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Vom Feld direkt auf den Tisch: Wie die Solawi in Friedewalde frisches Gemüse erzeugt

Unkraut jäten, Gemüse ernten und Pflanzen kontrollieren: Der Besuch bei der Solawi Mindener Land zeigt, wie aufwendig der Anbau von regionalem Bio-Gemüse ist – und wie viel Handarbeit dahintersteckt.
Ruwen Hennecke bei der Arbeit auf der Fläche der Solawi. Foto: Jessica Höffner
Ruwen Hennecke bei der Arbeit auf der Fläche der Solawi. Foto: Jessica Höffner

Von Jessica Höffner

Friedewalde. Heiß ist es an diesem Vormittag. Nicht nur mitten auf der etwa einen Hektar großen Anbaufläche der Solidarischen Landwirtschaft Mindener Land (Solawi). „Hast du dich mit Sonnenschutz eingecremt und eine Kopfbedeckung dabei?“, sind die ersten Fragen, die Ruwen Hennecke (33) stellt. Nicht ohne Grund, denn während die Sonne schon am frühen Vormittag dafür sorgt, dass das Thermometer an der 30-Grad-Marke kratzt, begleiten wir den Solawi-Gärtner nicht nur bei seiner Arbeit, sondern packen im sechsten Teil unserer Serie „Der Praxistest – wir probieren es aus“ mit an.

Seit ein paar Monaten sorgt der 33-jährige Gärtner in Friedewalde dafür, dass alles wächst und gedeiht, damit die Solawi-Mitglieder, auch „Solawisten“ genannt, regelmäßig mit frischem Obst und Gemüse versorgt werden. „Auf der Fläche“ ist an diesem Vormittag auch Hermann Traue. Er ist nicht nur der Eigentümer der Anbaufläche, sondern packt auch kräftig mit an. Mit einer Handsense geht‘s heute dem Spitzkohl an den Kragen. Experte Ruwen Hennecke gibt Hermann Traue noch einen Erntetipp. Tipps – die brauche ich auch, als mir der 33-Jährige den Unkrautjäter in die Hand drückt. Denn auf den ersten Blick erkenne ich nicht, was hier das Beikraut ist, das entfernt werden soll. „Halb so wild“, sagt Ruwen Hennecke und erklärt mir nebenbei, was hier so wächst und gedeiht und was wann geerntet wird.

Ruwen Hennecke ist als Gärtner bei der Solawi Mindenerland angestellt.   Foto: Jessica Höffner
Ruwen Hennecke ist als Gärtner bei der Solawi Mindenerland angestellt. Foto: Jessica Höffner

Der Schweiß rinnt uns indes schon von der Stirn. Knapp 30 Grad sind es in Sonne. Ein kurzer Moment in der schattigen Lagerhalle sorgt für eine willkommene Abkühlung, ehe es mit zwei kleinen Plastikbehältern zu den Schwarzen Johannisbeeren geht. Auf dem Weg dorthin wird genascht. Zu verführerisch sind die knallroten Erdbeeren. „Irre, wie viele Johannisbeeren an nur einem Strauch hängen“, freut sich der 33-Jährige. Die Behältnisse sind schnell gefüllt. So wie die Körbe mit dem Spitzkohl, den Hermann Traue nur ein paar Meter weiter erntet. Noch nicht so weit sind die Frühkartoffeln. „Wir schauen mal. Du kannst einfach mit der Forke unter die Kartoffelpflanze gehen und sie anheben“, sagt Ruwen Hennecke. Ein kurzer Blick reicht dem Gärtner. „Noch sind sie zu klein. Ich denke, sie brauchen noch etwa zwei Wochen, bis wir sie ernten können“, sagt er. Das oberste Ziel des 33-Jährigen: „Um effizient zu arbeiten, müssen wir dafür sorgen, dass alles gut geplant ist und die Planung auch die Saison über eingehalten wird. Denn schließlich sollen die Solawisten das gesamte Jahr über mit frischen Lebensmitteln versorgt werden“. Die Auswahl ist riesig, als ich meinen Blick über die Fläche schweifen lasse. Zu entdecken gibt es hier vieles: Salate, Kohlrabi, Spitzkohl, Möhren, Erdbeeren, Kräuter wie Koriander und Dill wachsen unter freiem Himmel. Ein Dach über dem Kopf haben unter anderem die Gurken. Im Pflanztunnel fühlt es sich an wie in einer Sauna. Den Gurken ist es recht – sie wachsen besonders gut, wenn es warm ist. Beim Blick auf den Boden im Pflanztunnel stutze ich einen Moment. „Hier liegt Alpaka-Wolle, die wir von einer befreundeten Alpaka-Züchterin bekommen haben“, erklärt Ruwen Hennecke. Sie dient als Mulchschicht.

Unkraut entfernen statt Texte verfassen: Redakteurin Jessica Höffner. Foto: privat
Unkraut entfernen statt Texte verfassen: Redakteurin Jessica Höffner. Foto: privat

Nach nur knapp zwei Stunden auf der Fläche wird deutlich, warum das Konzept der Solawi hier seit Jahren funktioniert: Weil viele Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen – und weil hinter jeder Ernte eine enorme Menge Arbeit steckt. Ob bei brütender Hitze, Regen oder kühlen Temperaturen: Die Pflanzen warten nicht, und viele Aufgaben müssen zum richtigen Zeitpunkt erledigt werden, damit die Ernte gelingt. Gleichzeitig zeigt die Solawi, dass gesunder Lebensmittelanbau auch ohne chemische Hilfsmittel möglich ist. Stattdessen setzen die Verantwortlichen auf natürliche Lösungen, Kreativität und vorhandene Ressourcen – selbst Reste von Alpaka-Wolle finden hier noch eine sinnvolle Verwendung. Wer über die Fläche geht und mit anpackt, merkt schnell: Das frische Gemüse wächst nicht einfach von allein. Es ist das Ergebnis von Planung, Handarbeit und viel Engagement – Tag für Tag und bei jedem Wetter.

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