„Pollergate ist für mich kein Thema mehr“

Im Gespräch mit Quetzens neuem Ortsbürgermeister Marvin Waidmann

Quetzen. Am 2. November erhielt Marvin Waidmann seine Ernennungsurkunde zum Ortsbürgermeister von Quetzen. Wir haben den 35-jährigen nach seinen Intentionen gefragt.

Marvin Waidmann

Was hat Sie motiviert, das Amt des Ortsbürgermeisters in Quetzen zu übernehmen? 

Gleich nach dem Rücktritt von Friedhelm Bischoff im April bin ich von verschiedenen Seiten angesprochen worden. Zu dem Zeitpunkt war meine Antwort: „erstmal nicht, ich brauche Bedenkzeit“, u.a., weil ich durch meinen Arbeitsplatz in Hannover nur selten zu den normalen Dienstzeiten der Verwaltung hier präsent sein. In der folgenden Zeit habe ich intensiv mit meinem Vorgänger geredet, dazu kam unheimlich viel Zuspruch aus der Bevölkerung. Wahrscheinlich habe ich auch ein passendes Gen mitbekommen, denn auch die Arbeit in der Kulturgemeinschaft macht mir viel Spaß, so dass ich mich dann vor ca. 6 Wochen zur Übernahme des Amtes entschlossen habe.

Wie ist der Zusammenhalt in der Ortschaft Quetzen?

Hervorragend, das zeigen zum Beispiel die Feste in der Ortschaft. Die Organisation funktioniert einfach, auch zwischen den Vereinen. Allerbestes Beispiel war das Stadtfeuerwehrtreffen. Unsere Löschgruppe mit etwa 15 Aktiven hätte das alleine nicht stemmen können. Über die Kulturgemeinschaft wurden dafür auch Leute aus anderen Vereinen aktiviert. Oft genug gibt es auch praktische Unterstützung durch Leute, die keinem Verein angehören. Man muß sie nur konkret ansprechen.

Sind die Poller noch ein Thema in Quetzen?

Die Pollergeschichte hat wirklich Spuren im Dorf hinterlassen. Man wird immer wieder mal auf das Thema angesprochen. In diesem Fall hat die Kommunikation mit der Verwaltung einfach nicht funktioniert. Ich persönlich lasse das hinter mir. Die Poller sind jetzt da und werden irgendwann verfaulen. Aber es sitzt in den Köpfen der Bürger fest und ich bin mir bewusst, dass ich – jetzt als Schnittstelle zur Verwaltung – das Thema in den nächsten Jahren auch immer mal wieder noch mit ausbaden muß. Ich hoffe, dass ich selbst als Ortsbürgermeister niemals in so eine Situation komme, in der die Kluft zwischen den Bürgern und der Verwaltung so tief ist.

Wo sehen Sie für sich und die Ortschaft die größten Herausforderungen in der näheren Zukunft ?

Eine große Herausforderung ist auf jeden Fall das weitere Vorgehen in Sachen Birkenkampschule. Da sind wir auch in der Kulturgemeinschaft noch am Anfang der Meinungsbil-dung. Aus meiner Sicht ist erstmal zu klären, was die Bürgerschaft möchte. Vielfach ist der Wunsch zu hören, die Schule müßte der Öffent-lichkeit zugänglich gemacht wer den, aber ohne dass derzeit wirklich konkrete Ideen genannt werden. Wenn man etwas in dieser Richtung macht, wird das ein hohes ehrenamtliches Engagement erfordern. Die örtlichen Vereine sind aber auch jetzt schon stark gefordert. Dazu gehört neben den Veranstaltungen u.a. auch die Pflege des Dorfplatzes, die auch ehrenamtlich erfolgt. Insofern möchte ich das Thema erstmal über die Kulturgemein-schaft in die Bevölkerung tragen.Und dann lasse ich mich überraschen, was die Verwaltung noch für Überraschungen bereit hält. Ich denke beispielsweise an die Ratsbeschlüsse zu den Themen Wirtschaftswegekonzept oder Schließung von Kapellen, die ein Ortsbürgermeister vor Ort zu vertreten hat. Und darüberhinaus heißt die wichtigste Aufgabe: die Ortschaft „ einfach am Laufen“ halten.

Text: Dietmar Meier, Fotos: Dietmar Meier (1), Natalia Sczcepanska (1)