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Hausarztmangel: Samtgemeinde Uchte droht eine Unterversorgung

Der Samtgemeinde Uchte droht eine hausärztliche Unterversorgung. "Die Situation ist angespannt", sagt Samtgemeindebürgermeister Rüdiger Kaltofen. Diese Anreize sollen Ärzte aufs Land locken.
Die Samtgemeinde Uchte ist von einer hausärztlichen Unterversorgung bedroht. Symbolfoto: pixabay
Die Samtgemeinde Uchte ist von einer hausärztlichen Unterversorgung bedroht. Symbolfoto: pixabay

Uchte (jh). Der Samtgemeinde Uchte droht eine hausärztliche Unterversorgung. „Die Situation ist angespannt“, sagt auch Samtgemeindebürgermeister Rüdiger Kaltofen. In Abstimmung mit der Kassenärztlichen Vereinigung und der Lokalpolitik, versucht die Samtgemeinde, gute Rahmenbedingungen zu schaffen, um die Niederlassung „neuer“ Hausärzte zu ermöglichen – und attraktiv zu machen.

Der Hausärztemangel ist längst ein deutschlandweites Problem. Allein in Niedersachsen gibt es laut Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KVN) derzeit 577 freie Sitze. „Diese alle neu zu besetzen, ist eine große Herausforderung. Viele Ärzte werden zudem in absehbarer Zeit in den Ruhestand gehen. Dadurch wird das Problem weiter verschärft“, erklärt Lars Menz, stellvertretender Pressesprecher der KVN mit Sitz in Hannover. Ein weiteres Problem: junge Ärzte schätzen laut KVN eher das urbane Umfeld. „Die generellen Probleme des ländlichen Raumes, wie zum Beispiel fehlende Arbeitsplätze für die Partner oder schlechte Verkehrsanbindungen, betreffen auch den ärztlichen Nachwuchs“, so Lars Menz. Hinzu komme der Trend zur Teilzeit und der Wunsch nach einer größeren Work-Life-Balance. „All das reduziert die Arbeitszeit und vergrößert die Versorgungslücke“, so Menz weiter.

Junge Ärzte schätzen laut KVN eher das urbane Umfeld. Symbolfoto: pixabay
Junge Ärzte schätzen laut KVN eher das urbane Umfeld. Symbolfoto: pixabay

Die Situation in der Samtgemeinde Uchte, die planungstechnisch zu Stolzenau gehört, werde sich mit der Ende September geplanten Schließung der Praxis Stein weiter verschärfen. Die Zahl der praktizierenden Ärzte reduziert sich auf sechs (jeweils zwei in Uchte, Warmsen und Lavelsloh) – dem gegenüber stehen elf freie Kassenarztsitze. „Die KVN ist als originär zuständige Behörde jedoch zuversichtlich, dass die Schließung der Praxis Stein kompensiert werden kann“, erklärt Rüdiger Kaltofen auf Anfrage unserer Redaktion.

KVN fördert Niederlassungen

Um Ärzte „aufs Land“ zu locken, fördert die KVN die Niederlassung beispielsweise mit einem Investitionszuschuss oder auch einer Umsatzgarantie. Das bedeutet konkret: bis zu 60.000 Euro Förderung sind möglich; zudem eine Umsatzgarantie für acht Quartale. Bezahlt wird das von den Mitgliedsbeiträgen aller Vertragsärzte in Niedersachsen. „Und auch die Bereitschaftsdienstreform, die Ärzte von der Teilnahme am Fahrdienst befreit, macht eine Niederlassung in ländlichen Regionen attraktiver“, sagt KVN-Pressesprecher Lars Menz. Über die sogenannte „Landarztquote“ reserviert das Land Niedersachsen des Weiteren jährlich 60 Studienplätze für Bewerber, die sich verpflichten, nach der Ausbildung im ländlichen Raum tätig zu werden. „Darüber hinaus fördern auch viele Gemeinden und Kommunen die Niederlassung von Ärzten und lassen sich diverse Anreize einfallen, um die Zielgruppe anzulocken“, erklärt Lars Menz.

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Als individuell angepasste Rahmenbedingungen lassen sich die Anreize bezeichnen, die die Samtgemeinde bietet. „Nicht jeder Arzt möchte beispielsweise in der Kommune leben, in der auch arbeitet. Zudem sind eigene Niederlassungen teilweise nicht gewünscht, sondern eher eine Anstellung als Arzt“, so Rüdiger Kaltofen. Ein Beispiel dafür: das Ärztehaus „Vitaloh“ in Lavelsloh. Ob die Gründung eines kommunalen Versorgungszentrums auch an anderer Stelle umsetzbar sei, sei derzeit laut Samtgemeindebürgermeister Kaltofen in Prüfung. „Das ist aber auch vom Haushalt und somit der finanziellen Bedingungen abhängig“, erklärt Rüdiger Kaltofen. Für den Samtgemeindebürgermeister ist indes aber auch klar, dass „jeder Arzt letztlich für sich entscheidet, ob er sich hier niederlässt.“ Individuelle Rahmenbedingungen hin oder her.

Samtgemeindebürgermeister Rüdiger Kaltofen. Archiv: Krischi Meier
Samtgemeindebürgermeister Rüdiger Kaltofen. Archiv: Krischi Meier

Ärztliche Versorgung bleibt ein Dauerthema

Noch, so erläutert die KVN, liege der Versorgungsgrad im Planungsbereich bei 77,8. Von Unterversorgung spricht die Kassenärztliche Vereinigung, sobald der Versorgungsgrad unter 75 fällt. „Dann müsste die KVN einen Arzt etablieren, da sie den Sicherstellungsauftrag hat“, sagt Lars Menz.

„Die Situation der ärztlichen Versorgung ist und bleibt ein Dauerthema und ist ständig präsent“, erklärt Rüdiger Kaltofen. Der Samtgemeindebürgermeister sieht indes noch ganz andere Probleme: „Fachkräftemangel, zu viel Bürokratie und ein in meinen Augen längst überholter Numerus Clausus, um überhaupt ein Medizinstudium zu beginnen, haben in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass die ärztliche Versorgung gefährdet ist und eine Unterversorgung droht.“

Kurz und kompakt: Daten und Fakten auf einen Blick

  • Die Samtgemeinde Uchte gehört mit Blick auf die ärztliche Versorgung zum Planungsbereich Stolzenau
  • Sechs Hausärzte praktizieren in der Samtgemeinde Uchte
  • Elf freie Kassenarztsitze stehen in der Samtgemeinde zur Verfügung
  • Der Versorgungsgrad liegt derzeit bei 77,8 – fällt der unter 75, spricht die KVN von einer Unterversorgung
  • In Niedersachsen sind aktuell 577 Hausarztsitze nicht besetzt
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