Donnerstag, 26. Februar 2026

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Happy End für „Abel“: Rettung nach 17 Tagen – Tipps für Angsthunde und Halter

Der Fall „Abel“ bewegte die Region Mittelweser. Nach 17 Tagen auf der Flucht wurde der Hund in Liebenau gesichert. Die Hundesicherung Mittelweser erklärt, wie Angsthunde richtig gesichert werden und was bei Sichtungen zu tun ist.
Rüde „Abel“ konnte nach 17 Tagen gesichert werden. Foto: privat
Rüde „Abel“ konnte nach 17 Tagen gesichert werden. Foto: privat

Von Jessica Höffner

Petershagen/Nendorf/Liebenau. Knapp drei Wochen hielt Rüde „Abel“, der zu Beginn des Jahres im Raum Petershagen entlaufen ist, mehrere Kreise und drei Bundesländer in Atem. Nach 17 Tagen das glückliche Ende: „Abel“ konnte in Liebenau gesichert werden. Für die Hundesicherung Mittelweser, die sich im August 2025 gegründet hatte, der erste „große Fall“. Warum sich die Initiative gründete, welche Motivation die Ehrenamtler haben und wie es „Abel“ geht, haben Christina Braun und Elyan Heiden im Gespräch mit unserer Redaktion verraten.
„Abel geht gut. Er ist wieder bei seinen Haltern und hat keine Verletzungen davongetragen“, sagen Christina Braun und Elyan Heiden. Nach 17 Tagen auf der Flucht ist es bei ihnen und dem Rest des Teams der Hundesicherung etwas ruhiger geworden. In den Tagen und Wochen zuvor bimmelten die Handys der Tierfreunde unaufhörlich. Am Tag. Und auch in der Nacht. „Wir hoffen, dass wir so etwas nicht noch mal erleben müssen“, sagt Christina Braun über die 17 Tage, die sie an die Grenze ihrer Belastbarkeit brachten.

Christina Braun gehört zu der rund zehnköpfigen Truppe, die sich im August 2025 entschied, die Hundesicherung Mittelweser zu gründen. „Zu Beginn gab es eine WhatsApp-Gruppe. Hier tauschten wir uns aus, halfen, wenn eine Pflegestelle gesucht wurde oder auch ein Platz für ein Kaninchen“, blickt Elyan Heiden zurück. Ausgerechnet in den eigenen Reihen der Worst-Case: Rüde „Bailey“ entlief einer Halterin aus der WhatsApp-Gruppe. Es folgten drei Monate zwischen Hoffen und Bangen, der Einsatz von zwei Hundesicherungs-Teams und auch hier ein glückliches Ende. „Das war für unsere WhatsApp-Gruppe der Auslöser, eine Hundesicherung zu gründen – für den Kreis Nienburg, in dem es bis dato keine Lebendfalle gab“, erzählen Braun und Heiden. Die Tierfreunde „wollten etwas tun“ und aktiv werden. Den Großteil der Kosten in Höhe von 2.400 Euro für die Falle erhielten sie dank vieler Spender über die Plattform „GoFundMe“ Heute ist die Falle hochmodern ausgestattet: mit einer 4G-Kamera, die die Überwachung aus der Ferne ermöglicht. „Die Kamera ist wie Else Kling und meldet sich, wenn sie etwas entdeckt“, sagt Christina Braun. Und erst dann, wenn der Hund über die Kamera identifiziert wurde, wird sie per SMS „scharfgestellt“. Das andere Tiere, zum Beispiel Katze, Fuchs und Co in der Falle landen: ausgeschlossen.

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Dass Christina Braun, Elyan Heiden und der Rest des Teams der Hundesicherung schon kurz nach der Gründung in den Fokus der Öffentlichkeit gerieten, hätten sie zu dem Zeitpunkt nicht geahnt. „Im Normalfall wird die Öffentlichkeit bei einem entlaufenen Hund nicht in dem Maße informiert. Zumeist arbeitet man eng mit den Haltern zusammen und legt Futterstellen an“, erklärt Christina Braun. „Abels“ Ausriss aber war mit dem „Normalfall“ nicht zu vergleichen – denn der Australian-Shepherd-Rüde machte mächtig Kilometer. „Er war am Tag teilweise bis zu 30 Kilometer unterwegs, entlief in NRW, durchquerte Niedersachsen und tauchte in Bremen auf. Wir waren also dringend auf Hilfe angewiesen“, skizziert Christina Braun „Abels“ Laufroute. Kurz blickt sie auf ihr Smartphone, zeigt die Google-Maps-Karte mit den Markierungen. Sichtungen gab es viele – „Abel“ aber flüchtete ein ums andere Mal. Auch die Falle half nicht, in der – es mag makaber klingen – die Reste eines toten Rehs drapiert wurden. Der Jagdpächter erlaubte diese Maßnahme. Denn genau dieses tote Reh diente „Abel“ als Nahrungsquelle. Ob es seine Angst oder sein Instinkt waren, dass er trotzdem nicht in die Falle ging?
Während die Hundesicherung ihr Bestes gab, entfachten im Hintergrund Diskussionen um Genehmigungsprozesse zum Aufstellen der Falle. Kostbare Zeit ging verloren – und „Abel“ zog weiter. „Stellen wir die Falle einfach auf, machen wir uns der Wilderei strafbar“, erklärt Christina Braun. Erst mit der Genehmigung des Jagdpächters und der Gemeinde erhielt das Team das „Go“.
Dass „Abel“ wieder zuhause ist, freut die Nendorferinnen umso mehr. „Wir haben den kleinen Kerl nie aufgegeben. Dass er in Liebenau auf ein Betriebsgelände lief und das Tor geschlossen werden konnte, war ein Glücksfall“, sagt Christina Braun. Zu zweit machte sich die Hundesicherung auf den Weg nach Liebenau – und erlebten einen „Abel“ ohne Angst, der sich in aller Ruhe das Sicherheitsgeschirr anziehen und in die Box im Auto bringen ließ. „Das war ein schöner Moment“, sagt Christina Braun. Sie macht deutlich: „Wenn jeder Halter auf seinen Hund aufpasst, müssen wir nicht los. Die beste Sicherung ist nicht so gut, als das Aufpassen der Halter auf ihre Hunde.“

Die kameraüberwachte Falle der Hundesicherung Mittelweser. Foto: privat
Die kameraüberwachte Falle der Hundesicherung Mittelweser. Foto: privat

Hundesicherung Mittelweser: Wer Hilfe benötigt, kann sich an Christina Braun, 0170 – 4159032; Silke Dykes, 0176 – 60724458 oder Gele Roloff, 0177 – 4611311 wenden. Wer die Hundesicherung unterstützen möchte, kann Spenden per PayPal an hundesicherung.mittelweser@gmx.de senden.
Angsthund richtig sichern: Angsthunde sollten neben einem Sicherheitsgeschirr an einer Sicherheitsleine, die am Jogging-/Bauchgurt befestigt wird, gesichert werden. Zudem sollte ein eng sitzendes Halsband verwendet werden, an dem der Halter zusätzlich eine Führleine befestigt. Wichtig: Der Transponderchip kann beim Auslesen nur zugeordnet werden, wenn eine Registrierung bei Tasso erfolgt ist.
Angsthund entlaufen? So sollten sich Menschen verhalten, die das Tier sichten: – Hund bei Sichtung ignorieren; – keine Einfangversuche unternehmen; – nicht jagen, nicht rufen; – Sichtungen bestenfalls auf google.maps markieren und der Hundesicherung melden; – Wichtig: Sichtungen niemals öffentlich teilen.