„Dörflich, aber nicht stadtfern“ – Kutenhausen und Todtenhausen vereint vieles


Kutenhausen/Todtenhausen.
Nachdem unsere bisherigen Berichte über die Dörfer Petershagens großen Zuspruch erhalten haben, wagten wir uns nun einen Schritt über die Stadtgrenze hinaus und haben für diesen Bericht die ehemalige Ortsvorsteherin von Kutenhausen, Birgitt Keil sowie Tobias Doebler und Lennart Ulrich aus Todtenhausen unterhalten. 

Vor der Gebietsreform von 1972 gehörten die Ortschaften Kutenhausen, Todtenhausen und Stemmer zum Amt Petershagen. Auch wenn die drei Orte heute zur Stadt Minden gehören, besteht für viele Einwohner auch weiterhin eine gute Verbindung zu Petershagen.

Aufgrund der aktuellen Corona-Lage fand das Interview in diesem Monat zum ersten Mal digital statt. In diesem Bericht stellen die drei ihre Heimatdörfer Kutenhausen und Todtenhausen vor und erzählen über die Gemeinschaft und die Besonderheiten der Dörfer. 

Birgitt Keils Familie lebt nachweislich bereits seit dem 18. Jahrhundert in Kutenhausen. Sie wohnt heute noch in dem Haus, in dem sie 1956 auch geboren wurde. Nach ihrem Schulabschluss in Petershagen arbeitete sie als Groß- und Außenhandelskauffrau, bevor sie 2019 in den Ruhestand wechselte. Seit 2008 war sie Ortsvorsteherin Kutenhausens, bis sie das Amt in diesem Jahr niederlegte. 30 Jahre lang engagiert sie sich zudem ehrenamtlich in der SPD und arbeitet seit mehr als 20 Jahren im Vorstand des Heimatvereins Kutenhausen mit. 2005 war die Mutter einer erwachsenen Tochter an der Gründung der plattdeutschen Arbeitsgemeinschaft beteiligt, die sich einmal monatlich trifft. 

In Kutenhausen zu leben bedeutet für sie, das „Harmonieren vieler Vereine“ und eine intakte Nachbarschaft zu genießen. Unter anderem gibt es mit Feuerwehr, Schützenverein, dem  Sportverein Kutenhausen/Todtenhausen und einem Gartenbauverein vielfältige Angebote.  Eine aktive Rolle spielt dabei auch die Christuskirche mit Tookula, Kantorei und Posaunenchor. Besonders ist dafür gesorgt, dass jede Altersgruppe Anschluss findet, auch, wenn der jüngeren Generation oft die Zeit für das Ehrenamt fehlt, so Birgitt Keil. 

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Ihrer Ansicht nach ist Kutenhausen ein attraktiver Wohnort. Aus diesem Grund scheint Landflucht auch kein Thema zu sein. Eine funktionierende Infrastruktur und die intakte Gemeinschaft kreieren einen besonderen Wohlfühlort. Die Lage an der Weser zwischen Petershagen und Minden ist zudem etwas besonderes. Dass Kutenhausen ein attraktiver Wohnort ist, bestätigen auch die mehrfach ersten Preise in Kreiswettbewerben von „Unser Dorf soll schöner werden — Unser Dorf hat Zukunft“. Kutenhausen ist „Kulturmusterdorf“.

Die Großenheider Mühle steht fast auf der Grenze zwischen Kutenhausen und Todtenhausen.

Als Todtenhauser Interviewpartner standen der 40-jährige Familienvater Tobias Doebler und Lennart Ulrich, mit 27 Jahren jüngster Interviewpartner, zur Verfügung. Auch die beiden leben seit ihrer Kindheit in Todtenhausen. Tobias Doebler ist aktives Mitglied im Schützenbataillon, Lennart Ulricharbeitet als Referent einer Landtagsabgeordneten und ist Stadtverbandsvorsitzender der CDU Minden. Beide vereint die langjährige „Fußballkarriere“ beim heimischen SVKT. Für Doebler und Ulrich war es nie eine Option Todtenhausen zu verlassen – dafür gibt es mehrere Gründe. Wichtigster Grund bei beiden ist aber das Heimatgefühl. „Man fühlt sich zugehörig. Auf dem Sportplatz trifft man sonntags dieselben Leute, man kennt sich seit Jahren und weiß ganz genau, mit wem man über was reden kann“, sagt Tobias Doebler. Er spricht von einer „dörflichen Familie“. Seine Familie und Freunde verteilen sich zum Großteil auf Todtenhausen und Kutenhausen. Lennart Ulrich berichtet, dass die Hilfsbereitschaft in Todtenhausen enorm sei. „Die verschiedenen Institutionen im Dorf bringen die Leute immer wieder mit neuen Ideen zusammen“. Unter anderem spielen dabei insbesondere die Feuerwehr und die Kirchengemeinde eine große Rolle. Beispielsweise wird dieses Jahr ein Weihnachtsgottesdient auf Youtube zu sehen sein. Was das Wohnen in Todtenhausen lebenswert macht, wäre damit schon zum Großteil geklärt: Ein unverbesserliches Heimat- und Zugehörigkeitsgefühl. Und davon abgesehen? Die Infrastruktur Todtenhausens lässt kaum Wünsche offen. Es gibt zwei Kindergärten, eine Grundschule in Kutenhausen und auch eine weiterführende Schule in Todtenhausen, andere weiterführende Schulen sind in Minden oder Petershagen nicht fern. Man kann sagen, Todtenhausen liegt „dörflich, aber nicht stadtfern“ – ein großer Pluspunkt. Besonders ist auch das Miteinander der Generationen – beispielsweise ist Tobias Doebler durch seinen Vater (in der 1. Kompanie) zum Schützenbataillon gekommen und ist nun selbst dort aktiv. Auf die Frage, was ein besonderes Aushängeschild für Todtenhausen ist, finden die beiden nur schwer eine Antwort. Schließlich einigt man sich auf das Wort „Gemengelage“. Todtenhausen hat viele Dinge zu bieten, Vereine, Natur, Menschen, es sei schwierig, das an einer Sache festzumachen. Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass man Todtenhausen gerne als „Bindeglied zwischen Petershagen und Minden“ bezeichnet. 

Das 1828 erbaute Heimathaus bildet den kulturellen Mittelpunkt des Dorfes. Weitere Infos dazu unter www.kutenhausen.de.

Was unterscheidet eigentlich Kutenhausen und Todtenhausen? Einfacher zu beantworten ist die Frage, was sie verbindet. Da fällt schnell der Sportverein ein. Der SVKT spielt eine zentrale Rolle im Verhältnis zwischen den beiden Dörfern und schweißt sie zusammen. Auf dem Fußballplatz wird von jeglicher Dorfrivalität abgesehen, die es ohnehin schon seit Jahren quasi nicht mehr gibt. Meine Interviewpartner beschreiben den „Mindener Norden“, wozu sie neben Todtenhausen und Kutenhausen auch Stemmer zählen, als sehr verbunden.

Text: Annalena Sundmäker, Fotos: Dietmar Meier