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„Eine echte Legende“: Ovenstädt bereitet seinem Postboten einen bewegenden Abschied

Für viele war er weit mehr als der Mann, der Briefe und Pakete brachte: Nach mehr als 20 Jahren auf seiner Tour durch Ovenstädt, Großenheerse und Buchholz geht Martin Lohaus in den Ruhestand. Seine Kunden bereiteten ihm einen unvergesslichen Abschied.
Ovenstädt hat sich mit einer Überraschungsparty vom Postboten Martin Lohaus (Mitte, schwarze Jacke) verabschiedet. Fotos: privat
Ovenstädt hat sich mit einer Überraschungsparty vom Postboten Martin Lohaus (Mitte, schwarze Jacke) verabschiedet. Fotos: privat

Von Jessica Höffner

Ovenstädt. 45 Jahre lang war Martin Lohaus als Postbote unterwegs, mehr als zwei Jahrzehnte davon in Ovenstädt, Großenheerse und Buchholz. Zum Abschied bereiteten ihm seine Kunden eine Überraschung, die ihn sprachlos machte. Es ist eine Geschichte über Begegnungen, Vertrauen, bissige Hunde und einen ganz besonderen Zusammenhalt.

Als Martin Lohaus an seinem letzten Arbeitstag noch einmal mit dem Postauto durch den Ort fuhr, standen die Menschen am Straßenrand Spalier. In ihren Händen hielten sie gelbe Sonnenblumen. Sie waren gekommen, um einem Mann Danke zu sagen, der für viele von ihnen über Jahre viel mehr gewesen war als derjenige, der Briefe und Pakete brachte. „Martin – eine echte Legende verlässt das Gelände. Ovenstädt sagt Danke“: So lautete der Spruch, der nicht nur auf einer riesigen Torte prangte, sondern auch beschrieb, was dieser Moment für die Menschen bedeutete. Rund 100 Ovenstädter waren zusammengekommen, um ihren Postboten in den Ruhestand zu verabschieden. „Mich hat das total von den Socken gehauen“, sagt er rückblickend. Die Wertschätzung, die ihm an diesem Tag entgegengebracht wurde, habe ihn sprachlos gemacht.
Am 14. Oktober hatte Martin Lohaus seinen letzten Arbeitstag. Ein komisches Gefühl sei das gewesen, erzählt er. Nach mehr als 20 Jahren auf derselben Tour waren die Menschen in seinem Bezirk längst mehr als bloße Adressaten auf Briefumschlägen.
Zwei Jahrzehnte lang hatte er die Straßen und Häuser in Ovenstädt, Großenheerse und Buchholz angefahren, die Briefkästen gekannt und gewusst, bei wem er ruhig noch einmal klingeln konnte. Manchmal brachte er die Post sogar direkt ins Haus. „Bei vielen Familien gehörte ich schon fast dazu“, erzählt er. Ein nettes Wort oder ein freundlicher Gruß an der Haustür: Für Lohaus waren solche Begegnungen selbstverständlicher Teil seiner Arbeit.
Dass hinter den Kulissen längst eine große Überraschung vorbereitet wurde, ahnte er nicht. Beate und Philipp Baumann hatten den Stein ins Rollen gebracht.

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In den 1980er-Jahren war Lohaus zunächst als Springer bei der Post tätig. Er übernahm unterschiedliche Bezirke. In Minden stellte er die Post damals noch ganz klassisch mit dem Fahrrad zu. „Das war trotz Wind und Wetter eine schöne Zeit“, sagt er. Später wechselte Lohaus ins Postauto. Seit mehr als 20 Jahren führte ihn seine Tour durch Ovenstädt, Großenheerse und Buchholz. Knapp 600 Haushalte gehörten zu seinem Bezirk. Mit der Zeit kannte dort jeder Martin – und Martin kannte jeden.
„Ich fand den Beruf des Postboten schon immer interessant. Es war eine tolle Zeit, die ich nie vergessen werde“, sagt er. Ganz ohne Gefahren verliefen die 45 Jahre nicht. Denn nicht jeder Vierbeiner war vom täglichen Besuch des gelben Postautos gleichermaßen begeistert. Lohaus hatte deshalb stets kleine Leckerlis dabei. Gebissen wurde er trotzdem – gerade in den 1980er-Jahren sogar einige Male.


Eine ganz andere Begegnung sollte ihn ebenfalls nicht mehr loslassen. Im Jahr 2009 wurde in Großenheerse ein Schornsteinfeger getötet. Ein Mann hatte ihn mit einer Axt erschlagen. Lohaus kannte den Mann, der zu den Kunden auf seiner Tour gehörte. „Die Tat hat mich sehr schockiert“, sagt Lohaus. Die Erinnerung an diesen Fall ist eine der dunklen Episoden, die ihm aus seinem langen Berufsleben geblieben sind.
Heute ist Martin Lohaus Rentner. Natürlich vermisse er seine Tour hin und wieder. Schließlich verschwinden 45 Jahre Berufsleben nicht von einem Tag auf den anderen. Ganz aus der Welt ist Ovenstädt für ihn aber nicht. Lohaus hofft, den Kontakt zu einigen seiner Kunden halten zu können. Vielleicht ergibt sich ja gelegentlich die Gelegenheit auf eine Tasse Kaffee. Diesmal ganz ohne Zustellauftrag und Zeitdruck.

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