und mehr. Das, was hier in nennenswerten Größenordnungen gebaut wird, beliefern wir. An allen Standorten beschäftigen wir mittlerweile mehr als 300 Mitarbeiter und zudem zahlreiche Auszubildende.

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Was bedeutet Ihnen denn der Standort in Minden?
Frank Hägermann: Dieser Standort ist so etwas wie mein Kind, mein Lebenswerk – und das gebe ich nicht auf. Der Mindener Standort ist der einzige komplette Neubau. Hier habe ich mir im Vorfeld überlegt, welche Maschinen nötig sind und an welcher Stelle sie stehen sollen. Drumherum wurde dann dazu passend die Halle gebaut.

Viele Unternehmen sprechen über Fachkräftemangel. Wie erleben Sie die Situation in der Stahl- und Bauzulieferbranche – und was tun Sie, um Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten?
Julia Schulze: Bis vor zwei Jahren war es ein großes Problem, Lkw-Fahrer oder auch Mechaniker zu bekommen. Heute haben wir mit Blick auf diese beiden Berufsfelder keinerlei Probleme. Zudem sind all unsere Azubi-Stellen immer besetzt. Auszubildende genießen bei uns immer eine individuelle Ausbildung. Das gegenseitige Kennenlernen steht zunächst im Vordergrund, dann beginnen die Azubis zumeist in der Verwaltung oder in der Arbeitsvorbereitung. Je nach fachlichen Stärken und charakterlichen Eigenschaften fördern wir dann die Azubis. Als Beispiel: Ist jemand besonders kommunikationsstark, ist eine Tätigkeit im Vertrieb denkbar.

Prokuristin Julia Schulze. Foto: privat
Prokuristin Julia Schulze. Foto: privat

Die Bauwirtschaft steht aktuell unter Druck – steigende Kosten, weniger Neubauprojekte. Wie wirkt sich diese Situation auf Ihr Geschäft aus und wie reagieren Sie darauf?
Frank Hägermann: Es herrscht ein unglaublicher Preisdruck. Nehmen wir das Beispiel für den Bau einer Schule. Von 20 Baufirmen, die an der Ausschreibung teilnehmen, bekommt nur eine den Auftrag – der, der den besten Preis bietet. Letztendlich bedeutet das, dass die Bauunternehmer den Preisdruck weitergeben. Das Business ist also auch hart für uns, weil es viele Wettbewerber gibt. Wir reagieren darauf mit innovativen Produkten und haben uns über die vielen Jahre zudem eine gewisse Kapitalstärke aufgebaut. Dadurch sind wir in der Lage, in den Zeiten, in denen der Einkaufspreis gut ist, auch mal etwas mehr zu kaufen. Leihen müssen wir das Geld – das haben wir uns hart erarbeitet.

Wenn Sie fünf oder zehn Jahre in die Zukunft blicken: Wo sehen Sie den Mindener Stahlhandel und welche Rolle soll das Unternehmen dann in der deutschen Stahlszene spielen?
Frank Hägermann: Wenn mich danach jemand gefragt hätte, als die Corona-Zeit begonnen hat oder der Krieg zwischen Russland und der Ukraine begann, hätte ich vermutlich eine andere Antwort gegeben. Mit Blick auf das Unternehmen habe ich hier mehr als 300 Mitarbeiter, für die ich mich verantwortlich fühle. Deshalb muss es, auch wenn es schwierige Zeiten sind, einfach weitergehen. In der Wettbewerbsstruktur in Deutschland sind wir schon heute sicherlich führend. Und wenn bei uns im Unternehmen die richtigen Leute bleiben, dann läuft es hier auch in fünf oder zehn Jahren noch. Was mich betrifft: Ich habe immer sehr gerne gearbeitet – und tue das noch heute. Meinen Prokuristinnen habe ich vor einiger Zeit deshalb gesagt: „Ich würde auch bis zum Alter von 80 Jahren arbeiten.“

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