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Feuer und Flamme für die Freiwillige Feuerwehr

Engagement aus Überzeugung: Alana Wiegmann und Nico Eikmeier über ihren Alltag bei der Freiwilligen Feuerwehr.
Für Nico Eikmeier und Alana Wiegmann ist das Ehrenamt Ehrensache. Foto: Krischi Meier
Für Nico Eikmeier und Alana Wiegmann ist das Ehrenamt Ehrensache. Foto: Krischi Meier

Von Jessica Höffner

Petershagen. Engagement, Ehrenamt und echter Zusammenhalt: Zwei junge Feuerwehrkräfte, Alana Wiegmann (28; Löschgruppe Petershagen) und Nico Eikmeier (29; Löschgruppe Ilse) erzählen, warum sie der Freiwilligen Feuerwehr seit der Jugend die Treue halten – und warum sich Mitmachen lohnt.

Alana und Nico, ihr seid seit der Jugendfeuerwehr aktiv. Wann und warum habt ihr euch entschlossen, euch der Feuerwehr anzuschließen?
Alana: Ich war elf Jahre alt, als mich ein Mädchen aus der Nachbarschaft mit zur Jugendfeuerwehr genommen hat. Nach dem ersten Besuch war das Thema quasi durch – und ich habe mich sofort entschieden, dabei zu bleiben. Die Löschgruppe in Ilserheide, der ich mich damals als Kind anschloss, hat mich sofort mit offenen Armen aufgenommen und mich eigentlich auch nicht mehr weggelassen. Ich hatte sehr schnell einen Mitgliedsantrag in der Hand.
Nico: Ich war zehn Jahre alt – und in Ilse gehörte und gehört es einfach dazu, sich der Freiwilligen Feuerwehr anzuschließen. Da alle Freunde im Dorf zur Jugendfeuerwehr gingen, war es auch für mich klar, dass ich mich der Jugendfeuerwehr ebenfalls anschließe.

Und wie waren die ersten Übungsabende und Treffen bei der Feuerwehr? Bestimmt wart ihr stolz, das erste Mal eine Uniform zu tragen, oder?
Nico: „Ja, absolut. Das war ein cooles Gefühl und ich war stolz wie Oskar, als ich meine Feuerwehrbekleidung bekommen habe.
Alana: Das stimmt. Mir ging es da genauso.

Viele Feuerwehren haben das Problem, dass die Kinder und Jugendlichen zwar Feuer und Flamme sind – den Schritt als Erwachsener in die Aktive Einsatzabteilung dann aber nicht gehen. Welche Gründe hattet ihr, weiterzumachen?
Alana: Für mich war sofort klar, dass ich auch als Erwachsene beziehungsweise Volljährige in die Aktive Einsatzabteilung gehe. Und auch für die Löschgruppe war es eigentlich selbstverständlich, dass sie weiter auf mich zählen kann. Toll war, dass ich damals – beim Übergang von der Jugendfeuerwehr in die Aktive Einsatzabteilung – nicht die einzige Frau war. Meine Freundin, mit der ich zusammen zur Jugendfeuerwehr gegangen bin, war ebenfalls noch mit dabei, zudem zwei weitere Feuerwehrkameradinnen, die uns super aufnahmen. Und auch die Männer in der Löschgruppe haben sich gefreut, dass wir dabei sind – und uns Frauen immer respektvoll und freundlich behandelt.
Nico: Tatsächlich stellte sich für mich die Frage auch nicht, ob ich dabeibleibe. Das war selbstverständlich.

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Wie ging denn euer Weg in der aktiven Einsatzabteilung weiter?
Nico: Alana und ich haben seitdem einige Module absolviert. Unter anderem einen Sprechfunkerlehrgang, damit man Inhalte mithören und auch selbst funken darf. Zudem standen ein Atemschutzlehrgang und der Gruppenführerlehrgang auf dem Programm, den ich zur Corona-Zeit im Blended-Learning-Format absolviert habe.
Alana: Bei mir war es ähnlich. Ich habe mit dem Eintritt in die Aktive Einsatzabteilung direkt mit den Modulen begonnen, die Grundausbildung, den Maschinistenlehrgang und auch den Truppführerlehrgang absolviert. Im November 2025 habe ich dann den Gruppenführerlehrgang in Präsenz gemacht und war dazu für 14 Tage in Münster.

Heute kümmert ihr euch als Team um den Bereich der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Warum ist das für die Freiwillige Feuerwehr so wichtig?
Nico: Das ist heutzutage sehr wichtig. Denn während wir zu etwa 30 Prozent Pressearbeit machen und über Einsätze berichten, bestehen etwa 70 Prozent unserer Arbeit daraus, für die Feuerwehr zu werben. Heute erreicht man die Jugendlichen nicht mehr so, wie es früher vielleicht einmal war – dass man von Haustür zu Haustür geht und sie einfach anspricht. Heute haben die jungen Leute immer ihr Handy dabei – und genau darüber, also über die sozialen Medien, erreichen wir sie.
Alana: Ja, das ist heute sehr wichtig. Mir ist es zudem ein Hauptanliegen, dass Informationen nach außen richtig kommuniziert werden. Des Weiteren sind die Dienstwege etwas kürzer, da zum Beispiel auch Medienvertreter wissen, dass wir ihre Ansprechpartner sind, wenn es um Informationen, zum Beispiel zu Einsätzen, geht.

Und für den Aufbau der Öffentlichkeitsarbeit im Bereich der Jugendfeuerwehr seid ihr ausgezeichnet worden…?
Alana und Nico: Ja, wir haben beide die Ehrennadel der Jugendfeuerwehr in Bronze bekommen. Es war eine absolute Überraschung für uns, über die wir uns echt gefreut haben, weil es eine schöne Wertschätzung unserer Arbeit und unseres Einsatzes ist.

Apropos Einsatz: Gibt es Einsätze, die euch in Erinnerung geblieben sind?
Alana: Ja. Viele Einsätze sind hängen geblieben Und nicht selten erinnere ich mich gerne daran zurück. Zum Beispiel dann, wenn wir im Nachgang ein „Danke“ bekommen haben, dass wir da waren. Diese Wertschätzung ist einfach schön und tut gut.
Nico: An viele Einsätze erinnert man sich zurück. Das geht mir auch so. Jeder Einsatz ist an sich schon auf seine eigene Art und Weise besonders. Bei großen Unwetterlagen aber beispielsweise erfährt man viel Dank und Wertschätzung von Betroffenen. Kleine Gesten, wie das Anbieten eines warmen Getränkes, bedeuten uns Feuerwehrleuten sehr viel.

Ganz gleich, um welchen Einsatz es sich handelt: Wie bewältigt ihr die Einsätze?
Alana: Bei uns gibt es nach jedem Einsatz eine Einsatznachbesprechung. Und das ist auch gut und wichtig, denn ein noch so kleiner Einsatz kann bei einem Kameraden etwas auslösen. Ich vergleiche das mit einem Fass: Irgendwann ist es voll – und man weiß nie, wann der Tropfen kommt, der es zum Überlaufen bringt. Um alles bewältigen zu können, haben wir in der Stadt Petershagen auch ein PSU-Team (Psychosoziale Unterstützung; Anm. d. Red.). Das sind Feuerwehrkameraden mit einer Sonderausbildung, an die wir uns im Bedarfsfall zu jeder Zeit wenden können.

Sie teilen die Leidenschaft für die Feuerwehr: Alana Wiegmann und Nico Eikmeier. Foto: Krischi Meier
Sie teilen die Leidenschaft für die Feuerwehr: Alana Wiegmann und Nico Eikmeier. Foto: Krischi Meier

Auf der anderen Seite gibt es immer wieder Angriffe auf Rettungsdienste, Polizeibeamte und auch Feuerwehrkameraden. Ist das auch bei euch ein Thema?
Alana: Zum Glück habe ich eine solche Situation noch nicht erlebt. Ich finde es aber schlimm, wenn so etwas passiert, und frage mich dann immer, welchen Mehrwert es hat, Menschen anzugreifen – die ja auch teils ehrenamtlich im Einsatz sind – die da sind, um anderen zu helfen.
Nico: Hier bei uns ist die Lage zum Glück (noch) entspannt und nicht vergleichbar mit der Situation in Großstädten. Das Schlimmste sind hier Autofahrer, die kein Verständnis für unsere Maßnahmen aufbringen – aufgrund eines Einsatzes gesperrte Straßen beispielsweise.

Dabei ist insbesondere das Ehrenamt unheimlich wichtig, oder?
Alana: Absolut. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie es wäre, wenn wir in Petershagen keine Freiwillige Feuerwehr mehr hätten. Aber leider ist die Bereitschaft, ein Ehrenamt zu besetzen, nicht mehr so wie früher. Die Gesellschaft bringt nicht mehr so viel Zeit für Ehrenämter auf.
Nico: Dabei ist das Ehrenamt eine wirklich tolle Sache. Hier kann man auf freiwilliger Basis etwas für die Menschen leisten, die es vielleicht selbst nicht mehr können.
Alana: Und im Ehrenamt gibt es vor allen Dingen auch eines: tolle Freundschaften und einen super Zusammenhalt.

Sind das Gründe, warum ihr jedem empfehlen würdet, sich der Freiwilligen Feuerwehr anzuschließen?
Nico: Unbedingt. Es ist ein tolles Gefühl, Menschen oder Tieren in Notlagen helfen zu können. Und wie Alana bereits sagte: Der Zusammenhalt ist einfach stark. Ich identifiziere mich sehr mit der Freiwilligen Feuerwehr und sage immer gerne, dass ich ein Teil der Feuerwehr bin.
Alana: Deshalb rühren wir an dieser Stelle gerne einmal die Werbetrommel und sagen: „Wenn auch nur ein Hauch Interesse besteht – kommt vorbei und schaut es euch an!“ Und keine Sorge: Niemand muss sofort in die Freiwillige Feuerwehr eintreten, sondern kann es sich erst einmal ganz in Ruhe anschauen. Das gilt übrigens nicht nur für Kinder und Jugendliche – auch Erwachsene sind bei uns immer herzlich willkommen.