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„Alt werden wir alle“ – Unser bewegender Praxistest im Cura-Zentrum Uchte

102 Bewohner, 74 Mitarbeiter: Ein Blick hinter die Kulissen des Cura-Zentrums Uchte – über Würde, Nähe und den Alltag im Pflegeheim.
Heimleiterin Jessica Witte mit „Butch“ und Lara Zimmermann, stellvertretende Pflegedienstleiterin (rechts). Foto: Jessica Höffner
Heimleiterin Jessica Witte mit „Butch“ und Lara Zimmermann, stellvertretende Pflegedienstleiterin (rechts). Foto: Jessica Höffner

Von Jessica Höffner

Uchte. Hilde hat es sich gemütlich in ihrem Appartement eingerichtet. Von ihrem Bett und ihrer Sitzecke aus hat sie den Blick auf Terrasse und Garten. In ihrem Zimmer fällt eines sofort auf: die Fotos ihrer Hündin. Sie sind liebevoll eingerahmt, hängen an der Wand, stehen auf ihrem Nachttisch. „Daisy kann hier nicht mit mir wohnen. Aber sie hat ein tolles Zuhause gefunden und kommt regelmäßig zu Besuch“, sagt Hilde. Hilde ist 82 und eine der derzeit 102 Bewohner des Cura-Zentrums in Uchte. Im zweiten Teil unserer Serie „Der Praxistest – wir probieren es aus“ haben wir nicht nur mit Hilde gesprochen – wir waren mittendrin und haben unter anderem Essen ausgeteilt. Und wir haben schnell erkannt, wie emotional berührend ein Beruf in der Pflege ist.

Wir treffen die 82-jährige Hilde in einer kleinen Sitzecke. Ihr Rollator steht neben ihr, während sie das Treiben auf dem Flur beobachtet. „Die erste Zeit im Cura-Zentrum war schwer. Aber ich habe mich gut eingelebt“, erzählt Hilde. Seit einem Jahr ist die Einrichtung ihre neue Heimat. Längst ist die „Gute Stube“ zu ihrem Lieblingsort geworden. „Das ist der Aufenthaltsraum auf dieser Etage“, sagt Lara Zimmermann. Die 25-Jährige ist seit Januar 2026 die stellvertretende Pflegedienstleitung. Sie kennt nicht nur Bewohnerin Hilde gut, sondern das gesamte Haus. „2016 habe ich in der Küche angefangen, im Service geholfen und an den Wochenenden die Kaffeemahlzeiten im Cura-Zentrum begleitet“, blickt Lara Zimmermann zurück. Und während sie bereits einen Ausbildungsplatz zur Automobilkauffrau zugesagt hatte, war das Überbrückungsjahr als Pflegehelferin derart prägend für sie, dass sie sich anders entschied. „Heute bin ich glücklich, dass ich die Ausbildung zur Pflegefachkraft gemacht habe“, sagt die 25-Jährige. 2022 folgte der Abschluss, dann ging es schnell: 2025 absolvierte sie die Weiterbildung zur verantwortlichen Pflegefachkraft, ehe das Angebot zur Stellvertreterin kam. Momente wie diese, kurze Gespräche mit den Bewohnern wie zum Beispiel mit Hilde, schätzt sie bis heute. „Genau das macht den Job aus“, sagt sie. Hilde ist glücklich. Glücklich über den kurzen Besuch. Vermutlich hätte sie noch viel mehr zu erzählen gehabt.

Für uns geht es weiter. Eine Etage höher. Hier steht ein Gruppenangebot auf dem Programm. Rund 15 Frauen und ein Mann haben sich in dem freundlich eingerichteten Raum versammelt, um mit Petra Büttemeier und Dorothee Klante ihre Geschicklichkeit beim Rollen von Holzkugeln unter Beweis zu stellen. Während es die einen kaum erwarten können, an der Reihe zu sein, dösen andere. „Das ist vollkommen okay. Das Wichtigste ist, dass sie dabei sind und mit einbezogen werden und nicht einsam auf ihrem Zimmer sind“, sagt Betreuungskraft Petra Büttemeier. So auch die Dame, die ihr Kuscheltier fest in den Händen hält. Sanft legt es die Pflegekraft Dorothee Klante beiseite und führt die Hand vorsichtig in Richtung Holzspielfeld. Die Kugel rollt.„Super!“, sagt Dorothee Klante, „das war toll!“. Die ältere Dame lacht. Ein schöner Moment für die Bewohnerin, der mich emotional werden lässt und deutlich macht: Alt werden wir alle. Schön ist es, wenn es – wie hier – in Würde geschehen darf.
Es wird Mittag im Cura-Zentrum. Vor dem Speisesaal warten schon die ersten Bewohner auf Eintopf und gefüllte Paprika. „Ein paar Bewohner müssen wir noch holen“, sagt Lara Zimmermann. Mit dem Fahrstuhl geht es ins Erdgeschoss. „Schiebe ich den Rollstuhl zu schnell?“, frage ich Irmgard. „Nee, nee“, sagt die rüstige Dame und lacht. Etwas ungeschickt stelle ich mich an, als ich Irmgard zu ihrem festen Sitzplatz im Speisesaal schiebe. „Nicht so dicht an den Tisch“, sagt sie freundlich. Vorsichtig schiebe ich den Rollstuhl ein paar Zentimeter zurück. „So passt es“, sagt Irmgard.

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Unterdessen steht Katrin Dahms schon mit einer Schürze für mich parat. Eine kurze Einweisung, dann geht es los. Hier im Cura-Zentrum wird am Tisch serviert. Wer nach der ersten Portion noch hungrig ist, bekommt einen Nachschlag. „Das Leben ist doch wirklich toll hier. Wir werden hier rund um die Uhr versorgt, bekommen leckeres Essen“, hatte Elisabeth kurz zuvor erzählt, als wir sie auf ihrem Zimmer besucht haben. Dort stehen alte Möbel – Erinnerungen an früher. An der Wand hängen Bilder – unter anderem ein großes von ihrem Enkelkind. „Der Kleine kommt oft zu Besuch“, erzählt sie. Die Zeit, so sagt sie, vergehe hier wie im Flug. „Mein Tag ist immer ausgebucht – mit Besuchen von Verwandten, Physiotherapie, Ergotherapie und so weiter“, sagt Elisabeth. Wir können nur kurz ins Gespräch kommen. Da klingelt schon wieder ihr Telefon. „Danke für den Besuch“, sagt sie. Dann nimmt sie mit einem Lächeln den Hörer ab.

Gruppenangebote im Cura-Zentrum in Uchte.                                                                            Foto: Cura-Zentrum
Gruppenangebote im Cura-Zentrum in Uchte. Foto: Cura-Zentrum

Im Büro von Jessica Witte, die seit September 2025 die Heimleitung inne hat, kommen wir auf einen Kaffee zusammen. Die 33-Jährige ist ein Eigengewächs. Während ihres Studiums der Gerontologie absolvierte sie ein zehnwöchiges Praktikum im Cura-Zentrum in Lavesloh, bekam dort eine Stelle in der Verwaltung, ehe sie als Heimleitung nach Uchte wechselte. Bürohund „Butch“ ist immer an ihrer Seite – zur Freude der Bewohner, die oft nach dem kleinen Rüden fragen. Seitdem sie die Stelle angetreten hat, treibt Jessica Witte gemeinsam mit ihrem Team den Optimierungsprozess im Haus voran. Hier sollen sich schließlich alle wohlfühlen. Die Dankbarkeit, die die Bewohner dem Cura-Team entgegenbringen, zeigt, dass der Weg der richtige ist. „Für jeden ist der Umzug in das Cura-Zentrum ein großer Schritt. Wir wissen das. Aber wir wissen auch, dass sich die Bewohner schnell einleben und dankbar sind, hier zu sein“, sagt Jessica Witte. Pflegekräfte werden zu Bezugspersonen, Mitbewohner zu Freunden. Auf emotionaler Ebene ist das nicht immer ganz einfach – weder für die Mitarbeiter noch für die Bewohner. Auch Elisabeth hat diese Erfahrung gemacht. „Ich habe hier eine tolle Freundschaft geschlossen. Aber leider ist meine Freundin verstorben“, erzählt sie. Der Tod ist auch für die Pflegekräfte allgegenwärtig. „Und natürlich ruft es Emotionen hervor, wenn ein Bewohner stirbt“, macht Jessica Witte deutlich. Um das zu bewältigen, hilft ihr vor allen Dingen, dass es die Bewohner sind, die einen „klaren Blick“ auf das Sterben haben. „Sie haben keine Angst. Sie wissen, dass der Umzug in ein Heim wie dieses der letzte Abschnitt des Lebens ist. Sie blicken mit Zufriedenheit auf ihr Leben zurück. Genau das empfinde ich als sehr beruhigend“, sagt Jessica Witte. Sie und ihr Team setzen alles daran, den letzten Lebensabschnitt so schön wie möglich zu gestalten. Ganz individuell für jeden Bewohner.

Hintergrund: Das Cura-Zentrum bietet 104 Dauerpflegeplätze Geschäftsführerin ist Vanessa Neumann. Seit September 2025 hat Jessica Witte (33) die Heimleitung inne. Marion Weigelt besetzt die Position der Pflegedienstleitung; ihre Vertreterin ist seit Januar 2026 die 25-jährige Lara Zimmermann. Das Cura-Zentrum in Uchte beschäftigt derzeit 74 Mitarbeiter im Bereich der Pflege und der Betreuung.

Hinweis der Redaktion: Zum Schutz der Privatsphäre haben wir die Namen der Bewohner geändert.