Mittwoch, 9. September 2026

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Algenteppich auf der Grube Baltus: Was jetzt mit dem Kiesteich bei Windheim geplant ist

Die Grube Baltus bei Windheim ist derzeit von starkem Algenwachstum geprägt. Gleichzeitig ist der ehemalige Kiesteich ein wichtiger Lebensraum für zahlreiche Wasservögel. Das WSA Weser plant deshalb die Anbindung an die Weser – doch die Umsetzung lässt noch auf sich warten.
Bei der Grube Baltus handelt es sich um eine ehemalige Abgrabung, in der schon in den 1960er Jahren Kies und Sand abgebaut wurde.
Bei der Grube Baltus handelt es sich um eine ehemalige Abgrabung, in der schon in den 1960er Jahren Kies und Sand abgebaut wurde.

Petershagen (ddm). Zu den Modellprojekten des „Blauen Bandes Deutschland“ der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV), mit denen die ökologische Entwicklung an Bundeswasserstraßen gefördert werden soll, gehören auch vier Projekte im Bereich der Stadt Petershagen. Zwei davon, oberhalb des Stauwehrs Schlüsselburg und am Weserbogen in Höhe Jössen gelegen, sind bereits umgesetzt. Noch in der Umsetzungsplanung sind die Schaffung eines neuen Seitenarms der Weser im Bereich der Windheimer Marsch sowie die Anbindung eines Kiesteiches nördlich von Windheim an die Weser.

Bei der Grube Baltus (Foto) handelt es sich um eine ehemalige Abgrabung, in der schon in den 1960er Jahren Kies und Sand abgebaut wurde. 1986 ist der in Höhe der Einmündung des Schleusenkanals in die Weser gelegene Bereich vom Kreis Minden-Lübbecke als Naturschutzgebiet ausgewiesen worden. 2011 erfolgte eine aktualisierte Neuausweisung.
Um das Gewässer naturschutzfachlich aufzuwerten, möchte die WSV den Kiesteich durch Anschlussrinnen mit der Weser vernetzen und Teile des abgegrabenen Bodens für die Bildung neuer Flachwasserzonen nutzen. Durch die daraus resultierende größere Wasserdynamik soll die Vielfalt in dem episodisch überschwemmten Bereich gefördert werden.

Der Petershäger Anzeiger hat beim WSA Weser einmal nach dem Planungsstand gefragt. Angesprochen wurde dabei auch der aktuelle Algenteppich auf dem Teich. Hier die Infos aus dem WSA:

Gibt es schon einen konkreten Zeitplan für die Umsetzung der Planung?
Das WSA Weser arbeitet, trotz stark verringerter personeller Kapazitäten, verstärkt daran, die für die Planfeststellung erforderlichen Unterlagen zusammenzustellen.

Hätte die Anbindung des Kiesteiches an die Weser Auswirkungen auf die Höhe des Grundwasserspiegel in der Häverner Marsch?
Aufgrund der Stauhaltung der Mittelweser wird der langjährige Wasserstand bei mittleren Niedrigwasserabflüssen (MNQ) nicht deutlich geringer ausfallen als bisher beobachtete langjährige Wasserstände bei MNQ. Somit ist die dauerhafte Anbindung der Grube an die Weser gesichert. Der Wasserstand in der Grube Baltus ist aufgrund der Verbindung durch den Grundwasserleiter bereits jetzt nahezu identisch zum Wasserstand in der Weser, sodass hier keine Verschlechterung stattfindet. Die zu erwartenden Wasserspiegel wurden durch die Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) überprüft, negative Entwicklungen sind nicht zu erwarten.

Aktuelle Fotos der Grube zeigen einen erheblichen Algenteppich. Sind diese Verhältnisse bekannt?
Der Zustand der Grube Baltus bei längerer Trockenheit ist dem WSA bekannt. Die dort vorherrschenden Zustände sind typisch für flach geschichtete Stillgewässer. Die Anbindung an die Weser wird voraussichtlich zu einer Verbesserung der Situation führen. Durch die Durchströmung werden Sauerstoffgehalt und Wassertemperatur positiv beeinflusst, die Eutrophierung des Gewässers vermieden und somit der aktuelle Zustand voraussichtlich nicht entstehen. Entsprechend stünde die Grube den Lebewesen im Naturschutzgebiet auch in Trockenperioden als wertvoller Lebensraum zur Verfügung, negative Auswirkungen auf die Weser ergeben sich durch den regelmäßigen Wasseraustausch auch nicht.“

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Zu dem Algenvorkommen in der Grube Baltus haben wir auch die Biologische Station Minden-Lübbecke um Informationen gebeten. Hier die ausführliche Erläuterung von Daniel Grüning (stellvertretender Leiter der Bio-Station):

„Die Grube Baltus ist im Vergleich zu vielen anderen ehemaligen Kiesgruben in Petershagen relativ flach. Bei Mittelwasserlage ist die Grube an den tiefsten Stellen nur etwa 2,50 Meter tief. Bei extremer Niedrigwasserlage, wie aktuell, ist das Gewässer nochmal deutlich flacher und an vielen Stellen nur noch 10 bis 50 Zentimeter tief. An vielen Stellen fällt das Gewässer bereits trocken. Die hohe Sonnen­einstrahlung und eine fehlende Beschattung von Süden führen zu einer starken sommerlichen Erwärmung des Wassers in der Grube.
Die Grube Baltus ist gleichzeitig ein bedeutsamer Lebensraum für viele Wasservogelarten. Im Sommer profitieren viele Entenarten und Gänse von der geschützten, abgelegenen Lage des Gewässers. Beispielsweise mausern hunderte Schnatterenten dort ihr Gefieder. Für Gänse und Schwäne ist die Grube ein wichtiges Schlafgewässer, da sie dort vor Fressfeinden, wie dem Fuchs, sicher sind. Im Winter rasten tausende von Blässgänsen im Vogelschutzgebiet Weseraue und einige nutzen auch die Grube Baltus als Schlafgewässer und zum Trinken. Zur Brutzeit nutzt eine Vielzahl an Vogelarten die Grube zur Fortpflanzung. Die hohe Dichte an Wasservögeln führt zu einem hohen Nährstoffeintrag in das Gewässer. Gleichzeitig fehlt ein regelmäßiger Wasseraustausch. Nur bei höheren Abflüssen der Weser wird die Grube Baltus von der Weser angeströmt.

Luftbild Kreis Minden-Lübbecke
Luftbild Kreis Minden-Lübbecke

Diese Faktoren begünstigen das aktuell übermäßige Algenwachstum in dem Gewässer. Bei den Algen handelt es sich vor allem um Grünalgen der Gattungen Cladophora und Zygnema, aber auch das Wassernetz (Hydrodictyon reticulatum), eine weitere Grünalge, breitet sich im flachen Wasser der Grube stark aus. Im Spätsommer kann es, wie in der Vergangenheit bereits beobachtet, zu einer Ausbreitung von Cyanobakterienkommen. Diese Bakterien bilden einen bläulichen Wasserfilm an der Oberfläche und werden daher umgangssprachlich auch als Blaualgen bezeichnet.“

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