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Landfrauen heute: Mehr als Kuchen, Kaffee und Küche

Klischee war gestern: Die Landfrauen Petershagen zeigen, wie modern, vielfältig und offen ihr Netzwerk heute ist. Besonders die Jungen LandFrauen bringen neuen Schwung in den Verband.
Die Landfrauen um Vanessa Fenn (hintere Reihe, rechts) vom Kreisvorstand. Foto: Jessica Höffner
Die Landfrauen um Vanessa Fenn (hintere Reihe, rechts) vom Kreisvorstand. Foto: Jessica Höffner

Von Jessica Höffner

Petershagen. Der Duft vom frischen Kaffee liegt in der Luft, eine Schüssel voll Kekse steht bereit, während im Hintergrund das Feuer im Kamin lodert und für eine wohlige Wärme sorgt. Am Tisch sitzen fünf Landfrauen, die in dieser Situation mit Kaffee und Keksen auf den ersten Blick das Landfrauen-Klischee erfüllen. Aber nur auf den ersten Blick. Wir haben mit den Landfrauen über veraltete Vorstellungen, Vielfältigkeit und die Jungen LandFrauen gesprochen.

Die Landfrauen sind oftmals sehr klischeebehaftet: kochen, backen, Haushalt führen. Wie sehr kämpfen die Landfrauen noch heute mit diesen veralteten Vorstellungen?
Landfrauen: In der Tat ist dieses Bild noch in den Köpfen vieler. Früher passte es sicherlich, ebenso wie die Tatsache, dass sich früher nahezu ausschließlich Bäuerinnen den Landfrauen anschlossen. Heute ist das aber komplett anders. Wir sind nicht nur mit Blick auf unsere Veranstaltungen sehr vielfältig aufgestellt, sondern auch ein bunter Mix aus den unterschiedlichsten Frauen mit den verschiedensten Berufen und Erfahrungen. Weniger als die Hälfte der Frauen, die in den Ortsverbänden der Landfrauen aktiv sind, haben heute noch einen landwirtschaftlichen Hintergrund.

Wie gestaltet sich denn die Mitgliederentwicklung bei den Landfrauen?
Landfrauen: Das ist von Verband zu Verband unterschiedlich. Einige Ortsverbände haben Zuwachs, andere nicht. Im Westfälisch-Lippischen Landfrauen-Verband, der in drei Bezirksverbände, 20 Kreisverbände und 343 Ortsverbände aufgeteilt ist, zählen wir derzeit etwa 43.000 Mitglieder. Das älteste Mitglied im Kreis ist übrigens Mitte 90. Aktuell bauen wir im Kreis Minden-Lübbecke zudem gerade die Jungen LandFrauen auf – und da passiert wirklich eine Menge.

Was genau sind denn die Jungen LandFrauen?
Stefanie Kleppsch für die Jungen Landfrauen: Die Jungen LandFrauen sind ein Netzwerk junger Frauen bis etwa 45. Wobei wir da keine harte Grenze setzen. wir können an allen Veranstaltungen auf Kreis- und Ortsebene teilnehmen und haben zudem, sozusagen noch als Bonus, noch ein eigenes Programm, das sich speziell an die jüngeren Frauen richtet. Das können etwa Veranstaltungen wie ein Online-Vortrag zum Thema „PMS – Wenn der Zyklus zur Belastung wird“ sein.

Welche Gründe gibt es denn, um sich den Jungen LandFrauen anzuschließen?
Stefanie Kleppsch für die Jungen LandFrauen: Viele, denn wir sind wirklich sehr vielfältig aufgestellt. Wir vernetzen junge Frauen in ähnlichen Lebensphasen, bieten spannende Veranstaltungen von informativ bis kreativ und schaffen Raum für Austausch und Freundschaften.
Ich sage immer, es gibt die „einen Freunde“ und dann gibt es die Landfrauen-Freundinnen, bei denen vielleicht auch mal andere Themen besprochen werden. Mich hat das überzeugt, nachdem ich bei den Landfrauen reingeschnuppert habe. Es ist cool, dabei zu sein und macht unglaublich viel Spaß.
Für alle Neugierigen und Interessierten ist es zudem toll, dass sie mit unserer Schnuppermitgliedschaft ein Jahr lang beitragsfrei dabei sein können, um sich ein umfassendes Bild darüber zu verschaffen, was wir Jungen LandFrauen so alles auf die Beine stellen.

Mit Blick auf die Landfrauen des Ortsverbandes Petershagen: Was stellen die Frauen denn alles auf die Beine?
Landfrauen: Auch wir sind sehr breit aufgestellt und bieten von regelmäßigen Stammtisch-Treffen über Vorträge beim gemeinsamen Frühstück bis hin zum Oktoberfest jede Menge an.
Viele der Veranstaltungen sind übrigens offen für die Allgemeinheit. Das heißt, dass wir uns dann auch über Gäste, ob männlich oder weiblich, freuen, die nicht bei den Landfrauen aktiv sind.
Laut dem Statistischen Bundesamt leben 17 Millionen Menschen allein, was jeder fünften Person entspricht. Ist das auch ein Thema, das die Landfrauen beschäftigt?
Landfrauen: Ganz bestimmt. Und für viele Landfrauen, die ebenfalls von Einsamkeit betroffen sind, sind unsere Treffen ein wenig wie „nach Hause kommen“. Sie wissen, dass sie eben nicht allein sind, und treffen bei uns auf Menschen, die sie vielleicht sogar schon lange kennen. Das ist heutzutage ein wichtiger Aspekt.

…und all die Landfrauen eint zudem die Liebe zum Landleben?
Landfrauen: Auf jeden Fall. Sie alle schätzen das Leben auf dem Land, die unmittelbare Natur, die Ruhe, das funktionierende Dorfgefüge oder auch das Gespräch über den Gartenzaun.

Würden Sie diese zwei Aussagen unterschreiben: Einmal Landfrau, immer Landfrau – lieber Land als Großstadt?
Landfrauen: Unbedingt. Wir fühlen uns wohl bei den Landfrauen – und bleiben Landfrauen. Und die (Groß-)Stadt? Das ist nichts für uns.

Wir haben das Interview mit Vanessa Fenn (Kreisvorstand), Heidrun Fehling, Betina Hofmann und Ilona Kruse (alle aus dem Team des Ortsverbandes Petershagen) und Stefanie Kleppsch von den Jungen Landfrauen geführt.

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