Leckerlies, oder keine Leckerlies? DAS ist hier die Frage

„Ich möchte, dass mein Hund auch ohne Leckerlies auf mich hört und etwas für mich macht und nicht nur für Futter. Außerdem finde ich es albern, den Hund ständig zu belohnen und habe keine Lust immer Leckerlies dabei zu haben.“ So denken viele Hundehalter und so habe ich früher auch gedacht. 

Es gibt gleich mehrere Gründe, warum sich meine Meinung zu Futter als Belohnung im Training inzwischen geändert hat. 

Meinen ersten Hund habe ich komplett ohne Futterbelohnung ausgebildet. Aber nicht ohne ihn zu belohnen. Wenn er etwas gut gemacht hat, dann habe ich ihn gestreichelt oder mit ihm gespielt oder ihn verbal bestätigt. Das war damals. Damals gab es kein Landeshundegesetz. Es gab auch keinen Leinenzwang. Und vor Allem gab es nicht den gesellschaftlichen Druck, den es heute gibt, wenn man sich mit seinem Hund im Öffentlichen Raum bewegt.

Wenn ich vor 20 Jahren spazieren gegangen bin, hatte ich nicht nur kein Futter dabei. Ich hatte auch keine Leine dabei. Mein Hund lief die immer frei und wenn er zu einem anderen Hund gerannt ist, ja dann war das halt so. Wenn Hunde sich geprügelt haben, dann hieß es: „Das machen die unter sich aus.“ Wenn ein Hund einen Jogger oder Radler verfolgt hat, dann hat der kurz gemeckert, aber das war es auch schon. Ich will in keinem Fall behaupten, dass früher alles besser war, doch es war anders. Würde ich heute so spazieren gehen wie damals, hätte ich direkt fünf Anzeigen, einen Shitstorm auf Facebook und unzählige Trolle auf allen social Media-Kanälen, die es gibt.

Der Anspruch, den ich heute an meine Hunde habe, ist ein anderer als damals. Trotzdem könnte ich auf die Leckerlies verzichten und mit anderen Dingen belohnen. Ich müsste halt nur deutlich häufiger ausgiebige Spiel- bzw. Streichelpausen auf dem Spaziergang einbauen. Das würde in meinem Fall funktionieren, es wäre nur viel anstrengender und zeitintensiver als einfach hier und da mal einen Keks zu werfen.



  

Es gibt es aber auch Hunde, die nicht gerne spielen, oder gestreichelt werden. Wie soll ich die denn jetzt belohnen? Leckerlies sind nicht nur einfacher und unkomplizierter, sondern für die meisten Hunde eine willkommene Belohnung. 

Aber warum überhaupt belohnen? Kann ich nicht erwarten, dass mein Hund auch mal aus reiner Nächstenliebe etwas für mich macht? Beantwortet euch diese Frage am besten selbst und überlegt euch bitte mal ganz kurz, wann ihr das letzte Mal etwas für jemanden getan habt und warum. Fangt am besten gleich morgens an. Wenn ihr morgens einen Kaffee für euren Partner macht, macht ihr das dann aus Gewohnheit, oder um ihm etwas Gutes zu tun? Wenn ihr danach zur Arbeit geht, tut ihr das nur eurem Chef zu liebe? Und solltet ihr am Nachmittag eurem Kumpel beim Umzug helfen, ist das wirklich eine völlig selbstlose Tat, oder hat er euch auch vor einiger Zeit beim Hausbau unterstützt?

Wenn wir Menschen etwas für andere tun, dann tun wir das, weil wir etwas davon haben, aus Gewohnheit, oder vielleicht weil wir Angst vor den Folgen haben, wenn wir es nicht tun. Die wenigsten unserer Taten sind vollständig selbstlos. Menschen sind in diesem Punkt wie Hunde. Wir tun meistens nur etwas, wenn es uns in irgendeiner Form Nutzen bringt. Oder würdet ihr weiter zur Arbeit gehen, wenn euer Chef aufhört euch zu bezahlen? Mal ehrlich!?

Ich möchte von meinen Hunden nichts verlangen, was ich nicht mal selbst leisten kann oder will. Ich „bezahle“ meine Hunde sehr gerne für gute Leistungen. Vor wenigen Tagen lief eine Katze meinem Rüden direkt vor die Nase und er kam OHNE, dass ich irgendwas gesagt habe sofort zu mir. Ich hätte ganz sicher ein schlechtes Gewissen gehabt, wenn ich ihn nicht ausgiebig für diese grandiose Leistung bezahlt hätte. Aber das ist natürlich nur meine persönliche Meinung.

Text: Julia Fuhrmann, Foto: Krischi Meier