Hundehalter-Knigge – Julias Hundegeschichten

Eigentlich gibt es ja bereits genug Gesetze und Verordnungen für Hundehalter. Und genau deswegen möchte ich möglichst viele Hundemenschen dazu motivieren, die folgenden Benimm-Regeln zu beachten, die so nicht im Gesetzbuch stehen. Denn je mehr Hundehalter sich höflich, tolerant und rücksichtsvoll verhalten, desto größer ist die Chance, dass wir das negative Image von Hunden in der Öffentlichkeit verbessern können. Rücksicht gegenüber anderen Menschen, mit und ohne Hund, kann außerdem ansteckend wirken 😉

Das ungeschriebene Hundehaltergesetz

§ 1 Hundekontakt im Freilauf nur nach Absprache.

Wenn ich unterwegs einen fremden freilaufenden Hund treffe, dann behalte ich meinen Hund bei mir, oder leine ihn an, bis ich sicher bin, dass der andere Halter mit der Kontaktaufnahme der Hunde einverstanden ist. Das Minimum einer Absprache ist sicher zu sein, dass der andere Halter mich bewusst wahrgenommen hat. Es wäre aber auch möglich, kurz miteinander zu sprechen.

Begründung: Nicht jeder Hund muss/möchte jeden dahergelaufenen Artgenossen begrüßen. Es gibt Hunde die Angst haben, läufig sind, krank sind, unverträglich sind, verletzt sind, eine Op hinter sich haben, sich im Training oder in einer Verhaltenstherapie befinden.

§ 2 Leinenkontakt sollte vermieden werden.

Wenn ich unterwegs einen angeleinten Hund treffe, leine ich meinen Hund entweder ebenfalls an, oder nehme ihn bei Fuß und führe ihn mit Abstand vorbei oder ich setze ihn am Wegrand ab. Wenn ich sehe, dass der andere Hundehalter mehr Abstand benötigt, dann versuche es dies zu ermöglichen. Wenn ich selbst mehr Abstand brauche, dann teile ich mich meinem Gegenüber mit.

Ausnahmeregelung: Wenn die Hunde sich gut kennen, an Kontakt an der Leine gewöhnt sind, beide Halter einverstanden sind UND sich vorab abgesprochen haben.

Begründung:

• Hunde kommunizieren über Körpersprache. Nähe und Distanz spielen dabei eine wichtige Rolle. Ein Hund, der durch die Leine körperlich eingeschränkt ist, kann nicht frei kommunizieren. So entstehen beim Leinenkontakt prozentual deutlich mehr Konflikte als im Freilauf. 

• Wenn Hunde an der Leine miteinander spielen, kann das zu schweren Verletzungen führen. Besonders gefährlich sind Flexileinen. Wer mir nicht glaubt, der kann Google nach „Flexileinen Verletzungen“ fragen (die Bilder sind für zart Besaitete allerdings nicht geeignet).

§ 3 Kontakt des eigenen Hundes zu fremden Menschen sollte vermieden werden.

Wenn ich mich mit meinem Hund außerhalb des eigenen Grundstücks bewege, verhindere ich, dass mein Hund auf fremde Menschen zugeht oder diese behindert. Dies sollte unabhängig davon sein, ob die Menschen sich zu Fuß, oder mit dem Fahrrad, o.ä. bewegen – ob es Erwachsene oder Kinder sind. Besonders wichtig ist es aber bei Menschen, die sich aus Sicht des Hundes unnatürlich bewegen, beispielsweise durch Alkoholkonsum, eine Gehhilfe oder eine Gehbehinderung. 

Begründung: 

• Nicht jeder mag Hunde.

• Je mehr Rücksicht wir als Hundehalter nehmen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch uns Rücksicht entgegengebracht wird.



 

§ 4 Fremde Hunde sollten nicht angefasst werden

Auch wenn ein fremder Hund auf mich zuläuft, dann fasse ich ihn auf keinen Fall sofort an. Fremde Hunde sollten generell immer nur nach Absprache mit dem Halter gestreichelt werden. Im Idealfall gehe ich dazu in die Hocke und lasse den Hund zu mir kommen.

Wenn ein Hund nicht aktiv den Kontakt zu mir sucht, dann grüße ich ihn verbal freundlich und bedränge ihn nicht. 

Begründung: 

• Es gibt Hunde, die Angst vor Menschen haben.

• Es gibt Hunde, die Kontakt wollen, aber nicht angefasst werden wollen! (Gerüchten zufolge soll es auch Leute geben, die in einen Biergarten gehen und gar kein Bier wollen…)

• Zum Streicheln beugen sich Menschen oft nach vorne. Dies ist für Hunde eine bedrohliche Körperhaltung und kann entsprechende Reaktionen auslösen. 

• Man fasst fremde Kinder auch nicht einfach an, oder umarmt fremde Leute auf der Straße, weil man das einfach nicht macht.

§ 5 Verhalten bei Missgeschicken

Wenn ich mal nicht aufgepasst habe, dann entschuldige ich mich! 

Begründung: 

• Weil man das so macht.

• Kein Mensch ist perfekt und auch kein Hund. Jedem von uns kann es passieren, dass man mal kurz nicht aufgepasst hat, zu spät reagiert hat, noch keinen Kaffee hatte, etc. 

• Jeder Hund hat mal einen schlechten Tag!

Text: Julia Fuhrmann, Foto: Krischi Meier