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„Heimat und Leidenschaft“: Alexander Wiese über RW Maaslingen und den Traum von der Oberliga

Mit 350 Zuschauern im Schnitt, 170 Jugendspielern und großen Plänen entwickelt sich RW Maaslingen zum Aushängeschild der Region. Alexander Wiese spricht über Investitionen, Ehrenamt und die Chancen auf den Oberliga-Aufstieg.
Alexander Wiese im Interview. Foto: Jessica Höffner
Alexander Wiese im Interview. Foto: Jessica Höffner

Von Jessica Höffner

Maaslingen. Als RW Maaslingen im Jahr 1994 in die Landesliga aufstieg, war es Alexander Wiese, der den entscheidenden Treffer erzielte. Heute hat Wiese zwar die Fußballschuhe an den Nagel gehängt – sein Herz aber schlägt weiter für die Rot-Weißen. Alexander Wiese ist Mitglied des Vorstandes und gemeinsam mit seinen Brüdern Dirk und Burkhard Wiese (Wiese-Gruppe) Sponsor in Personalunion – in erster Linie aber „ein RWM-Fan“, wie er selber sagt. Wir haben mit Alexander Wiese über Aufstiegsträume in die Oberliga, die Vereinsphilosophie und die Jugendarbeit als wichtiges Fundament des Vereines gesprochen.

Bei RW Maaslingen hat sich viel getan: Aus dem Sportplatz im Dorf ist unter anderem der Ösper-Sportpark geworden; jetzt werden zwei Tribünen mit insgesamt 104 überdachten Sitzplätzen kommen, auch eine neue Flutlichtanlage wird es geben. All das nur mit Blick auf den möglichen Aufstieg der ersten Herrenmannschaft in die Oberliga?
Alexander Wiese: Ja, das stimmt. Wir haben als Verein viel Geld in die Hand genommen. Aber all das nicht nur, weil der Aufstieg in die Oberliga greifbar und möglich ist. Wir haben im Verein längst erkannt, dass man heute nur mit Emotionen nach vorne kommt und das Interesse bei den Menschen weckt. Um das zu erreichen, wollen wir den Fußball am Sonntag attraktiv machen und uns damit von den vielen Freizeitangeboten, die es heute gibt, abgrenzen. Dazu gehört auch, dass wir einen guten Service rund um das Fußballspiel bieten. Angefangen bei überdachten Sitzmöglichkeiten über Spielmöglichkeiten für Kids bis hin zum beliebten RWM-Tower. Bei den Spielen der ersten Mannschaft haben wir im Schnitt 350 Zuschauer – und wir hätten nichts dagegen, wenn noch mehr kommen.

Der finanzielle Aspekt ist das eine. Wie aber bewältigt der Verein all das?
Alexander Wiese: Wir haben jeden Sonntag 25 Ehrenamtliche im Einsatz. Und nur so funktioniert ein Verein – mit Menschen, die Lust dazu haben und mitziehen. Dazu kommt die Arbeit des Vorstandes. Hier sind es 10 bis 15 Leute, die den Verein und das Drumherum kontinuierlich weiterentwickeln.

Im vergangenen Jahr verpasste die erste Herrenmannschaft den Aufstieg in die Oberliga nur knapp. In diesem Jahr spielt das Team um Trainer Sergej Bartel wieder ganz oben mit. Sollte der Aufstieg dieses Mal klappen: Was bedeutet das für RW Maaslingen?
Alexander Wiese: Wir spielen bereits seit 1994 als Dorfverein auf hohem Niveau – mindestens in der Landesliga. Nach „Fahrstuhl-Saisons“ in der Westfalenliga haben wir uns dort etabliert. Wir müssen nicht in die Oberliga aufsteigen – aber wir sind bereit dafür. Wir haben bei RWM nicht nur die Infrastruktur geschaffen, sondern auch das Spielerpotenzial, die Trainerqualität und den Willen. Sollten wir in die Oberliga aufsteigen, können nicht nur wir, sondern auch die Fans und Zuschauer sich auf neue und attraktive Gegner und hochklassigen Fußball freuen. Wir würden uns deutlich vom üblichen Fußballgeschäft in der Region abheben.

Der Aufstieg wäre so gesehen also auch wichtig für die Region?
Alexander Wiese: Ja. Denn RW Maaslingen würde dadurch auch einen Beitrag für die Region leisten: einen Fußball bieten, den man so nicht überall sieht.

Die erste Mannschaft ist – ob Aufstieg oder nicht – das Flaggschiff des Vereines. Dennoch setzen die Verantwortlichen vor allen Dingen auch auf die Jugendarbeit. Warum?
Alexander Wiese: Auch wenn wir an die Oberliga anklopfen, bringt es nichts, wenn in der Jugend nichts nachkommt. Aktuell tragen 170 Kinder und Jugendliche das RWM-Trikot. Auch deshalb, weil wir vor etwa zweieinhalb Jahren mit Laura Schön und Jon Jürgens zwei Top-Leute in den Jugendvorstand geholt haben. Sie bringen tolle Ideen mit, haben Visionen und Konzepte und vor allen Dingen einen direkten Kontakt zum Hauptvorstand. Für Kinder und Jugendliche sind wir zudem auch attraktiv, weil wir unter anderem eine Kooperation mit Hannover 96 haben, dort Jugend- und Sichtungsturniere spielen und auch mal einen Stadionbesuch unternehmen.

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Was ist dem Verein denn mit Blick auf die Jugendarbeit besonders wichtig?
Alexander Wiese: Wir fördern alle Alters- und Leistungsklassen. Wir wollen alle jungen Fußballer – von der G- bis zur A-Jugend – mitnehmen und uns nicht nur auf die besonderen Talente konzentrieren. Bei uns soll jeder Fußball spielen, der dazu Lust hat. Die Jugendteams sollen deshalb in Zukunft noch weiter wachsen. Wir wollen uns im Jugendbereich modern aufstellen, aber auch mit einer Beständigkeit. Denn klar ist: Die Jugend ist die Zukunft des Vereines, der auch in 20 Jahren noch ein Anlaufpunkt für Jung und Alt sein soll.

Neben der Intensivierung der Jugendarbeit haben Sie Ende letzten Jahres gesagt, Sie wollen den Verein insgesamt auf ein höheres Level heben. Was bedeutet das konkret?
Alexander Wiese: Unter anderem, dass wir aus dem Sportplatz den Ösper-Sportpark geschaffen haben. Das ist schon ein kleines Stadion geworden. Ein echtes Schmuckkästchen. Durch das Rahmenprogramm, das Entertainment abseits des Spielfeldes, den Tower und unser Stadion-TV haben wir schon jetzt etwas geschaffen, was sogar in der Westfalenliga so nicht zu finden ist.

Ruft das Neid und Missgunst anderer Vereine hervor?
Alexander Wiese: Ich bekomme nichts Negatives mit. Wir pflegen zu den Nachbarvereinen gute Kontakte.

RW Maaslingen kann in dieser Saison den Aufstieg in die Oberliga schaffen. Foto: Krischi Meier
RW Maaslingen kann in dieser Saison den Aufstieg in die Oberliga schaffen. Foto: Krischi Meier

Sie sind seit ihrem zehnten Lebensjahr Vereinsmitglied. Was bedeutet Ihnen RW Maaslingen?
Alexander Wiese: Heimat, Leidenschaft, Verbundenheit zu den Menschen dort. Auch wenn ich Sponsor und Mitglied des Vorstandes bin, bin ich in erster Linie auch Fußball-Fan. In Maaslingen tollen Fußball zu sehen, ist einfach herrlich. Ich liebe das. Mein Herz hängt an dem Verein und an den Menschen dort.

Wenn Sie sich also zwischen einem Bundesliga-Topspiel und einem RWM-Heimspiel entscheiden müssten, würden Sie in den Ösper-Sportpark fahren?
Alexander Wiese: Natürlich ist ein Bundesliga-Topspiel eine feine Sache. Aber ja, ich würde mich für ein RWM-Spiel entscheiden, wenn ich müsste, weil ich mich viel mehr für den regionalen Sport begeistern kann.

Ein Blick in die nahe Zukunft: Was macht Alexander Wiese, wenn RWM den Aufstieg in die Oberliga perfekt macht?
Alexander Wiese: Ich bin natürlich dabei und werde den Aufstieg feiern. Wenn es nicht klappt, geht das Projekt weiter. Wir sind nicht absolut dazu gezwungen, aufzusteigen. Wir können also, müssen aber nicht. Wenn nicht, spielen wir weiter eine super Rolle in der Westfalenliga. RW Maaslingen geht also nicht unter, wenn der Aufstieg nicht klappt.