Fotos: Dietmar Meier

Annalena trifft.. Uwe Rode – Leiter des WSA-Außenbezirks Windheim

Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Weser ist eine Bundesbehörde. Die Ämter, Außenbezirke und Bauhöfe sind der Generaldirektion für Wasserstraßen und Schifffahrt (GDWS in Bonn) sowie weiteren Ober-Behörden unterstellt. Im letzten Jahr wurden die bundesweit 39 Ämter zu 17 Groß-Ämter zusammengefasst. Uwe Rode leitet seit 20 Jahren den Außenbezirk Windheim des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Weser. So heißt es offiziell seit Februar 2020. (Davor: Wasser- und Schifffahrtsamt Verden) Sein Revier liegt im Bereich der Mittelweser (Minden bis Bremen) vom Weserkilometer 204,471 (Minden) bis Weserkilometer  250,5 (Landesbergen).

Dieses Gebiet umfasst die Wehre in Petershagen und Schlüsselburg. Hier kümmern sich er und sein Team, das zudem aus der Verwaltung, Wasserbauern sowie einem Meister und Vertreter besteht, um einen funktionierenden Schiffsverkehr. Zuvor war er bereits 13 Jahre lang Außenbeamter im ABz Blexen (bei Nordenham) tätig. Sein Beruf als Bauingenieur liegt ihm sozusagen in den Genen. Bereits sein Vater und auch sein Großvater arbeiteten als Wasserbauer für den Außenbezirk in Stolzenau, seiner Heimat. 

Was genau machen Sie? 

Wir sorgen für die Sicherheit und Leichtigkeit des Schiffsverkehrs. Damit sind wir für alle schiffbaren Flüsse mit den dazu gehörigen Anlagen wie den Schleusen und Wehren innerhalb unseres Revieres zuständig. Wir kümmern uns um die Planung und Durchführung von Unterhaltungsbaumaßnahmen.

Dafür besprechen wir uns mit den anderen Behörden, planen, organisieren. Einmal im Jahr findet die Vorausplanung für das ganze Jahr statt. Zudem trifft sich unser Team wöchentlich, um den Wochenplan zu besprechen. Das interessante an dieser Arbeit ist allerdings, dass man nicht alles vorausplanen kann. Denn unsere Arbeit ist vom Wetter und im Besonderen natürlich vom Wasser abhängig. Dabei gibt es immer wieder Überraschungen. Zum Beispiel, als neulich in Stolzenau ein Schiff quer lag.

Was machen Sie, wenn ein Schiff quer liegt?

Der erste Schritt ist viel zu telefonieren. Ich informiere meine Kollegen von der Leit- und Betriebszentrale in Minden, das WSA Weser in Verden und den Bauhof Hoya. Wir treffen uns vor Ort und entscheiden über unser Vorgehen. Um ein Schiff wieder auf Kurs zu bringen, brauchen wir erstmal zwei Dinge: Einen Schwimmbagger oder eine Fähre mit Bagger mit dem nötigen Personal. In diesem Fall war der Schwimmbagger nicht einsatzfähig und die Fähre lag in Bremen. Das bedeutete sieben Stunden Fahrt, bis sie nach Stolzenau kommen würde.  Da es bereits dunkel wurde, mussten wir in Stolzenau zudem das THW und die Feuerwehr einschalten, die für Licht sorgten.

Wie kann es überhaupt passieren, dass ein Schiff sich unbemerkt quer dreht?

Das kann schon mal passieren, wenn der Schiffsführer nicht ortskundig ist. Wenn dieser nur wenige Sekunden nicht Acht gibt, kann sich das Schiff durch die Strömung der Weser drehen. Wenn man es merkt, dann ist es in der Regel bereits zu spät. Dass sich ein Schiff querlegt, klingt vielleicht harmlos, es kann allerdings massive Auswirkungen haben. Je länger es quer zur Strömung liegt, desto größer die Gefahr, dass es auseinanderbricht. In dem Fall würden die Trümmer also in der Weser landen. Bei dem Vorfall in Stolzenau hätte das Schiff der Strömung nur noch wenige Stunden standhalten können. Leider wird die Rettungsaktion manchmal erheblich erschwert, weil die Schiffsführer kein Deutsch sprechen oder verstehen können. Eine Tatsache, auf die wir die Behörden immer wieder hinweisen.

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Welche Probleme gibt es heutzutage bei der Schifffahrt?

Das Hauptproblem, das wir aus vielen anderen Bereichen kennen, ist die Trockenheit. Oft stellen die niedrigen Wasserstände in den Flüssen eine Behinderung für den Sportbootverkehr dar. Momentan liegen die Wasserfüllstände in einem guten Bereich, aber es handelt sich um ein langjähriges Problem. Die Talsperren erreichten in den letzten Jahren teilweise Wasserfüllstände von unter 20 Prozent! Wir setzen für einen gefahrlos funktionierenden Sportbootverkehr mindestens 40 Prozent Füllstand voraus. Bei anhaltender Trockenheit wird diese Grenze schon mal unterboten. Auswirkungen für die Binnenschifffahrt im Bereich der Mittelweser gibt es bisher zum Glück noch nicht.

Was passiert eigentlich gerade mit dem Stauwehr in Petershagen?

Das Stauwehr zwischen Lahde und Petershagen wurde in den 1950er Jahren erbaut und seither nicht Grund instandgesetzt. Nun ist es also an der Zeit, eine entsprechende Grundinstandsetzung durchzuführen. Anfang Mai diesen Jahres wurde der rund 100 Tonnen schwere Verschlusskörper des mittleren Wehrfeldes mit einem riesigen Kran herausgehoben. Jetzt wird der Stahlkörper untersucht und Teile wie Lager, Nietenverbindungen und Dichtungen werden ausgetauscht. Geplant ist, dass der Verschlusskörper bis Oktober wieder eingesetzt wird. Im nächsten Jahr folgt das zweite Segment des Stauwehres, dann das dritte. Ebenso folgen die anderen Wehre an der Mittelweser. Für uns ist das eine ganz neue Situation. Die Wehre in unserer Gegend werden zum ersten Mal Grund instandgesetzt. Dann sollten sie für bis zu 20 Jahre im Wehr verbleiben können, ohne, dass eine Reparatur nötig ist. Es handelt sich gerade also um eine sehr spannende Zeit. Was man aktuell am Stauwehr sehen kann, wird man ab Oktober für die nächsten 20 Jahre vermutlich nicht mehr sehen können.