Emotionaler Abschied nach über 46 Jahren – Thomas Wirtz, Kantor der Christuskirche und Kreiskantor, geht in den Ruhestand

Todtenhausen/Kutenhausen. „Und deshalb danke ich auch dem Chor Westfalia.“ Mit diesen Worten überraschte Thomas Wirtz so manchen Besucher des Festgottesdienstes anlässlich seiner Verabschiedung in der Christuskirche Todtenhausen/Kutenhausen. Denn es war die Bitte um eine Orgelbegleitung für ein Konzert im Jahr 1973, die den damals 17-jährigen Orgelschüler in die Gemeinde im Mindener Norden führte, der er trotz vielfältiger anderer Aktivitäten über 46 Jahre treu geblieben ist. Nun galt es Abschied zu nehmen. Und das gelang im Rahmen eines Festgottesdienstes, der trotz aller Emotionalität und vieler Tränen auch von Freude und Dankbarkeit geprägt war. 

Die von Frauke Seele-Brandt geleiteten Chöre steuerten dazu Maßgebliches bei. Kantorei und Tookula formierten sich zum sängerischen Großaufgebot, das eine der beiden Seitenemporen komplett ausfüllte. Der Posaunenchor spielte zum Ende des Gottesdienstes, der von Pfarrerin Katja Reichling, Pfarrer Horst Fißmer und Prädikant Jürgen Ruchatz gestaltet wurde, „Thank you for the music“ von Abba. 

Zeremonieller Höhepunkt des Gottesdienstes war die Entpflichtung Wirtzens, der über seine Tätigkeit als Kantor an der Christuskirche hinaus seit 2002 auch als Kreiskantor im Kirchenkreis Minden gewirkt hat und dem im Jahr 2015 der Titel Kirchenmusikdirektor (KMD) verliehen wurde, durch den Superintendenten Jürgen Tiemann. Als der Jugendchor Tookula das Lied „Hand in hand“ sang, mit dem jedes Jahr vor den Sommerferien die scheidenden Mitglieder verabschiedet werden, und das nun seinem Gründer und langjährigem Leiter galt, brachen sich bei zahlreichen Besuchern die Tränen Bahn. Nicht zuletzt, weil sich auch eine große Schar ehemalige Tookulaner in den Kirchenbänken erhoben und in das Lied einstimmten.



 
   

Dem Gottesdienst schloss sich ein kurzer Festakt in der Kirche an. Pfarrer Horst Fißmer, Landeskirchenmusikdirektor Harald Sieger und der Vorsitzende des Gesamtpresbyteriums, Pfarrer Dr. Manuel Schilling, betonten die Bedeutung von Thomas Wirtz für die Kirchenmusik und die musikalische Jugendarbeit in der gesamten St. Mariengemeinde und in der Region. Bürgermeister Michael Jäcke dankte Wirtz für die Verdienste als Botschafter Mindens und die vielen internationalen Begegnungen, die Wirtz als Leiter von Tookula und der Kantorei initiiert hat. Ein Chorschul-Team machte sich in einem humorvollen Bewegungs-Sprech-Kanon Gedanken über die zukünftige Freizeitgestaltung des Ruheständlers.

In seiner Ansprache dankte Wirtz schließlich all jenen, die ihn auf seinem Weg begleitet und unterstützt haben. Besondere Erwähnung fand dabei neben seiner Familie der langjährige St. Marien-Kantor und Leiter der Jugendkantorei Edmund Kreß, der ihn sehr geprägt habe, so Wirtz. Zu einem weiteren emotionalen Höhepunkt kam es, als zum Ende des Festaktes auch noch die unteren Chorschulgruppen, die Spatzen, Lerchen,  Tookulinis und Crescendo in der Art eines Flashmobs singend in das Kirchenschiff einzogen und damit die Bandbreite der von Wirtz an der Christuskirche begründeten Chorschule demonstrierten.

Die festliche Verabschiedung endete mit einem großen Kaffeetrinken im Gemeindehaus und auf dem Kirchhof, zu dem alle Gottesdienstbesucher eingeladen waren. Viele nutzten das lockere Beisammensein, um sich persönlich von Thomas Wirtz zu verabschieden und ihm für sein großes Engagement zu danken.

Text: Christian Helming, Foto: Anja Gadau-Mohr