Ernte und Dank – Ein Jahr auf dem Bauernhof

Petershagen. Bei Redaktionsschluss haben wir unseren letzten Mais gehäckselt – ein Grundstein für das Futter für unsere Kühe. Die Mais- und Grassilage sind neben dem Heu und dem Getreide ein wichtiger Baustein für die Futterqualität für ein ganzes Jahr. Dabei ist das Ernten nur der letzte Schritt in einer langen Kette, in der viele Faktoren miteinwirken. Der Zeitpunkt der Aussaat der Samen ist ein wichtiger Faktor. Ist der Boden noch zu kalt? Kommt noch Frost? Ist der Boden feucht genug? Ist er noch zu nass? Kommt passender Regen damit der Samen keimen und die Pflanze wachsen und sich entwickeln kann? Das sind einige wichtige Faktoren.  

Es gab schon immer nasse und trockene Jahre. Die letzten drei Jahre waren aber teilweise durch die lange Trockenheit doch eine Zerreißprobe und mit Sorgen behaftet. So sah dieses Jahr unser Mais noch im Mai sehr klein und lückenhaft aus. Ernten konnten wir jetzt prächtige Pflanzen mit gutem Kolben, ein großer Grund zu Danken. 

Es gab doch noch genug Regen im Laufe der Wachstumsphasen. Die Arbeit von dem Vorbereiten des Landes für die Aussaat, über die Hege und Pflege bis zur Ernte und das dann doch passende Wetter wird sich wahrscheinlich in gutem Futter abzeichnen.

Insgesamt ist die Ernte schon sehr arbeitsintensiv und mit einigen Planungen im Vorfeld und einigen Helfern verbunden. Zuvor muss das Reifestadium des Getreides, des Grases oder Maises stimmen. Dann muss die Wetterprognose für die nächste Zeit passend sein. Nun wird mit dem Lohnunternehmen und gegebenfalls Helfern ein Termin vereinbart. Die körperliche Arbeit und der zeitliche Aufwand ist durch den maschinellen Einsatz sehr minimiert. Dennoch sind die Erntetage sehr anstrengend. 

Der normale Betrieb läuft natürlich gleichzeitig weiter. Kühe, Rinder und Kälber werden, wie an jedem anderen Tag, ver- und umsorgt. Trotzdem machen solche Arbeitsspitzen auch Spa? und münden nach erfolgreichem Abschluss, neben Müdigkeit auch in Dankbarkeit. 

Nach der Ernte ist vor der Ernte. Das Land wird weiterbearbeitet, Zwischenfrucht wird zur Nährstoffbindung, Bodenlockerung oder zum Schutz von Bodenerosion gesät. Auch Winterweizen oder Wintergerste zum Überwintern wird im Herbst gesät. 

Dankbar sind wir über die Rücksichtsnahmen von Anwohnern, Fußgängern, Fahrradfahrern, die doch meistens bei Ernteeinsätzen verständlich reagieren.

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Aber auch außerhalb der Arbeitsspitzen, erleben wir täglich Dankbarkeiten – so zum Beispiel bei Kalbungen. Die meisten Kalbungen laufen unkompliziert und ohne Komplikationen. Jedoch kann es auch dabei, wie bei der Geburt beim Menschen, Komplikationen geben. Bemerken wir solche Komplikationen werden die aktuellen Arbeiten niedergelegt, das Sofa verlassen oder auch in der Nacht aufgestanden. Können wir aber damit ein Kalb lebend auf die Welt bringen, ist fast alles andere nebensächlich: Dankbarkeit und Freude macht sich breit.

Wenn (auch zum Glück selten) ein paar Kühe oder Rinder ausgebüxt sind und  wir von netten Menschen benachrichtigt werden, sodass die Tiere sicher und ohne Schaden wieder auf die Weide oder in den Stall gebracht werden, sind wir dankbar – auch, wenn der Tierarzt nachts oder am Wochenende zu unserer Verfügung steht.

Dennoch ist, wie in vielen anderen Berufsfeldern, in der Landwirtschaft nicht alles rosig. Auch Landwirte werden von vielen Sorgen geplagt. Hohe Auflagen, welche die (internationale) Wettbewerbsfähigkeit einschränken. Die deutsche Agrarpolitik und die europäische Umsetzung des Mercosur Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Staaten bereitet den Landwirten große Sorgen. 

Das Handelsabkommen beinhaltet den Export der Kraftfahrzeug- und Pflanzenschutzindustrie gegen Lebensmittelimporte (wie Fleisch, Zucker, Soja) aus den südamerikanischen Staaten. In diesen Staaten werden die Lebensmittel unter schlechten Bedingungen zu günstigsten Preisen produziert. Der Regenwald wird für neue Anbauflächen rücksichtslos gerodet. Pflanzenschutzmittel, welche in Europa schon lange verboten sind, werden dort eingesetzt. Menschenrechte werden verletzt. Dies alles ist ein sehr hoher Preis für den Export unserer Güter.

Die hiesige Landwirtschaft soll und möchte klimaneutraler und tiergerechtere Lebensmittel erzeugen, was höhere Kosten versursacht. Die Lebensmittelimporte drücken in den europäischen Markt und verschlechtern die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise. 

Dankbar sind wir über die Verbraucher, welche Wert auf regionale und saisonale Lebensmittel legen und die heimische Landwirtschaft schätzen. 

Text: Birte Teikemeier, Foto: Dietmar Meier