Annalena trifft… Dirk Breves, Bürgermeister von Petershagen

Gut ein Jahr ist es her, dass Dirk Breves bei der Kommunalwahl im September 2020 als Kandidat der CDU zum Bürgermeister der Stadt Petershagen gewählt worden ist. Zuvor war Breves bereits 11 Jahre lang als Kämmerer und Allgemeiner Vertreter seines Vorgängers Dieter Blume auf der Leitungsebene in der Stadtverwaltung tätig. Der Petershäger Anzeiger hat den Bürgermeister einmal nach seinen Erfahrungen in der neuen Funktion befragt.

Bevor Sie Bürgermeister wurden, waren Sie als Kämmerer für die Finanzen der Stadt verantwortlich. Haben Sie nun eine gegensätzliche Rolle eingenommen?

In der Tat ist meine Rolle nun eine etwas andere. Aber ich würde hier nicht von einem Gegensatz sprechen. Als Kämmerer und Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters war ich ja in den letzten Jahren bereits in alle wesentlichen Dinge eingebunden. Der Unterschied ist, dass man als Bürgermeister noch stärker im Fokus steht, dass man die Gesamtverantwortung für die Verwaltung trägt und selbst vorangehen muss. Das ist herausfordernder, aber natürlich auch spannender. 

 Was unterscheidet Sie von Ihrem Vorgänger Dieter Blume?

Ein Unterschied ist sicher meine Art der Zusammenarbeit mit der Politik. Ich habe ein hohes Interesse daran, wirklich alle mitzunehmen und führe lieber ein Gespräch mehr vor einer Entscheidung, wenn das aus meiner Sicht nötig ist. Auch wenn ich eigentlich gerne schnell zu Lösungen komme, ist schnell nicht immer der beste Weg. Das Ergebnis zählt. Ich finde es wichtig, dass wir über die Parteigrenzen hinweg die Köpfe zusammenstecken und gemeinsam an Lösungen arbeiten. Die Bereitschaft dazu ist nach meinem Eindruck auf allen Seiten vorhanden. Das freut mich.

Bisher hat man Sie noch nicht so viel in der Öffentlichkeit erlebt. Woran liegt das?

Das ist natürlich der Corona-Pandemie geschuldet. Es haben schlichtweg nur sehr wenige Veranstaltungen stattgefunden, bei denen ich präsent sein konnte. Erst in letzter Zeit können wieder mehr Veranstaltungen stattfinden, wie zum Beispiel die Eröffnung des Deutschen Mühlentages in Heimsen oder die Veranstaltung 50 Jahre Frille vereint. Ich hoffe, dass es bei dieser Entwicklung bleibt und wir langsam, aber sicher zur Normalität zurückkehren können.

Petershagen hat nicht nur einen neuen Verwaltungschef bekommen, auch im Stadtrat hat sich einiges geändert. Wie ist aktuell die Beziehung zwischen Politik und Verwaltung?

Aus meiner Sicht so, wie es sein sollte. Ich finde, wir haben ein vertrauensvolles und konstruktives Verhältnis. Die Zusammenarbeit funktioniert aktuell prima. Mit den Fraktionsspitzen sitzen wir sehr häufig zusammen, nicht wie früher nur alle zwei Monate, sondern jetzt alle 14 Tage, Corona bedingt oft auch in Videokonferenzen. Mir persönlich ist es wichtig, einen kurzen Draht in die Politik zu haben und einen engen Austausch zu pflegen. Dass wir an einem Strang ziehen, sieht man an den bisherigen einstimmigen Beschlüssen. Wir alle wollen Petershagen voranbringen und das ist uns bisher gut gelungen. Das ist unser aller Verdienst.

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Was haben Sie schon alles erreicht?

Bisher hatten wir fünf Ratssitzungen und ich finde, dass wir schon einiges in Gang gebracht haben. Das ist zunächst einmal das Thema Digitalisierung. Der Breitbandausbau geht voran, wenn auch etwas schleppend. Aber bis Ende 2022 sollen alle weißen Flecken ausgebaut sein. Und auch eine zeitgemäße Digitalausstattung der Schulen haben wir bereits in die Wege geleitet. 

Ein weiteres wichtiges Thema ist der Verbesserumg des ÖPNV. Zum 1. Februar 2022 erhalten alle Schülerinnen und Schüler das sog. SchülerTicket Westfalen, mit dem man im gesamten Westfalen mit Bus und Bahn mobil sein kann. Aktuell beschäftigen wir uns aber auch mit der Frage, wie die Mobilitätswende hier im ländlichen Bereich gelingen kann. 

Zudem wollen wir Petershagen attraktiver machen. Im nächsten Jahr steht der Neubau der Mehrzweckhalle in Lahde an, für den wir eine Fördersumme von 8,4 Mio. Euro erhalten. Weitere Fördermittel haben wir für Konzepte zur Stärkung unserer Zentren in Petershagen und Lahde eingeworben. Außerdem haben wir aktuell drei kleinere Wohnbaugebiete in Petershagen und Lahde ausgewiesen. Zudem investieren weiter in unsere Schulen. Nach Fertigstellung des naturwissenschaftlichen Trakts am Gymnasium entsteht aktuell ein Anbau für den Offenen Ganztag an der Grundschule in Frille.

Wie würden Sie die Beziehung der Verwaltung zu den Ortschaften beschreiben?

Wir haben einen sehr guten und kurzen Draht zu allen Ortsbürgermeisterinnen und Ortsbürgermeistern, die quasi unser verlängerter Arm in den 29 Ortschaften sind. Mit dem im Jahr 2017 beschlossenen Integrierten Kommunalen Entwicklungskonzept, kurz: IKEK, haben wir in den letzten Jahren auch in unseren kleineren Ortschaften viele Projekte umsetzen können. Trotzdem lässt es sich bei 29 Ortschaften nicht vermeiden, dass hier und da auch mal Erwartungen enttäuscht und nicht alle Wünsche realisiert werden können. Gemeinsam mit den Akteuren vor Ort suchen wie aber Wege und unterstützen sie nach Kräften.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Es gibt nach wie vor viel zu tun. Mein Ziel ist es, dass schnellstmöglich alle Haushalte, Betriebe und Schulen einen Glasfaseranschluss bekommen. Auch im Bereich Klimaschutz wollen und müssen wir unseren Beitrag leisten. Dafür brauchen wir einen „Kümmerer“; den oder die wollen wir Anfang nächsten Jahres mit Fördermitteln einstellen. Außerdem wollen wir gemeinsamen mit unseren örtlichen Leistungsträgern ein neues Tourismuskonzept entwickeln. Der Weserradweg ist einer der beliebtesten Radwege Deutschlands und wird von Einheimischen und Touristen gleichermaßen genutzt. Auch die Zahl der  Wohnmobilisten steigt. Ausgelöst durch Corona zieht es die Menschen verstärkt in die Natur. Das Landleben ist beliebt wie lange nicht. Hier müssen wir unsere Potenziale noch stärker nutzen.

Grußworte von Dirk Breves beim Mühlentag in Heimsen. Fotos: Dietmar Meier

Ein Jahr im Amt – Die Sicht der Parteien

Die CDU-Fraktion ist mit der bisherigen Arbeit von Dirk Breves als Bürgermeister äußerst zufrieden – wie auch bereits in seiner Tätigkeit als Kämmerer. Sein Bestreben ist, alle politischen Vertreter von den Entscheidungsvorschlägen der Verwaltung zu überzeugen und möglichst zu einstimmigen Abstimmungen zu kommen. Beeindruckend sind sein Wissen und seine Kenntnisse in den verschiedenen Themenfeldern, sodass sachgerechte und zielorientierte Diskussionen zwischen Bürgermeister/Verwaltung einerseits und Politik andererseits gegeben sind. Seine Stärke ist die Kommunikation mit dem Gegenüber, da es ihm gelingt, selbst komplexe Sachverhalte verständlich herüberzubringen. Für die künftige Entwicklung Petershagens als eine Stadt hat er weitreichende Ideen und Pläne, für deren Umsetzung es sowohl in der Bevölkerung wie auch in Politik viel Überzeugungskraft bedarf, da Weserseitendenken wie auch ortsteilbezogene Interessen leider bei einigen noch im Vordergrund stehen. Hier einen entscheidenden Schritt voranzukommen traut die CDU-Fraktion Dirk Breves als Bürgermeister zu.

Hermann Humcke, Fraktionsvorsitzender CDU

 

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger ist die Stadt Petershagen die Heimat von Dirk Breves. Zudem kennt er sie durch seine langjährige Verwaltungstätigkeit wie seine „Westentasche“. Schon als Kämmerer stand er unserer Fraktion in zahlreichen Fraktionssitzungen und auch in Einzelgesprächen bei allen Fragen mit seiner hervorragenden Fachkompetenz stets beratend zur Verfügung. Dieser für uns sehr konstruktiven Linie ist er auch als neuer Bürgermeister im ersten Jahr seiner Amtszeit treu geblieben. Bei alledem versucht Dirk Breves im frühzeitigen Dialog mit den im Rat vertretenen Fraktionen einen unseres Erachtens vorbildlichen Informationsfluss zwischen Verwaltung und Politik herzustellen und dabei die Zukunftsthemen anzusprechen, um dann möglichst einvernehmliche Lösungen in die Fachausschüsse und den Rat zur finalen Abstimmung zu bringen. So genießt Dirk Breves das uneingeschränkte Vertrauen unserer Fraktion in seiner neuen Aufgabe als hauptamtlicher Bürgermeister.

Günter Wehmeyer, Fraktionsvorsitzender FDP

 

Nach einem Jahr mit Bürgermeister Dirk Breves können Bündnis90/Die Grünen einen allgemein positiven Eindruck attestieren. Sein Wahlversprechen, ein Bürgermeister für alle Bürgerinnen und Bürger jeglicher politischer Gesinnung zu sein, hat er bisher uneingeschränkt gehalten. Bündnis90/Die Grünen begrüßen natürlich auch insbesondere die Maßnahmen, die aktiv im Bereich Klimaschutz getroffen werden, wodurch Dirk Breves Aussage, er sei hin und wieder auch mal „ein bisschen grün“, unterstrichen wird. Unserem Eindruck nach hat er immer ein offenes Ohr für die Belange, die über die Bürgerinnen und Bürger und die politischen Parteien an ihn herangetragen werden. Dazu geht er sehr souverän mit oft komplizierten Sachverhalten um. Bündnis 90/ Die Grünen haben sich im Wahlkampf offen für Dirk Breves als Bürgermeister ausgesprochen – zu Recht, wie das Resümee des ersten Jahres zeigt. Der Plan „vom Kämmerer zum Kümmerer“ ist damit aufgegangen. Wir sind zufrieden, weiter so!

Günter Hahn, Fraktionsvorsitzender Bündnis90/Die Grünen

 

Dirk Breves zeigt auf Grund seiner jahrzehntelangen Tätigkeiten in der Verwaltung und in der Kämmerei in allen Bereichen eine hohe fachliche Kompetenz. Er ist stets bemüht, die Inhalte, Vorgänge und Vorlagen sachlich und sehr genau zu erklären. Sehr große Aufgabenfelder mit Stadtplanung, Neue Mitte, ISEK und IKEK, Bau von Feuerwehrgerätehäusern, Hochwasserschutz etc. liegen vor ihm und der Verwaltung. In diesen Bereichen wird er sich in den nächsten Jahren zusammen mit Politik und Bürgern bewähren müssen. Auf Grund seiner rhetorischen Fähigkeiten kann er die Themeninhalte den einzelnen Gremien verständlich vermitteln, jedoch könnte er manchmal weniger umschweifend zum Ziel kommen. Er zeigte im ersten Jahr seiner Bürgermeistertätigkeit viel Präsenz, er könnte zukünftig noch mehr Vorträge an die Verantwortlichen übertragen. Die Zusammenarbeit mit der SPD-Fraktion zeigt gute Ergebnisse, das meinungsfördernde und gute Miteinander mit den Gremien und auch mit anderen Fraktionen stellt er über seine eigene Person als Bürgermeister und ist ihm wichtig.

Friedrich Lange, Fraktionsvorsitzender SPD

 

Da Herr Breves erst seit einem Jahr in dieser Funktion ist, wird er sicherlich immer noch mit seinen Aufgaben wachsen. Herr Breves ist als Bürgermeister stets geradlinig und stark in seiner Persönlichkeit, souverän und sachlich in seinem Auftreten und im Umgang mit allen Ratsmitgliedern immer höflich. Diese Eigenschaften machen ihn sympathisch. Herr Breves hat Visionen und möchte Veränderungen für die Stadt Petershagen, die nicht nur das Stadtbild attraktiver werden lassen sollen, sondern auch für die Bürger der Stadt einen großen Nutzen haben. Dies ist sehr lobenswert. Ob diese Visionen umsetzbar sind und die Veränderungen den Bürgern nutzen bzw. gefallen werden, wird sich in der Zukunft zeigen. Wünschenswert wäre es auf jeden Fall. Was ich mir für die Bürger der Stadt Petershagen noch wünschen würde, wäre eine bessere Kommunikation mit den Bürgern und mehr Bürgerbeteiligung, wenn es um große Projekte der Stadt Petershagen geht. Der Bürger sollte mitentscheiden dürfen, denn nur so wird Demokratie lebendig.

Lydia Behnke, Mitglied des Stadtrates AfD