Münze mit Kopf der Juno: Satte 2125 Jahre hat die Münze auf dem Buckel und dennoch ist sie für die Wissenschaft wertvoller denn zuvor.

Aus dem Geldbeutel gefallen – Münzfunde aus Petershagen

Petershagen. Kies, Moos, Zaster, Mäuse… für kaum etwas haben wir so viele unterschiedliche Bezeichnungen wie für das Geld. Dies ist insoweit nicht verwunderlich, denn die universelle Verbreitung und die immense Bedeutung des Geldes im Alltag ließen im Volksmund dafür immer wieder zahlreiche synonyme Bezeichnungen entstehen. Ihnen allen Gleich, die Menschen messen dem Geld eine große Bedeutung bei. „Geld regiert die Welt“ lautet einer der Aussprüche, den wir wohl alle kennen.

Bevor Geld anfing die Welt zu regieren, war es der Tauschhandel, den die Menschen nutzten, um Waren oder „Dienstleistungen“ zu erwerben, ohne dass als Gegenleistung Geld eingesetzt werden musste. Der Tauschhandel stellt somit die älteste Form des Handels dar und war, als es noch kein Geld gab, die einzige Möglichkeit des Erwerbs von Waren und dem, was wir heute als Dienstleistungen bezeichnen. Man tauschte beispielsweise Bernstein, Felle, Nutztiere oder sonstige Dinge des Alltagsbedarfs ein. Mit Einführung des Geldes, dessen Beginn wir um 550 v. Chr. in Griechenland, China und Kleinasien verorten können. Mit der vorgeschichtlichen Entstehung eines Geldsystems begann zwar ein gesellschaftlicher-politischer Umbruch, das Geld ersetzte aber noch nicht den Tauschhandel in der breiten Maße der Bevölkerung.

Der lange Umlauf des Denar lässt Kaiser Hadrian bartlos erscheinen, doch der Schein trügt. Fotos: Daniel Bake/GeFBdML e.V.

Im Gebiet von Petershagen tauchten erste Münzen, geht man nach den bisherigen Münzfunden, erst viel später auf. Der bisher älteste Münzfund, geht man nach der Prägung, aus Petershagen stammt aus dem Ortsteil Ilse. Es handelt sich bei der im Jahr 2015 entdeckten Silbermünze um einen römischen Denar, der auf der Rückseite einen springenden Bullen, darüber das Kontrollzeichen V und unter dem Bullen die Aufschrift L. Thorius Balbus zeigt. Der aus Lavinium (heute Pratica di Mare, einem Ortsteil von Pomezia, 30 Kilometer südlich von Rom) stammende Lucius Thorius Balbus war ein römischer Soldat und Münzmeister des 1. Jahrhunderts v. Chr., der sich hier in der von ihm geprägten Münze verewigte. Im Jahre 78 v. Chr. starb er im sertorianischen Krieg, einem Bürgerkrieg auf der iberischen Halbinsel, der von 80 bis 72 v. Chr. andauerte. Auf der Vorderseite, der in Rom geprägten Münze, befindet sich das Konterfei der mit einem Ziegenfell bedeckten „Juno Sospita“, einer Erscheinungsform der römischen Göttin Juno, die als Göttin der Geburt, der Ehe, der Fürsorge gilt und Namensgeberin für den Monat Juni ist. Sie galt passenderweise auch als Schutzpatronin der frühen städtischen Münzstätte in Rom. Wie die Münze an den Ort ihrer Widerentdeckung gelangte, lässt sich nach über 2125 Jahren und rund 1.600 Kilometer, die sie von Rom nach Petershagen zurückgelegt hat, leider nicht mehr feststellen. Denkbar wäre, dass die circa 3,7 Gramm schwere Münze durch Handel oder Söldnerdienste aus dem Imperium Romanum in die Germania Magna gelangte.

Anzeige

Die nächstälteste Münze, die ich Ihnen vorstellen möchte, ist ebenfalls ein, aus dem Reich der Römer stammender, Denar. Die 2020 in Jössen entdeckte Münze wurde zwischen 134 bis 138 n. Chr. in Rom geprägt und zeigt den Kaiser des Römischen Reichs, Publius Aelius Hadrianus, der sich intensiv um die Festigung der Einheit und des Friedens im Römischen Reich bemühte. Nach ihm wurde der Hadrianswall benannt, von dem auch noch heute in Großbritannien, in der Nähe des „National Trails“, Überreste zu sehen sind. Die stark abgegriffene Münze, die Hadrian fast bartlos wirken lässt, muss lange Zeit im Umlauf gewesen sein, bevor sie schließlich verloren ging. Kommen wir vom antiken Römischen Reich zum Übergang der Spätantike ins Frühmittelalter, einer Epoche, die man im gallisch-germanischen Raum auch Merowingerzeit nennt.

Heute im Landeseigentum, die merowingische Goldmünze aus Windheim.

Die folgende Münze wurde im Dezember 2013 in Windheim entdeckt, sie gehört bis heute zu den wenigen bekannten Goldmünzfunden und ist die einzige bisher entdeckte Münze aus der Zeit der Merowinger im Stadtgebiet von Petershagen. Die Merowinger waren das älteste fränkische Königsgeschlecht, deren Existenz vom 5. Jahrhundert bis 751 n. Chr. gesichert ist. Münzen aus dieser Zeit, also aus dem Frühmittelalter sind nicht nur für Petershagen, sondern für ganz Westfalen-Lippe eine Seltenheit, weshalb sie heute im Eigentum des Landes ist. Die Vorderseite zeigt ein Brustbild mit dem Buchstaben E vor dem Kopf und einer Schleife hinter dem Kopf, die Rückseite eine stehende geflügelte Figur von vorn, die in der Rechten einen schleifen-förmigen Kranz und in der Linken ein Kreuz hält. Die Umschriften ergeben keinen Sinn, es handelt sich um Pseudo-Umschriften. Die Münze trägt von der Vorderseite her gesehen oben mittig eine Öse aus Gold. Der in Windheim entdeckte fränkische Tremissis hat einem Durchmesser von 15,0 Millimeter, wiegt 1,5 Gramm und datiert ins 6. Jahrhundert. Die angebrachte Öse, die zeitgenössisch ist und aus deutlich feinerem Gold (circa 92 Prozent) besteht als die Münze (rund 78 Prozent), belegt dass das Stück nachträglich zu einem Schmuckstück umfunktioniert worden ist. Zuvor hat die Münze sicherlich im Fernhandel als Geld gedient, verfügt Petershagen doch über gute Verbindungen zum Rheinland und den fränkischen Kernlandschaften. Den Franken, die bis zum frühen 6. Jahrhundert zur dominierenden Macht in Westeuropa geworden waren, folgten in der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts das Herrschergeschlecht der Karolinger.

Fortsetzung folgt. 

Text: Daniel Bake