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Christian Döhler im Interview: So soll sich die Kulturszene in Petershagen entwickeln

Petershagen setzt auf neue Impulse für die Kulturszene: Kulturmanager Christian Döhler zieht nach rund einem Jahr Bilanz und spricht im Interview über den erfolgreichen „Langen Abend im Museum“, neue Kooperationen, Kindertheater und die erste Big-Band-Nacht der Stadt.
Kulturmanager Christian Döhler will die Kulturszene in Petershagen weiter stärken. Foto: Jessica Höffner
Kulturmanager Christian Döhler will die Kulturszene in Petershagen weiter stärken. Foto: Jessica Höffner

Von Jessica Höffner

Petershagen. Vom erfolgreichen „Langen Abend im Museum“ über Kindertheater bis zur ersten Big-Band-Nacht: Kulturmanager Christian Döhler spricht im Interview über neue Veranstaltungen, die Zukunft der Kulturszene in Petershagen und seine Vision für die Stadt.

Sie sind jetzt seit etwa einem Jahr Kulturmanager in Petershagen. Was hat Sie in dieser Zeit am meisten überrascht?
Es gibt da nicht nur eine Sache, die mich sehr beeindruckt hat. Zwei Dinge möchte ich herausgreifen. Gleich am ersten Arbeitstag ist mir aufgefallen, dass ich in ein Büro, ein Team, gekommen bin, in dem eine unglaublich gute Atmosphäre herrscht. Menschlich, sozial und fachlich ist das Team einfach toll. Das beeindruckt mich bis heute. Bei meiner letzten Tätigkeit in Magdeburg gab es weder eine so gute Struktur noch so viel Unterstützung und Zusammenhalt. Die zweite Sache, die daran anknüpft und ohne das, was ich gerade erwähnt habe, nicht denkbar gewesen wäre, ist die Tatsache, dass wir es in kurzer Zeit geschafft haben, sieben museale Einrichtungen für den ersten „Langen Abend im Museum“ zu begeistern. Im Prinzip haben wir nach meiner Premierenveranstaltung und Vorstellung Anfang November direkt angefangen, diesen „Abend im Museum“ zu organisieren. Und es schließlich in einer unglaublichen Geschwindigkeit geschafft, denn die Veranstaltung fand dann bereits im Januar statt.

Und all das als „neues Gesicht“ in Petershagen?
Nicht ganz. Ich bin dadurch, dass meine Frau aus dieser Region kommt, hier schon seit 20 Jahren eingebunden, kannte schon viele Orte, Kultureinrichtungen und auch Land und Leute. Das hat das Ganze natürlich etwas leichter gemacht. Und meine Vorstellung Anfang November hat dann noch einmal einen Schub gegeben. Denn an diesem Abend wurden bereits viele Dinge an mich herangetragen, mir wurden viele Fragen gestellt.

Wenngleich Sie schon Verbindungen in die Region hatten und haben: Fühlen Sie sich denn inzwischen so richtig zuhause hier?
Ja. Ich fühle mich sauwohl hier! Ich wohne mit meiner Frau, die Konzertdramaturgin in Magdeburg ist und entweder pendelt oder im Homeoffice arbeitet, sehr idyllisch. Wir sanieren derzeit ein sehr altes Fachwerkhaus meiner Schwiegereltern in Todtenhausen mit einem traumhaften Grundstück. Man könnte sagen, ich wohne dort, wo andere Urlaub machen würden. Mit uns leben dort Findelkater „Gustav“, der zehnjährige Kater „Moritz“ und vier Hühner. Wir alle, ob Mensch oder Tier, haben dort ein sehr schönes Leben.

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Sie sind unter anderem mit dem Ziel angetreten, die vielen kulturellen Akteure besser zu vernetzen. Wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus?
Sehr gut. Ein Paradebeispiel ist sicherlich der „Lange Abend im Museum“, bei der die sieben musealen Einrichtungen wunderbar zusammengearbeitet haben. An dieser Stelle möchte ich auch das Petershäger Künstlernetzwerk P.Art erwähnen, das mit seinem Programm einen großen Anteil daran hatte, dass dieser Abend so toll lief. Mit Blick auf die Vernetzung hole ich mir zudem Unterstützung oder spreche Partner aus anderen Städten und Regionen an, um Veranstaltungen gemeinsam zu realisieren. Das ist wichtig, denn man ist immer nur so stark, wie das Miteinander gestaltet werden kann, und das Miteinander geht eben auch über die Grenzen Petershagens hinaus. Ein Beispiel dafür ist, dass wir die VHS Minden/Bad Oeynhausen als Partner gewinnen konnten, um das Kindertheater, das es bis Corona gab, wiederzubeleben. Ende Januar ist es dann soweit: Dann wird das Kindertheater im Paul-Gerhard-Haus zu Gast sein. Zu dieser Veranstaltung habe ich die Buchhandlung Betz angesprochen, die einen Büchertisch anbieten wird.
Ein weiteres Beispiel ist unsere Kooperation mit dem Schloss Petershagen. Für die Motto-Party-Reihe haben wir eine Liveband organisiert, die traditionellen New-Orleans-Jazz und Swing der 20er-Jahre gespielt hat. Die Gäste haben wir aufgerufen, sich im Stile der 20er zu kleiden. Es war eine unglaublich tolle und witzige Party – und bestimmt nicht die letzte Kooperation mit dem Schloss.

Kommen wir noch einmal zurück zum „Langen Abend im Museum“: Die Vernetzung und die Zusammenarbeit der Einrichtungen sind das eine – aber gab es auch ein positives Feedback von den Besuchern?
Es gab sogar sehr viel Feedback – sowohl per E-Mail als auch persönlich oder per Telefon. Und auch am Abend selbst haben wir bereits viele positive Rückmeldungen erhalten. Für diese Premiere haben wir wirklich sehr viel Lob bekommen. Das Programm war unglaublich vielfältig. Der Kulturbus, der extra im Einsatz war, um die Besucher von Museum zu Museum zu fahren, war im Vorfeld sehr schnell ausgebucht. Die Fahrt damit war der Kracher. Der Bus hat nicht nur die Einrichtungen angefahren – während der Fahrten habe ich moderiert und sogar Saxophon gespielt. Das war gar nicht so einfach, wenn der Bus eine Kurve fuhr. Zum Glück haben die Gäste dann meinen Notenständer festgehalten. Die Stimmung war vergleichbar mit der auf einer Klassenfahrt. Gefreut hat es übrigens, dass nicht nur die Besucher begeistert waren, sondern auch die beteiligten Künstler und die musealen Einrichtungen. Deshalb steht schon jetzt fest, dass es den zweiten „Langen Abend im Museum“ geben wird – und zwar am 6. Februar 2027.

Apropos Veranstaltungen: Auf was können sich die Kulturfans denn in den kommenden Monaten freuen?
Neu ist unter anderem die Kooperation mit der VHS, mit der wir nicht nur das Kindertheater realisieren, sondern auch eine Vortragsreihe mit dem Titel „Kunst und Kultur in der Alten Schule Wietersheim“. Beginnen wird sie im November mit dem Vortrag „Ludwig van Beethoven – Mensch, Mythos, Musikgenie“. Die Vorträge, die alle mit Musikbeispielen garniert sind, halte ich selber. Es sollen heitere Vorträge werden, bei denen es zudem auch etwas zu lachen gibt. Auf eine Premiere dürfen sich alle dann im März 2027 freuen, wenn wir die „1. Lange Big-Band-Nacht der Stadt Petershagen“ in der Weser-Halle ausrichten. Dort spielen zwei Ensembles aus Petershagen und eines aus Hannover. Zu hören gibt es drei ganz unterschiedliche Stile, so dass der Abend sehr interessant wird. Die letzte Formation wird zudem ziemlich viel Pfeffer aus dem Latin-Bereich mitbringen – ich hoffe, dann wird auch ordentlich getanzt. Fortgesetzt wird auch die Table-Quiz-Reihe. Die Auftaktveranstaltung war ausgebucht; die Teilnehmer hatten wirklich viel Spaß.

Und wenn Sie einen Wunsch frei hätten: Was würden Sie sich kulturell für Petershagen wünschen?
Zunächst einmal würde ich mir wünschen, dass die Veranstaltungen, die wir das erste Mal ausrichten, dann regelmäßig stattfinden beziehungsweise sich verstetigen lassen. Ein weiterer großer Wunsch ist, dass wir gemeinsam mit dem Künstlernetzwerk P.Art die Weser-Halle nutzen, um dort eine große Kunstausstellung mit internationalen Künstlern auf die Beine zu stellen. Wenn wir das schaffen, würde es mich sehr freuen. Es ist eine herausfordernde Aufgabe, aber sie ist möglich. Auch deshalb, weil die Petershäger Künstler unglaublich gut vernetzt sind.

Christian Döhler ist der neue Kulturmanager der Stadt Petershagen. Er stellte sich im Haus Windheim No2 der Öffentlichkeit vor. Foto: kri
Christian Döhler ist der neue Kulturmanager der Stadt Petershagen. Er stellte sich im Haus Windheim No2 der Öffentlichkeit vor. Foto: kri

Abseits der Arbeit: Haben Sie einen Lieblingsort in Petershagen, an dem Sie abschalten oder auch neue Ideen sammeln?
Gibt es außerhalb meines Büros noch einen Lieblingsort? (lacht). Ich fühle mich natürlich auf meinem Hof sehr wohl. Einen expliziten Lieblingsort kann ich aber nicht benennen, denn es gibt so viele schöne Orte hier: Zum Beispiel das Heringsfängermuseum, das Haus Windheim No2, wo ich übrigens gemeinsam mit meinem Bruder unseren 80. Geburtstag gefeiert habe, oder auch das FriedEl in Eldagsen. Ich könnte noch viel mehr Orte aufzählen.

Und was wäre Christian Döhler ohne Kultur?
Ein Leben ohne Kultur ist möglich, aber sinnlos. Das geht einfach nicht. Ich kann mir ein Leben ohne Kultur nicht vorstellen. Kultur ist nicht nur ein schönes Beiwerk, sondern der Kitt unserer Gesellschaft, der die Menschen zusammenhält. Kultur begegnet uns überall – in der Musik, in der Bildenden und Darstellenden Kunst, in der Malerei, in der Literatur und im Alltag, zum Beispiel bei der Esskultur oder der Kultur des Benehmens. Es geht also nichts ohne Kultur. Sie ist essentiell für uns Menschen.

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