Freitag, 11. September 2026

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Petershagen und das Trinkwasser: Warum sogar zu wenig Verbrauch zum Problem werden kann

Zu viel Wasser kann die Versorgung belasten – aber auch zu wenig Verbrauch ist problematisch. Wilhelm Brinkmann, Leiter der Stadtwerke Petershagen, erklärt, wie die Trinkwasserversorgung funktioniert und warum Speicher, Leitungsnetz und Verbrauch genau aufeinander abgestimmt sein müssen.
Wilhelm Brinkmann, Leiter der Stadtwerke Petershagen. Foto: Krischi Meier
Wilhelm Brinkmann, Leiter der Stadtwerke Petershagen. Foto: Krischi Meier

Von Krischi Meier

Petershagen. Wenn an heißen Sommertagen der Wasserverbrauch steigt, rückt auch die Trinkwasserversorgung in den Fokus. Rund 25.000 Menschen in 29 Ortschaften werden von den Stadtwerken Petershagen über ein 446 Kilometer langes Leitungsnetz und rund 8.400 Hausanschlüsse mit Trinkwasser versorgt. Das Wasser stammt aus den Wasserwerken Wietersheim, Ilse und Ovenstädt, wo Grundwasser gefördert, aufbereitet und ins Versorgungsnetz eingespeist wird.

Wie komplex diese Aufgabe ist und warum ein verantwortungsvoller Umgang mit Trinkwasser immer wichtiger wird, darüber haben wir mit Wilhelm Brinkmann, Leiter der Stadtwerke Petershagen, gesprochen. Im Gespräch wurde schnell deutlich: Brinkmann beschäftigt sich mit großer Leidenschaft und viel Fachwissen mit der Wasserversorgung und erklärt verständlich, warum Versorgungssicherheit weit mehr bedeutet, als bei Bedarf einfach etwas mehr Wasser zu fördern.

An heißen Sommertagen steigt der Wasserverbrauch deutlich. Warum können die Stadtwerke dann nicht einfach mehr Wasser fördern?

Wilhelm Brinkmann: Das klingt zunächst logisch, funktioniert in der Praxis aber nicht. Die Wasserversorgung besteht aus vier Stufen: Förderung, Aufbereitung, Speicherung und Verteilung. Alle vier müssen zusammenpassen. Mehr Wasser aus dem Brunnen zu holen, reicht nicht aus, wenn die Aufbereitung, die Speicher oder das Leitungsnetz diese zusätzlichen Mengen nicht bewältigen können. Wir fördern rund um die Uhr Wasser, um die Speicher insbesondere nachts für den nächsten Tag zu füllen. Die Speicher brauchen wir, um Verbrauchsspitzen, Wartungsarbeiten oder auch Feuerwehreinsätze abzufangen, denn es gibt jeden Tag Zeiträume, in denen mehr Wasser verbraucht als gefördert wird. Man kann also nicht einfach eine Pumpe schneller laufen lassen und damit das Problem lösen.

Warum lässt sich die Wasserversorgung nicht einfach für immer höhere Verbrauchsspitzen ausbauen?

Wilhelm Brinkmann: Trinkwasser ist keine unbegrenzt verfügbare Ressource. Für die Wasserförderung gibt es behördlich festgelegte Entnahmemengen, die wir nicht beliebig erhöhen können. Gleichzeitig müsste jede Erweiterung der Kapazitäten an allen Stellen erfolgen – also bei den Brunnen, der Aufbereitung, den Speichern und dem Leitungsnetz. Das wäre sehr teuer und würde letztlich von den Kunden bezahlt werden, obwohl diese zusätzlichen Kapazitäten nur an wenigen heißen Tagen im Jahr benötigt würden. Deshalb muss immer sorgfältig zwischen Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit abgewogen werden.

Warum werben Sie eher für Eigenverantwortung als für eine Wasserampel?

Wilhelm Brinkmann: Eine Wasserampel wird aus meiner Sicht schnell zur Gewohnheit. Wenn sie jeden Sommer auf Gelb oder Rot steht, nimmt das irgendwann kaum noch jemand ernst. Ich möchte die Menschen erst dann um Hilfe bitten, wenn wir sie wirklich brauchen. Bislang haben wir in Petershagen die Versorgung auch an sehr heißen Tagen mit unseren Wasserspeichern sicherstellen können. Sollte sich das ändern, würden wir gezielt informieren und erklären, warum wir Unterstützung benötigen. Ich glaube, dass Verständnis und Eigenverantwortung in Petershagen besser funktionieren als pauschale Warnstufen.

Trotz Hitzewellen waren die Trinkwasserspeicher in der Stadt Petershagen immer ausreichend gefüllt.           Foto: Krischi Meier
Trotz Hitzewellen waren die Trinkwasserspeicher in der Stadt Petershagen immer ausreichend gefüllt. Foto: Krischi Meier

Und wie sieht es beim Befüllen von Pools und Planschbecken aus – ist das für die Wasserversorgung problematisch?

Wilhelm Brinkmann: Entscheidend ist vor allem, wie schnell das Wasser entnommen wird. Wenn jemand sein Planschbecken über einen längeren Zeitraum befüllt, ist das für uns unkritisch. Problematisch wird es, wenn viele Menschen gleichzeitig große Mengen Wasser abnehmen. Ein kleines Planschbecken kann schnell 600 Liter fassen – das entspricht ungefähr dem Tagesverbrauch von fünf Personen, der dann zusätzlich anfällt.
Wenn an einem heißen Tag viele Leute gleichzeitig ihre Pools oder Planschbecken füllen, merken wir das im Netz. Unsere Speicher sind nicht dafür ausgelegt, dass plötzlich sehr große Mengen zusätzlich abgerufen werden. Deshalb wäre es sinnvoll, solche Befüllungen möglichst über einen längeren Zeitraum zu verteilen. Dann können wir die Mengen besser nachfördern und aufbereiten, ohne unsere Reserven unnötig zu belasten.
Und wenn das Wasser im Planschbecken irgendwann warm oder nicht mehr genutzt wird, sollte man es möglichst zum Gießen verwenden und nicht einfach ablaufen lassen.
Für die Gartenbewässerung gibt es aus meiner Sicht generell eine einfache und effiziente Alternative zum Trinkwasser: die klassische Regentonne. Sie kostet vergleichsweise wenig, braucht keinen Strom und liefert genau das Wasser, das man zum Gießen benötigt. Wenn man sie im Frühjahr aufstellt und rechtzeitig vor der Hitzeperiode füllt, kann man damit schon eine ganze Weile auskommen, ohne dafür aufbereitetes Trinkwasser zu verwenden. So kann jeder dazu beitragen, dass unser Trinkwasser dort eingesetzt wird, wo es wirklich gebraucht wird.

Warum ist es für die Wasserversorgung sogar ein Problem, wenn zu wenig Wasser verbraucht wird?

Wilhelm Brinkmann: Wasser darf im Leitungsnetz nicht zu lange stehen. Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass es innerhalb von etwa drei Tagen beim Verbraucher ankommen und verbraucht werden sollte. Bleibt Wasser länger im Netz, wird es hygienisch problematisch und entspricht irgendwann nicht mehr den Anforderungen an Trinkwasser.
Das bedeutet: Auch eine zu geringe Abnahme kann für uns zum Problem werden. Wir müssen dann gegebenenfalls Wasser aus dem Netz spülen, damit es nicht zu alt wird. Dieses Wasser ist aber zuvor gefördert, aufbereitet und mit Energieaufwand ins Netz gebracht worden. Wird es nicht verbraucht, ist das wirtschaftlich und ökologisch nicht sinnvoll. Deshalb brauchen wir im Netz nicht nur eine Obergrenze für Verbrauchsspitzen, sondern auch eine gewisse Mindestabnahme.

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Welche Herausforderungen kommen in den nächsten Jahren auf die Stadtwerke zu?

Wilhelm Brinkmann: Die größte Herausforderung wird sein, unsere Infrastruktur fit für die Zukunft zu machen. Ein großer Teil unserer Leitungen, Anlagen und Bauwerke wurde in einer ähnlichen Zeit errichtet und erreicht nun nach und nach ein Alter, in dem Erneuerungen notwendig werden. Deshalb müssen wir heute schon weit vorausplanen und Leitungen teilweise austauschen, bevor sie Schäden verursachen. Wir wollen vermeiden, irgendwann nur noch von einem Rohrbruch zum nächsten zu laufen.
Gleichzeitig verändert sich das Verbrauchsverhalten. An heißen Tagen haben wir deutlich höhere Spitzen, während in anderen Zeiten weniger Wasser abgenommen wird. Wir müssen unsere Infrastruktur deshalb so weiterentwickeln, dass sie auch unter diesen veränderten Bedingungen sicher und zuverlässig funktioniert – ohne Anlagen unnötig größer zu bauen, die nur an wenigen Tagen im Jahr gebraucht werden. Dafür erfassen wir unser Netz auch zunehmend digital, um Sanierungen gezielt planen zu können. Am Ende geht es darum, Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit zusammenzubringen und die Wasserversorgung auch für die nächsten Generationen zuverlässig aufzustellen.

Die Wasserpreise in Petershagen sind vergleichsweise niedrig. Wird das auch künftig so bleiben?

Wilhelm Brinkmann: Petershagen ist beim Wasserpreis im Vergleich zu den umliegenden Versorgern weiterhin sehr günstig. Unser Ziel ist es, über einen längeren Zeitraum eine schwarze Null zu erreichen. Wir wollen also keine Gewinne erwirtschaften, sondern mit den Einnahmen genau das finanzieren, was für eine sichere und zuverlässige Wasserversorgung notwendig ist.
Allerdings stehen wir vor steigenden Kosten: Strom, Personal und Material werden teurer, gleichzeitig kommen in den nächsten Jahren erhebliche Investitionen in unsere alternde Infrastruktur auf uns zu. Ob und in welchem Umfang der Wasserpreis deshalb angepasst werden muss, lässt sich heute noch nicht sagen. Das entscheiden wir auf Grundlage unserer Wirtschaftsplanung und der tatsächlichen Kosten. Klar ist aber: Wir wollen das Geld der Kunden weiterhin möglichst sparsam und verantwortungsvoll einsetzen.

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