Anzeige

Anzeige

Eichenprozessionsspinner: Warum die Entfernung der Nester Profis überlassen werden sollten

Der Eichenprozessionsspinner breitet sich weiter aus. In Raddestorf entfernte Baumexperte Julian Bruns zahlreiche Nester. Er erklärt, warum die Brennhaare für Menschen und Tiere gefährlich sind und weshalb die Entfernung unbedingt Profis überlassen werden sollte.
Julian Bruns sprüht ein Nest mit einem Fixiermittel ein. Foto: Jessica Höffner
Julian Bruns sprüht ein Nest mit einem Fixiermittel ein. Foto: Jessica Höffner

Von Jessica Höffner (Text und Fotos)

Raddestorf. Langsam hebt sich die Arbeitsbühne in die Baumkrone. Gesichert mit Schutzanzug und Atemschutz macht sich Julian Bruns an die Arbeit – wenige Meter von den gefährlichen Gespinsten des Eichenprozessionsspinners (EPS) entfernt. Warum der Schädling immer häufiger auftritt, welche Gesundheitsgefahren von ihm ausgehen und weshalb die Entfernung unbedingt Profis überlassen werden sollte, erklärt der 32-jährige Inhaber der Firma Weserwipfel aus Windheim. Wir durften Julian Bruns begleiten.

Als Julian Bruns im Juli 2025 seine Firma Weserwipfel gegründet hat, lag sein Fokus auf Baumpflegemaßnahmen und Baumfällungen – als Baumkletterbetrieb, der viel mit Seilklettertechnik arbeitet. Heute fährt er nahezu täglich mit der Arbeitsbühne in luftige Höhen, um die Nester der sich immer weiter ausbreitenden EPS zu entfernen. „In diesem Jahr gibt es sehr viele Nester. Seit rund drei Wochen sind wir täglich im Einsatz, um sie zu entfernen“, sagt der Baumexperte, der kurz seine Vollgesichts-Atemschutzmaske absetzt. Der 32-Jährige muss sie tragen – ebenso wie einen Ganzkörper-Schutzanzug und Gummihandschuhe. Wie gefährlich die Brennhaare werden können, hat er selbst erlebt. „Als ich bei einem Kunden war, um mir die Nester anzuschauen, hat etwas Wind gereicht, der mir die Brennhaare auf meine Unterarme geweht hat. Ich habe Ausschlag bekommen, mit Pusteln und einem starken Juckreiz über drei bis vier Tage“, erinnert sich der 32-Jährige. Er hatte Glück, dass sich nicht noch schlimmere Symptome wie eine Bindehautentzündung oder Atemnot einstellten. Auch für Tiere kann der Kontakt schwerwiegende Folgen bis hin zu massiven allergischen Reaktionen, Kreislaufproblemen und Atemnot haben. Das Tückische: Hunde müssen die Raupen nicht direkt berühren. Oft reicht schon der Kontakt mit kontaminiertem Gras oder herumliegenden Brennhaaren der Raupen aus.

Anzeige

An dem Tag, an dem wir den 32-Jährigen begleiten, arbeitet er auf einem Hof in Bramerloh. Der Eichenbestand wirkt idyllisch – aber er bringt Gefahren mit sich. Ursprünglich hatten Julian Bruns und sein Mitarbeiter 51 Nester ausgemacht. „Wir haben jetzt noch acht, neun Bäume, die wir bearbeiten müssen. Damit dürfte die Zahl der Nester deutlich höher liegen . Ich tippe auf um die 70“, sagt Julian Bruns, während er seine Atemschutzmaske wieder aufsetzt. Mit der Hebebühne geht es anschließend in luftige Höhen. Mit dabei hat er ein Drucksprühgerät. In diesem ist das einzige Mittel, das in Deutschland zur Bekämpfung der Raupen zugelassen ist: „Catefix“ ist ein insektizidfreies Fixiermittel, das die Raupen und deren Brennhaare verklebt. „Damit sperren wir die Raupen in ihrem Nest ein. Nach einer ersten Schicht schießen wir das Mittel in das Nest. Nach kurzer Zeit härtet es aus, so dass es gefahrlos abgenommen werden kann“, erklärt der Weserwipfel-Chef. Nicht immer nimmt Julian Bruns die Nester von der Eiche. Sie könnten dort bleiben. Hier auf dem Hof in Bramerloh geht er auf Nummer sicher – schließlich stehen hier Pferde auf den Weiden. Die Gefahr, dass ein Nest – wenngleich es „behandelt“ und unschädlich gemacht wurde – irgendwann auf die Weide fällt, möchte er ausschließen.


Als „kritisch“ bezeichnet Julian Bruns die momentane Zeit. „Die EPS durchlaufen verschiedene Stadien. Wir sind jetzt im vierten Stadium, kurz vor dem Übergang zum fünften. Bis zur Verpuppung fressen sie in der Nacht die jungen Blätter und ziehen sich tagsüber ins Nest zurück, um sich zu häuten. Das ist die größte Gefahrenquelle – die alten Häute mit den losen Brennhaaren. Sobald die Verpuppung durchgeführt ist, fressen sie nicht mehr. Allerdings sind die alten Häute und Brennhaare bis zum Herunterfallen in den Nestern und können durch den Wind mehrere 100 Meter weit fliegen. Und genau das macht es so gefährlich. Wichtig ist es, die Nester früh zu erkennen und entfernen zu lassen – noch bevor die Brennhaare ausgebildet wurden“, erklärt der Spezialist. Bis zum Herbst sei die Gefahr durch den EPS besonders hoch. Bis dahin wird er noch unzählige Nester entfernen. Die Dienstleistung des 32-Jährigen ist gefragt. Wie teuer dieser Einsatz war, verrät Julian Bruns zwar nicht. Fest steht jedoch: Mit jedem entfernten Nest verschwindet auch ein Stück Gesundheitsgefahr für Mensch und Tier.

Redakteurin Jessica Höffner (links) mit Julian Bruns.
Redakteurin Jessica Höffner (links) mit Julian Bruns.

Anzeige

Anzeige