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Im Hochsicherheits-Container: So funktioniert der Cannabis-Anbau in Landesbergen

Legaler Cannabis-Anbau in Landesbergen: So arbeitet der Cannabis Club Weser-Leine.
Der Grower des Clubs: Marc Adrian Lunn. Foto: Jessica Höffner
Der Grower des Clubs: Marc Adrian Lunn. Foto: Jessica Höffner

Von Jessica Höffner

Landesbergen. 224 Cannabis-Pflanzen stehen im Hochsicherheits-Container in Reih und Glied. Die Temperatur: konstante 27 Grad Celsius. Mit Ralf Heineking (63), Vorsitzender des Cannabis Club Weser-Leine, und Marc Adrian Lunn (39), Gründungsmitglied und Grower – also Anbauer – haben wir hinter die Kulissen des Anbaus geschaut. Und mit dem Duo über Vorurteile, Klischees und die Club-Community gesprochen.

In Landesbergen steht der Container in einer Scheune, die rund um die Uhr durch unzählige Kameras überwacht wird und mit dicken Schlössern und Riegeln gesichert ist. Es ist der vierte Anbau, der hier gerade darauf wartet, geerntet zu werden. „Etwa zweieinhalb Monate brauchen die Stecklinge, ehe sie bereit für die Ernte sind“, erklärt Marc Adrian Lunn. Elf bis 22 Kilogramm erwarten Heineking und Lunn von den 224 Cannabis-Pflanzen – vier Sorten Gras, eine Sorte Haschisch. Ob sie selbst konsumieren? „Ich kann nichts an unsere Mitglieder abgeben, was ich selbst nicht kenne. Ja, ich bin Konsument, aber nur hin und wieder. Für mich bedeutet das Entspannung – so wie für andere das Feierabendbier am Freitag“, sagt Marc Adrian Lunn. Ralf Heineking hat das Cannabisrauchen in den vergangenen sechs Monaten zwei Mal ausprobiert. „In den Alltag integriert habe ich es also nicht“, sagt Heineking. Zwischen dem zweimaligen Konsum und seinem ersten Kontakt mit Cannabis liegen mehrere Jahrzehnte. Im Alter von 16 Jahren habe er das mal ausprobiert. In Amerika, auf der Rückbank eines Cadillac.

Der Club-Vorsitzende Ralf Heineking. Foto: Jessica Höffner
Der Club-Vorsitzende Ralf Heineking. Foto: Jessica Höffner

Und warum setzt der ehemalige Geschäftsführer des Heineking-Fachmarktes für Raumgestaltung ausgerechnet auf den Anbau von Cannabis? „Das ist eine spannende Frage – aber auf die gibt es auch eine einfache Antwort“, sagt Heineking. Nach der Übergabe der Geschäftsführung an seine Söhne war Heineking quasi raus aus dem „aktiven Leben“. Und mit der Cannabislegalisierung im Jahr 2024 reifte bei ihm und im Freundeskreis die Idee einer Clubgründung. Gemeinsam mit Jobst Pingel und Wilfried Morische wurde aus der Idee Realität. „Die ersten Clubs sind durch die Decke gegangen und haben die maximale Mitgliederzahl von 500 praktisch von heute auf morgen erreicht“, so Ralf Heineking. Die Idee des CSC Weser-Leine: „Wenn wir es effizient gestalten, bleibt sogar was dabei hängen“, erklärt der Vorsitzende. Von der 500er-Marke ist der Club noch weit entfernt. Etwa 150 Mitglieder zählt der Club derzeit, das Mindestalter liegt bei 21 Jahren, 50 Prozent der Mitglieder sind weiblich. Dennoch blickt Ralf Heineking mit einem positiven Gefühl auf das erste Jahr zurück. „Wir haben viel gelernt, Prozesse aufgebaut, Verantwortung übernommen und uns Schritt für Schritt professionalisiert. Besonders wichtig war uns von Anfang an ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Thema Cannabis – transparent, kontrolliert und im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben“, sagt Heineking. Vorurteile gab es dennoch. „Auch innerhalb der Familie“, sagt Ralf Heineking. Die Sorge, das Ansehen der Firma Heineking werde gefährdet, keimte auf. „Die Clubgründung wurde also sehr kritisch gesehen. Und wenn mir meine Frau erzählt, dass sich jemand zurückgezogen hat oder beim Einkaufen nicht mehr grüßt, könnte das der Grund sein“, so der Vorsitzende. Aber Heineking sagt auch: „Wir stehen heute noch mehr hinter dem Club und der Community, als zu Beginn der Gründung. Ich mag die Menschen. Insbesondere auch deshalb, weil sie einen Querschnitt der Gesellschaft abbilden und weit entfernt vom oft zitierten Kiffer-Klischee sind.“ Die Behauptung, Cannabis sei eine Einstiegsdroge für härtere Drogen, lässt Marc Adrian Lunn nicht so stehen. „Wenn ich damit konfrontiert werde, frage ich zunächst, ob die Person vorher nie geraucht, nie Alkohol getrunken hat“, sagt der 39-Jährige. Auch wenn der Konsum von Alkohol gesellschaftlich anerkannt sei – „Es ist eine Droge, die das zentrale Nervensystem beeinflusst“, sagt der Grower des Clubs.

224 Cannabis-Pflanzen stehen im Hochsicherheitscontainer. Foto: Jessica Höffner
224 Cannabis-Pflanzen stehen im Hochsicherheitscontainer. Foto: Jessica Höffner

Die Maxime des Clubs sei es, „alles transparent zu gestalten und qualitativ hochwertiges Cannabis anzubauen“. „Das ist ein deutlicher Unterschied zu unkontrollierten Angeboten auf der Straße oder anonymen Bezugsquellen“, machen Heineking und Lunn deutlich. „Denn der Dealer fragt nicht nach einem Personalausweis“, sagt Marc Adrian Lunn. „Wir wollen weiter wachsen“, lautet das kurzfristige Ziel des Clubs. Denkbar, so sagt Heineking, seien neben der Ausgabestelle in Nienburg weitere Ausgabestellen. „Finden sich Clubmitglieder, die im Südkreis oder auch im Raum Petershagen leben, wäre es denkbar, auch dort Ausgabestellen zu installieren“, sagt Ralf Heineking. Konkret seien die Planungen (noch) nicht. Aber für die Zukunft eine Option.
Hintergrund: Seit dem 1. April 2024 ist das neue Cannabisgesetz (CanG) in Kraft. Damit sind der Konsum für Erwachsene sowie der Besitz (bis 25 g in der Öffentlichkeit und bis 50 g in der Wohnung) erlaubt. Darüber hinaus ist der priEigenanbau mit bis zu drei Pflanzen für den Eigenkonsum zulässig.

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