Unser Hunde-Urlaub in Amsterdam

Minden. Nach nur drei Stunden Fahrt hatten wir unser Ziel erreicht. Ein kleines Bed and Breakfast in einer ruhigen Seitenstraße mitten in Amsterdam. Wir parkten direkt vor der Tür und die Hunde waren grade erst aus dem Auto gefallen, da wurden wir bereits lautstark begrüßt. Ein genauso alter, wie unfreundlicher Terrier stürmte keifend auf uns zu. Mein Rüde Seven hatte bereits Luft geholt. Seven: „Frauchen? Kann ich den bitte auf links drehen?“ Ich: „Nein, Senioren werden nicht auf links gedreht!“ Seven: „Menno!“ Der Besitzer unserer Unterkunft begrüßte uns ebenfalls, zumindest glaubten wir das, denn sein Terror- Terrier war deutlich lauter als er. Er ignorierte den Zwergenaufstand seines Hundes und gestikulierte uns ins Innere des Hauses. Unser Gastgeber war tiefenentspannt und hatte absolut keine Sorge, dass sein Hunde-Opi als Frühstück für meine Hunde enden könnte. 

Wir bezogen unser Zimmer und starteten direkt zum nahegelegenen Vondelpark, der im Herzen Amsterdams liegt. Laut unserer Recherchen durften Hunde dort frei laufen. 

Im Park angekommen leinte ich zunächst nur meine Hündin Blue ab. Seven wollte ich an der Leine lassen, denn er war stark pubertierend und benahm sich gegenüber fremden Hunden nicht besonders höflich. Als er zwei spielende Hündinnen entdeckte, bestätigte er mich in meiner Entscheidung. „Frauchen! Das sind die Mütter meiner Welpen! Lass mich sofort los!“ Ich: „Auf gar keinen Fall!“ Seven: „Menno!“ Als wir die Besitzerinnen der beiden Hundedamen passierten, war ich einen kurzen Moment unaufmerksam. Seven verstand es diesen Moment zu nutzen. Er befreite sich aus dem Halsband. Ich war überfordert! Mein Englisch war mehr als eingerostet, mein Rüde kurz davor, im Liebestaumel über die beiden Hündinnen her zu fallen und ich stand da mit einer Leine und einem leeren Halsband in der Hand. „Now it´s over…!“ war das Einzige, was mir auf die Schnelle einfiel. 

Als ich diese äußerst überflüssige Bemerkung ausgesprochen hatte, wurde mir klar, wie sie sich für die anderen Hundehalter anhören musste. Die beiden Frauen reagierten zum Glück herrlich undeutsch und sehr entspannt auf die gesamte Situation. Inzwischen hatte ich meinen englischen Wortschatz wiedergefunden und während wir uns sehr nett unterhielten, bekam mein Rüde die Abfuhr seines Lebens und wollte danach freiwillig zurück an die Leine. 



 

Auf dem Rückweg liefen wir an einer Art Fahrrad–Autobahn vorbei, auf der etliche Holländer und Touristen von A nach B radelten. Ein Hund auf der anderen Seite entdeckte uns und machte sich auf den Weg. Mehrere Radler mussten spontan bremsen, einer von ihnen wäre fast unfreiwillig abgestiegen. Ich zog instinktiv den Kopf ein, um mich auf das Donnerwetter vorzubereiten, das nun folgen musste. Nix. Niemand meckerte, keiner beschwerte sich. Wieder war ich begeistert von den Holländern und ihrem sehr entspannten Umgang mit Hunden.

Nach einem ereignisreichen ersten Tag gingen wir früh schlafen. Gegen vier Uhr morgens meldete sich Blue. Sie musste raus. Wahrscheinlich die Aufregung… Da die feine Dame sich in keinem Fall auf Asphalt erleichtern würde, steuerte ich einen kleinen Parkabschnitt in der Nähe an. Ich beschloss Seven ebenfalls mitzunehmen, schließlich irrte ich schlaftrunken, mitten in der Nacht in einer fremden Stadt herum. Da sind zwei Hunde besser als einer dachte ich. Das war ein Irrtum! Der gesamte Park war voll mit Ratten, die lustig überall umherhüpften. Noch dazu lag er direkt an einem Fluss. Nun musste ich die blinde Blue ableinen, denn an der Leine würde sie Ewigkeiten brauchen, um die richtige Stelle zu finden. Während ich nun versuchte, Blue davor zu bewahren ins Wasser zu fallen, diskutierte ich mit dem Pubertier an der Leine. Seven: „Nur eine ganz kleine Ratte, bitte!“  Ich: „Nein, nein und nochmals NEIN!“ Schweiß gebadet erreichte ich deutlich später als geplant mein Bett. 

Gefühlt war ich grade erst eingeschlafen, als ich von dem Song „Thunder“ von AC/DC in Festival-Lautstärke geweckt wurde. Ein Blick aus dem Fenster zeigte den Veranstalter. Es war ein holländischer Müllmann in seinem Müllwagen. Anstelle von Arbeitskleidung trug er zu seinem Bart und seinen langen grauen Haaren eine Kutte und eine Lederhose. Der Müll-Rocker erledigte seine Arbeit lächelnd und kopfnickend im Takt der Musik. Ich ging lachend duschen, summte dabei die Melodie von Thunder und freute mich auf unseren zweiten entspannten Urlaubstag in Amsterdam.

Fazit 1: Ich mag Holländer! 

Fazit 2: Auch die Hunde von Hundetrainern benehmen sich nicht immer vorbildlich 😉

Text: Julia Fuhrmann, Foto: Krischi Meier