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10 Jahre Förderverein Schiffsanleger Heisterholz: Ein Blick zurück

Zehn Jahre nach seiner Gründung feiert der Förderverein Schiffsanleger Heisterholz nicht nur Jubiläum – sondern auch den Erfolg eines ehrenamtlichen Engagements, das sich nach heftigen politischen Auseinandersetzungen gegen die geplante Biotop-Lösung durchsetzte.
Rückblick ins Jahr 2016. Fotos: Dietmar Meier
Rückblick ins Jahr 2016. Fotos: Dietmar Meier

Von Dr. Dietmar Meier

Petershagen. Heute erfährt das Naherlungsgebiet „Schiffsanleger Heisterholz“ und der Förderverein, der sich engagiert um das Areal kümmert und am Samstag, den 18. Juli 2026, sein zehnjähriges Bestehen feiert, auch von Seiten der Politik und Verwaltung breite Zustimmung. Das sah vor zehn Jahren noch ganz anders aus. Der Gründung des Vereins vorausgegangen waren ziemliche Turbulenzen auf der politischen Bühne. Blicken wir noch einmal zurück.

Ein Aushängeschild für die Stadt Petershagen

Der „Schiffsanleger Heisterholz“ war Pfingsten 1991 durch Petershagens damaligen Bürgermeister Wilhelm Krömer eingeweiht worden. Schnell entwickelte sich die Freizeitanlage in Heisterholz zum beliebten Anlaufpunkt für Wassersportler und Erholungssuchende. Doch schon nach einigen Jahren zeigte sich ein Problem: Teile der Spundwand unterlagen sichtbar der Korrosion. Von 2007 an forderte das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Minden (WSA) daraufhin die Stadt Petershagen wiederholt zur Beseitigung der Mängel auf, ohne dass Politik und Stadtverwaltung reagierten. Und so sperrte das WSA die Spundwand einschließlich der vielgenutzten Slipanlage aus Sicherheitsgründen zum 1. April 2015. Daraufhin kündigte der langjährige Pächter fristlos, der Pflegezustand verschlechterte sich drastisch, mit der Anlage ging es rapide bergab.

Im Spätsommer 2015 präsentierte Petershagens damaliger Bürgermeister Dieter Blume den Politikern schließlich ein Sanierungskonzept, dass das Ausbaggern der Liegewiese und die Schaffung einer Flachwasserzone vorsah. Akquiriert werden sollten auf diese Weise Fördermittel aus einem „Naturschutztopf“ (Wasserrahmenrichtlinie), mit denen dann der Rückbau der Spundwand finanziert werden sollte. Massive Kritik aus der Bürgerschaft und von Seiten der FDP-Fraktion im Stadtrat gegen diese Biotop-Lösung sorgte daraufhin monatelang für Schlagzeilen. Denn aufgrund der schon bestehenden Naturschutzgebietsverordnungen stellte der Bereich des Schiffsanlegers bereits zu der Zeit auf einer Länge von 28 km die einzig verbliebene Freifläche im Stadtgebiet dar, auf der überhaupt noch eine Freizeitnutzung an der Weser möglich war.

Ungeachtet aller Kritik beschloss der zuständige Fachausschuss Anfang Februar 2016 die Umsetzung der Biotop-Variante. Nicht informiert hatte die Stadtverwaltung den Ausschuss unter anderem über die Notwendigkeit der Verlegung eines eminent wichtigen Steuerkabels der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung aus dem geplanten Biotopareal und die Kosten, die dafür angefallen wären. Kein Wort auch über die notwendige Sicherung der Biotop-Böschungen durch Steinschüttungen und die Folgekosten im Zusammenhang mit der erforderlichen dauerhaften Pflege des Areals. Diese wären, wie auch vom WSA angemerkt, schon aufgrund der Verkehrssicherungspflicht angefallen, da sich der Bereich des Schiffsanlegers im Überschwemmungsgebiet der Weser befindet und immer mal wieder von Hochwasser betroffen ist. Kein Wort auch darüber, dass die Verwaltung der Stadt Petershagen den Jahreskarteninhabern am Schiffsanleger im Jahr 2015 sogar die Gebühr, die die Stadt für das Rasenmähen erhoben hatte, wegen nicht erbrachter Dienstleistungen zurückgezahlt hatte – in diesem Zusammenhang ein geradezu beschämender Offenbarungseid. Auf ein Protestschreiben an den Bürgermeister, unterschrieben unter anderem von sieben Vereinsvorsitzenden aus der Ortschaft Petershagen sowie dem Vorsitzenden der Stadtsportverbandes, gab es keine Antwort.

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Umdenken in der Politik

Die Information über diese und weitere Aspekte führten bei internen Gesprächen dann aber zum Umdenken in der CDU-Fraktion. Und dann ging alles ganz schnell. Bei einer Informationsveranstaltung im Waldhotel Morhoff am 10. März 2016 mit mehr als 90 Teilnehmern wurde das weitere Vorgehen diskutiert. Nur fünf Tage später erfolgte die Gründung eines Fördervereins, der die Anlage übernehmen sollte. Schon zwei Tage danach wurde der Förderverein durch den Stadtrat mit den Stimmen von CDU, FDP und Grünen, gegen die Stimmen der SPD, an die Arbeit geschickt.

Ehrenamtlich und ganz ohne Verwaltungserfahrung erörterte der Vorstand des Fördervereins um den Vorsitzenden Ulrich Lange zunächst das weitere Vorgehen mit der Bezirksregierung, dem WSA und der Kreisverwaltung. Und dank der Unterstützung durch die genannten Fachbehörden lag schon nach wenigen Wochen ein ausgereiftes Konzept für Uferböschung, Slipanlage und Schwimmsteg auf dem Tisch. Schon im Juni genehmigte die Bezirksregierung den vorzeitigen Rückbau der Spundwand. Mit der Umsetzung beauftragte der Förderverein die Mindener Firma Heitmann, die eine perfekte Herangehensweise für die anstehenden Aufgaben entwickelte. Und so konnte am 27. August nach drei Tagen Baggereinsatz, nur fünf Monate nach der Vereinsgründung, für die erste Phase Vollzug gemeldet werden: Spundwand gezogen und Böschung durch eine Steinschüttung gesichert. Die tatsächlich angefallenen Kosten waren dabei weit geringer als der Kostenrahmen, den die Verwaltung in der anfangs erwähnten Ausschusssitzung für die Biotop-Variante präsentiert hatte. Am 20. Oktober 2016 wurde schließlich ein langfristiger Pachtvertrag für das Gelände zwischen Stadt und Förderverein unterzeichnet, der die Anlage seitdem auch mit Blick auf die Interessen der Stadt Petershagen ehrenamtlich pflegt und weiter ausgestaltet.

Die folgenden Fotoaufnahmen veranschaulichen die Arbeiten rund um den Rückbau der Spundwand und die Sicherung der Böschung. Der Ablauf der Arbeiten, bei denen diverse Aufgaben zu lösen waren, sowie die Kostenaspekte sind 2016 auch in zwei Videos dokumentiert worden, die auf dem YouTube-Kanal des Petershäger Anzeiger abgerufen werden können.

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