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Buntsandstein im Wesertal: Herkunft, Geschichte und geologische Bedeutung

Die roten Sandstein-Gerölle in Petershagen erzählen von Norddeutschlands Klima vor 250 Millionen Jahren. Dr. Dietmar Meier erklärt, wie sie entstanden sind und welche geologische Reise sie hinter sich haben.
Auf den Kieshalden im Stadtgebiet von Petershagen und im nördlich anschließenden niedersächsischen Weserabschnitt dominiert ein Gesteinstyp mit rötlicher Färbung. Foto: Dr. Dietmar Meier
Auf den Kieshalden im Stadtgebiet von Petershagen und im nördlich anschließenden niedersächsischen Weserabschnitt dominiert ein Gesteinstyp mit rötlicher Färbung. Foto: Dr. Dietmar Meier

Von Dr. Dietmar Meier

Petershagen. Mit ihrer typischen Kegelform sind sie auch eine Art „Wahrzeichen“ im Wesertal, die Kies- und Sandhalden, die sich nach der Siebung der eiszeitlichen Ablagerungen unter den Förderbändern bilden. Wer sich eine Kieshalde einmal näher anschaut, wird Gerölle mit ganz unterschiedlichem Aussehen entdecken, in unterschiedlichen Formen, mehr oder weniger stark abgerundet und in vielen Farbtönen. Es sind die Vertreter der Gesteinsschichten, die die Landschaft längs des Wesertales formen und während der vergangenen Kaltzeiten der Erosion zum Opfer gefallen sind. Während ihrer Reise im Fluss wurden sie weiter zerkleinert, dabei je nach Härte zunehmend gerundet, miteinander vermischt und dann irgendwo zusammen abgelagert.
Neben ihrer praktischen Funktion als Betonrohstoff können viele dieser Gerölle auch etwas über das jeweilige Klima erzählen, das in Norddeutschland zu den Zeiten herrschte, als die betreffende Gesteinsformation entstand. Schauen wir uns als Beispiel einen Gesteinstyp einmal etwas näher an.
Auf den Kieshalden im Stadtgebiet von Petershagen und im nördlich anschließenden niedersächsischen Weserabschnitt dominiert ein Gesteinstyp mit rötlicher Färbung: Gerölle aus Sandstein, die während der geologischen Epoche des Buntsandsteins entstanden sind.
Blenden wir einmal 250 Millionen Jahre zurück. Norddeutschland war zu dieser Zeit Teil einer großräumigen, flachen Senke, die Geologen als Germanisches Becken bezeichnen. Das Klima zu dieser Zeit war überwiegend heiß und trocken mit Temperaturen, die deutlich über den heutigen lagen. Die damalige Landschaft im Stadtgebiet war vergleichbar mit heutigen Wüsten- oder Halbwüstengebieten. Saisonale Niederschläge versorgten die Region periodisch mit Wasser. Dabei transportierten weiträumige Flusssysteme feinen Gesteinsschutt, vorwiegend Sand und Ton, aus südlichen Richtungen heran und lagerten diesen in Form von Schuttfächern im Becken ab. Die charakteristische rote Farbe, die den Buntsandstein überwiegend auszeichnet, entstand dabei durch die Oxidation von Eisenverbindungen unter trockenen „ariden“ Klimaverhältnissen.

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Im Verlauf der folgenden Jahrmillionen wurden die Flussablagerungen von einem mächtigen Stapel jüngerer Sedimente überdeckt und immer tiefer in der Erdkruste versenkt. Sandkörner und Tonpartikel wurden dabei langsam einzementiert – lockerer Sand verwandelte sich mit der Zeit in einen festen Sandstein. In der geologischen Epoche, die als Tertiär bezeichnet wird, kehrte sich dieser Trend um. Die Erdkruste begann, wieder aufzusteigen. Die Deckschichten wurden mancherorts soweit abgeräumt, bis auch die ehemals tief versenkten Buntsandstein-Schichten wieder die Oberfläche erreichten.
Bleibt also noch die Frage, woher genau kommen eigentlich die Buntsandstein-Gerölle, den wir in den Abgrabungen im Petershäger Wesertal zutage fördern?
Die Gerölle haben eine Reise von etwa 100-150 Kilometern hinter sich. Sie stammen aus dem Solling, grob umrissen aus dem Gebiet zwischen Stadtoldendorf im Norden und Karlshafen im Süden. Geologen schätzen, dass von den Buntsandstein-Schichten im Solling während der vergangenen Kaltzeiten ein vielleicht 100 Meter mächtiges Schichtpaket abgetragen worden ist, von dem ein Teil jetzt in Form von Sandkörnern und Kiesgeröllen im Wesertal lagert.
Übrigens: Die gleichen Buntsandstein-Schichten, die man im Solling an Straßenböschungen oder in Steinbrüchen betrachten kann, liegen im Bereich Petershagen-Minden in einer Tiefe zwischen 3000 und 4000 Metern. Die Planungen laufen, diese Schichten hier in naher Zukunft für die Gewinnung geothermischer Energie zu nutzen. Aber dazu mehr an anderer Stelle.

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