Kleine Ursache – Große Wirkung

Minden. Lady war eine Mischlingshündin und circa 5 Jahre alt als sie zu mir ins Training kam. Ihr Frauchen hatte keine besonderen Probleme mit ihr, sie wollte ihren Hund einfach beschäftigen und nahm deshalb regelmäßig am Gruppenunterricht teil. Nach rund einem Jahr änderte sich das ganz schlagartig. 

Lady konnte vom einen auf den anderen Tag nicht mehr allein zu Hause bleiben. Die Hündin bellte stundenlang und zerkratzte die Wohnungstür. 

Die Halterin bat mich um einen Termin für eine Einzelstunde. Kurz darauf saßen wir zusammen und sammelten Fakten. Durch Video-Aufnahmen, die die Halterin gemacht hatte, wurde deutlich, dass Lady vorher immer ruhig geschlafen oder gedöst hatte und entspannt war, wenn ihr Frauchen arbeiten war. Neuere Aufnahmen zeigten einen massiv gestressten Hund, der über Stunden nicht zur Ruhe kam und sich sogar selbst verletzte bei dem Versuch die Tür zu zerstören. Der Kontrast war so extrem, man konnte kaum glauben, dass es sich jeweils um ein und denselben Hund handelte. 

Was ist anders?

Die wichtigste Frage in diesem Fall war: Was ist anders? Irgendetwas musste sich verändert haben. 

Wenn ein Hund sein Verhalten so plötzlich so stark verändert, dann musste es eine Ursache dafür geben. Ich hatte schon einige „Felle“, in denen es gar nicht ums Training geht, sondern um Ursachenforschung. Wir waren uns beide einig, dass es auch in diesem Fall so sein muss. 

Lady machte es uns nicht leicht. Wir sprachen den Tagesablauf der beiden durch, befragten die Nachbarn, überlegten ob sich in der Wohnung etwas geändert hatte oder in der näheren Umgebung und fanden rein gar nichts. Drei Wochen später war die Halterin am Rande des Nervenzusammenbruchs, Lady ging es ähnlich und auch die Geduld der Nachbarn war nun am Ende. Der einzige Lichtblick: Es hatte in der Zwischenzeit zwei Tage gegeben, an denen der Hund völlig ruhig blieb. Ich bat darum, den Tagesablauf dieser beiden Tage bis ins Detail zu überdenken. 

Die Lösung

Kurze Zeit später rief mich Ladys Besitzerin an und berichtete, sie hätte das Rätsel endlich gelöst. Es hatte in den letzten Wochen fast durchgängig geregnet oder geschneit. Daher hatte die Hunderhalterin angefangen, ihre Schuhe, die sie bei der morgendlichen Gassirunde getragen hatte VOR der Wohnungstür abzustellen. Vorher standen die zuletzt getragenen Schuhe immer im Flur IN der Wohnung. Lady holte sich schon seit dem Welpenalter immer Frauchens Schuhe, wenn sie allein war und legte diese in ihr Körbchen. Sie machte sie nie kaputt, daher räumte Frauchen sie immer einfach zurück, wenn sie nach Hause kam und schenkte dieser Angewohnheit ihres Hundes keine weitere Beachtung. In den vergangenen Wochen holte der Hund sich nach wie vor Schuhe, nur eben nicht mehr die zuletzt getragenen. Das war tatsächlich das Problem. Ich wollte es ehrlicherweise zunächst selbst nicht so wirklich glauben. Aber die Besitzerin behielt Recht und der Hund blieb ab diesem Tag wieder ruhig und friedlich zuhause und schlief dabei auf den zuletzt getragenen Schuhen von Frauchen.

Der Fall von Lady ist natürlich sehr speziell. Dennoch ist er ein wunderbares Beispiel, denn er zeigt deutlich, dass es manchmal ganz kleine Dinge sind, die unseren Hunden wichtig sind. Hunde sind nun mal wie wir Menschen auch, Gewohnheitstiere. 

Welche ungewöhnlichen oder lustigen Angewohnheiten haben eure Hunde? Macht mit und schreibt uns bei Facebook unter diesem Beitrag.

Text: Julia Fuhrmann, Foto: Dietmar Meier