Marianne Schmitz-Neuland und Wolfgang Battermann von der Arbeitsgemeinschaft Alte Synagoge Petershagen e.V.

AG „Alte Synagoge“ Sieger beim zweiten Heimat-Preis

Petershagen. Die Arbeitsgemeinschaft Alte Synagoge geht mit ihrem Projekt „Informations- und Dokumentationszentrum zu über 450 Jahren jüdischer Orts- und Regionalgeschichte Petershagens“ als Gewinner des Petershäger Heimat-Preises 2021 hervor, der im Alten Amtsgericht feierlich überreicht wurde. Den zweiten Platz belegte Helga Bergs Gruppe aus Lahde mit ihrem Projekt „Grüner Daumen Lahde – Lahde blüht auf!“ und über den dritten Platz konnte sich der Verein zur Förderung der plattdeutschen Sprache mit seinem Projekt „Plattdüütsk hört in Kinnermund“ freuen. Zudem wurden neun weitere Projekte mit Anerkennungspreisen gewürdigt.

Heimat ist auch Sprache

Nach zwei Jahren Pause war es soweit: Die Stadt Petershagen würdigte am 9. November im Kulturzentrum Altes Amtsgericht zum zweiten Mal das ehrenamtliche Engagement ihrer aktiven Bürgerinnen und Bürger mit Heimat-Preisen. Gemeinsam mit Bauverwaltungsleiter Kay Busche, der wieder die Moderation übernahm, bedankte sich Bürgermeister Dirk Breves für die „gute Resonanz“ auf die Veranstaltung. Trotz der schwierigen Umstände folgten gut 60 Gäste der Einladung. Aus diesem Anlass spendierte er alle Getränke und der sechsköpfigen Jury „ungemein leckere“ Schokolade mit Motiven aus dem Mühlenkreis.

Das weckte die Stimmung an den hübsch gedeckten runden Tischen. War vorher doch eine gewisse Zurückhaltung unter den Anwesenden im Saal zu vernehmen. Zudem sorgte das sanft anmutende Saxophon-Spiel des Ensembles der städtischen Musikschule für die musikalische Untermalung und ein Heimat-Ratespiel auf der Leinwand für Heiterkeit und Gummibärchen.

„Denn Heimat ist vor allem ein Gefühl“, so Breves. Es sei individuell, verbunden mit Menschen, Orten, der Geschichte Petershagens, Erinnerungen und auch Sprache. Plattdeutscher Sprache, um genau zu sein – humorvoll vorgetragen von Martin Sölter und Reinhard Pleitner, die mit einer Urkunde, einem Preisgeld von 1000 Euro und einem von drei gläsernen Pokalen für ihr Projekt mit Kindern ausgezeichnet wurden. Zum Dank schenkten sie dem Bürgermeister ihr frisch gedrucktes „Joahrbauk 2022“ mit dem Titel „Platt in usen Müählnkreis Minden-Lübbecke“.

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Vergessenes wieder sichtbar machen

„Platt“ waren offensichtlich auch Marianne Schmitz-Neuland und Wolfgang Battermann von der Arbeitsgemeinschaft Alte Synagoge Petershagen e.V., als ihnen auf der Bühne gratuliert wurde. So haben sie es sich doch bereits seit Projektbeginn 1999 zur Lebensaufgabe gemacht, „die verdrängten, verschwiegenen und vergessenen Elemente der jüdischen Landsgemeinde wieder sichtbar zu machen und die ermordeten jüdischen Petershägerinnen und Petershäger mit ihrer Identität in den öffentlichen Blickpunkt und das Leben der Stadt zurückzuholen“. Eine „herausragende Arbeit“, so Breves, die mit dem 1. Platz und einem Preisgeld von 2500 Euro gewürdigt wurde.

Lahde gepflegt erhalten

Ebenso fand „in Zeiten knapper Kassen“ das Projekt von Lahdes Ortsbürgermeisterin Helga Berg zum Unterhalt von Grünanlagen im öffentlichen Bereich großen Anklang bei der Jury. Ein gepflegtes Grün habe eben auch einen günstigen Einfluss auf soziale Konflikte, heißt es auf einem von 12 Plakaten, die im Foyer ausgestellt und an alle Aktiven eingerahmt verteilt wurden. Die Gruppenmitglieder treffen sich seit vielen Jahren an zwei Ortspunkten, um das großflächige Gebiet von Lahde vor der Zerstörung und wilder Müllablagerung zu bewahren. Die Zweitplatzierten konnten sich über eine Urkunde, ein Preisgeld von 1500 Euro und einen Pokal freuen.

Die Anerkennungspreise samt Topfpflanze gingen an die Kulturgemeinschaft Neuenknick für ihren Findlingswald und den „Kreativ Treff“, die Mühlengruppe Döhren mit ihrem Erhaltungsprojekt „Plaggen Mühle“ – Historische Wassermühle mit Sägegatter“, den VCD Minden-Lübbecke Herford & BUND OG Petershagen für ihr „Milla.Bike“, den TTC Petershagen/Friedewalde mit seinem Outdoor-Tischtennis-Projekt „Petershagen Open“, an Barbara Salesch und ihre Scheibenkunst, das Projekt „Aussichts- und Rastplatz Weseraue mit Seefahrer-Ehrenmal“ der Kulturgemeinschaft und des Seemannsvereins Windheim sowie an das FriedEL – Kultur- und Begegnungszentrum und den Friedewalder Dorfmarkt am Dienstag.

Text und Foto: Namira McLeod