Annalena trifft… Markus Uhr – Leiter des Forstbetriebsbezirks Petershagen

Petershagen (as). Rund ein Drittel der Bundesrepublik Deutschland besteht aus Waldfläche. Im Landkreis Minden-Lübbecke sind es gerade einmal zehn Prozent. Dabei unterschieden sich die Wälder von Norden nach Süden sowie von Westen nach Osten in ihrem Baumbestand und Bodeneigenschaften. Das Waldsterben ist ein Thema, das mit den Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen hat. Der Klimawandel kommt im Wald ganz deutlich zum Vorschein. Trockenheit und der Borkenkäferbefall sind einhergehende Probleme, die die Lage zuletzt deutlich verschlimmerten. Vor allem Fichten und Buchen sind im Kreis Minden-Lübbecke in erster Linie betroffen, aber auch Birken, Eichen und weitere Baumarten leiden unter dem Klima. 

Markus Uhr ist seit 22 Jahren einer von insgesamt 18 Revierförstern im Regionalforstamt OWL. Petershagen, Hille, Minden sowie Porta-Westfalica Barkhausen und der größte Teil Bad Oeynhausens gehören seit 2008 zu seinem Revier, das mit 480 Quadratkilometern Ausdehnung eines der größten im Land ist.  Der in seinem Forstbetriebsbezirk liegende landeseigene Wald wird seit 2008 von einem anderen Forstamt bewirtschaftet. Der 50-jährige hat seit drei Jahren sehr viel Arbeit mit dem Waldsterben im Kreis Minden-Lübbecke. Aktuell ist das Wiehengebirge besonders schwer betroffen. Im bundesweiten Vergleich sei die Lage in der Region aber noch „harmlos“.

Was macht ein Förster?

Der Beruf ist sehr vielseitig. Im weiteren Sinne sind wir für die nachhaltige Nutzung und Entwicklung der Wälder zuständig. Wir beraten Waldbesitzer, unterstützen sie bei der Waldbewirtschaftung und sorgen für die Einhaltung von Recht und Gesetz im Wald. Wir gestalten die Wälder der Zukunft in einem ökologischen und ökonomischen Sinne. 

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Wie steht es um die hiesigen Wälder? Ist Waldsterben im Kreis Minden-Lübbecke ein großes Problem?

Die einfache Antwort lautet „Ja!“. Der Klimawandel ist in auch hierzulande deutlich spürbar! Bundesweit ist das Waldsterben ein großes Thema, in NRW ist es besonders schlimm. Seit circa drei Jahren verschlimmert sich die Lage auch in OWL kontinuierlich. Eingeleitet wurde die derzeitige Katastrophe im Januar 2018 mit dem Orkantief „Friederike“, das für Verwüstungen in den Wäldern sorgte. Hinzu kam, dass 2018 ein enorm trockenes und warmes Jahr war. Die darauffolgenden Jahren waren nicht wesentlich besser. Laut der Wissenschaft befinden wir uns in der schlimmsten Dürrezeit seit mindestens 2.100 Jahren. In diesem Jahr gab es bisher keine Stürme, zudem war es recht feucht. Wir hoffen, dass das Jahr 2021 ein besseres für die Wälder wird. Trockenheit und der Borkenkäfer sind die größten einhergehenden Probleme. Besonders die Fichte ist hiervon betroffen. Aufgrund der Trockenheit konnten sich riesige Populationen entwickeln, gegen die wir nur noch wenig machen können. An einigen Stellen steht fast kein Baum mehr. Dabei fällt das Verschwinden der Bäume nicht allen sofort ins Auge. In den Niederungen in Petershagen und Hille stehen vorwiegend Kiefern, Eichen Buchen und Birken, hier spielte die Fichte noch nie eine große Bedeutung, hier macht sie macht vielleicht ein Prozent der Bewaldung aus. Wenn da mal eine umkippt, fällt das nicht so schnell auf. Im Wiehengebirge sieht es da schon anders aus. Hier herrschen eigentlich zwar gute Bodenbedingungen für die Fichten, allerdings sorgen die Schädlingsbefälle dafür, dass ein Baum nach dem anderen abstirbt. Die Prognosen zum Klimawandel begleiten mich seit meinem Studium und haben seitdem auch die Konzepte zur Baumartenwahl und Durchforstung beeinflusst.Von der Schnelligkeit und Heftigkeit der Ereignisse der letzten drei Jahre wurden wir dann aber doch etwas überrollt.

Orkantief „Friederike“ sorgte auch im Heisterholzer Wald für schwere Schäden. Fotos: Dietmar Meier (1), Krischi Meier (1)

Was wird gegen das Waldsterben unternommen?

Die Ursachen für die aktuelle Entwicklung können wir kurzfristig und lokal nicht ändern — da sind wir machtlos. Aber es gibt Dinge, die wir tun können, um das Waldsterben zumindest etwas zu verlangsamen. Wo die durch Dürre geschwächten Bäume durch massenhaft vermehrte Borkenkäfer zum Absterben gebracht werden, kann durch das rechtzeitige Beseitigen der befallenen Bäume mitsamt Käfer aus dem Wald das örtliche Waldsterben gestoppt oder gebremst werden. Bei der Wiederaufforstung sollten dann stets mehrere Baumarten Verwendung finden. Dabei empfiehlt es sich, vorausschauend trockenheitsresistentere Baumarten einzubeziehen, sofern sie zu dem örtlichen Bodenverhältnis passen. Als Alternative zur Fichte kommt beispielsweise Douglasie, Weiß- und Küstentanne oder Kiefer in Frage. Auf Standorten, auf denen es zu trocken für die Buche wird, sind beispielsweise die Eiche oder die Esskastanie möglich. Diese Maßnahmen zur Begrenzung des Waldsterbens und zum Aufbau klimatoleranter Wälder ist eine große Herausforderung und für die Waldbesitzenden mit viel Arbeit und Kosten verbunden. Der Holzmarkt kann derzeit die großen Mengen an Nadelholz die durch die Borkenkäferkalamität anfallen, nicht mehr komplett aufnehmen. Da fehlt dann am Ende schlicht das notwendige Geld, um die wichtigen Arbeiten fortzusetzen. Wer den Waldbesitzern und Forstleuten helfen möchte, bei ihrer Aufgabe, den Wald für uns alle zu erhalten oder wieder aufzubauen, kauft ihnen Nadelholz zu realistischen Preisen ab.