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Historisches Jagddenkmal bei Friedewalde: Die Geschichte von Carl Büttners „Waidmannsruh“

Zwischen Holzhausen und Warmsen steht ein unscheinbares Pyramidendenkmal. Es ist das letzte Zeugnis der einst bedeutenden Jagd von Carl Büttner aus Minden. Eine Spurensuche zur regionalen Jagdgeschichte.
Werner Niemann (r.) und Willi Traue an dem Büttner-Denkmal. Foto: Krischi Meier
Werner Niemann (r.) und Willi Traue an dem Büttner-Denkmal. Foto: Krischi Meier

Friedewalde (kri). Zwischen Holzhausen und Warmsen, an der Grenze zu Friedewalde, steht ein steinernes Denkmal in Pyramidenform. Es ist unscheinbar – und doch das letzte sichtbare Zeugnis eines Anwesens, das einst eine bedeutende Rolle in der regionalen Jagdgeschichte spielte. Hier befand sich die große Jagd von Carl Büttner (31. Juli 1874 – 23. Juni 1924), einer zu seiner Zeit bekannten Persönlichkeit aus Minden.

Büttner hatte im Holzhauser Wald ein Jagdhaus errichten lassen, das den Namen „Waidmannsruh“ trug. Neben der Blockhütte gehörten eine Remise mit Pferdestall für die Kutsche sowie ein Brunnen zur Trinkwasserversorgung zum Anwesen. „Das war ein richtiger Treffpunkt“, erinnert sich Werner Niemann, der die Geschichte über viele Jahre innerhalb seiner Familie überliefert bekam. „Die Hütte war auch dafür da, dass gefeiert wurde – und das offenbar nicht zu knapp.“

Carl Büttner führte eine Firma für Pflaster- und Steinarbeiten, die er von seinem Vater übernommen hatte. Der wirtschaftliche Erfolg ermöglichte ihm den Unterhalt eines außergewöhnlich großen Jagdgebietes. „So eine Jagd konnte man sich nur mit viel Geld leisten“, sagt Niemann. Damals gehörten sogar Rothirsche noch zum heimischen Wildbestand.

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Die enge Verbindung zwischen der Familie Niemann und Carl Büttner reicht mehrere Generationen zurück. Werner Niemanns Urgroßeltern arbeiteten für den Jagdherrn. Sein Urgroßvater Wilhelm Kleine war als Jagdaufseher tätig, seine Urgroßmutter kochte für die Jagdgesellschaften. „Bei uns wurden diese Geschichten immer weitererzählt“, so Niemann. Eine Anekdote sei besonders hängen geblieben: „Es heißt, Büttner habe zu Weihnachten eine ganze Gans allein gegessen. Er muss ein großer, kräftiger Mann gewesen sein.“

Nach Büttners Tod im Jahr 1924 wurde das Jagdhaus abgebaut. Holz war zu dieser Zeit ein begehrter Rohstoff. „Was aus dem Material geworden ist, weiß heute niemand mehr“, berichtet Niemann. Geblieben ist nur das Denkmal, das von Büttners Mitarbeitern zu seinen Ehren errichtet wurde. Es unterstreicht, welchen Stellenwert er in seiner Zeit gehabt haben muss.

Auch Willi Traue, Jäger und Naturschützer aus Friedewalde, zeigte sich bei einem Besuch des Denkmals beeindruckt. Seit 1965 ist er selbst Jäger. „Eine Jagd in dieser Größenordnung ist selbst aus heutiger Sicht etwas Besonderes“, betont Traue.
Für Werner Niemann ist das Denkmal mehr als ein historischer Stein im Wald. „Es ist ein Ort voller Erinnerungen“, sagt er. Seine Mutter habe über Jahre hinweg Informationen gesammelt und an ihn weitergegeben. Heute sei er innerhalb der Familie der Ansprechpartner. „Meine Geschwister kommen zu mir und fragen nach, weil diese Geschichte sonst verloren ginge.“