Aus Lahde nach Boston – Lea Brümmel für ein Jahr in Amerika

Von Lea Brümmel

Boston/Lahde. Vor sieben Monaten habe ich meine Reise als Au Pair in Amerika angetreten, um die Möglichkeit zu nutzen, viele Orte der Welt gesehen zu haben, bevor mit dem Studium der „Ernst des Lebens“ beginnt. Die Vorbereitungen begann aber schon deutlich früher: Sechs Monate vor meiner Ausreise habe ich mich bei der Organisation AIFS (Au Pair In America) beworben, um als Au Pair in den USA leben zu dürfen. Zu dem Bewerbungsprozess gehörten eine vollständige Bewerbung (unter anderem das Ausfüllen vieler Fragen, das Aufnehmen und Schneiden eines Bewerbungsvideos und das Nachweisen der bereits erfolgten Erfahrung in der Kinderbetreuung), ein Bewerbungsgespräch und ein Termin bei dem US-Konsulat.

Nach der Vervollständigung meiner Bewerbung wurde mein Profil hochgeladen und ich wurde für die Matching-Phase freigegeben, in der man mit verschiedenen Familien Kontakt aufnimmt und sich gegenseitig kennenlernen kann. Nachdem ich mit mehreren Familien geschrieben und geskyped hatte, haben sich meine jetzige Gastfamilie und ich dazu entschieden, uns zu „matchen“.
Jetzt lebe ich bei meiner Gastfamilie in Boston, einer wunderschönen kleinen Stadt direkt an der Ostküste Amerikas. Von Beginn an habe mir fest vorgenommen, jeden Monat mindestens einmal in eine neue Stadt zu reisen, um somit möglichst viel von Amerika sehen zu können. Ganz so einfach ist das Ganze aber nicht, was ich relativ schnell feststellen durfte: Das Au Pair-Dasein wird im Generellen von vielen Menschen gerne unterschätzt.

Es beinhaltet tatsächlich nicht nur das Leben in einer Gastfamilie, das viele Reisen, von dem geträumt wird, und das Babysitten der Kinder nebenbei. Au Pairs sind viel mehr als das: Täglich schlüpfen wir in verschiedenste Rollen, die in die Erziehung der Kinder mit einspielen. Wir sind Freunde, große Geschwister und manchmal das dritte Elternteil.

Trotzdem ist es eine wunderschöne Erfahrung in einer Gastfamilie das amerikanische Leben leben zu dürfen und neue Freundschaften zu knüpfen. Und auch wenn das Au Pair-Dasein nicht nur aus Reisen besteht, habe ich es geschafft, schon einige Orte Amerikas zu erkunden.



    

Es ging für mich also mit neu gewonnenen Au Pair-Freunden aus Boston nach New York, Texas, Philadelphia und in andere wunderschöne Städte der USA. Geplant waren in den nächsten Monaten noch Besuche in Miami, Las Vegas, auf den Bahamas, bei den Niagara Fällen und zuletzt ein Reisemonat am Ende meines Au Pair Jahres. Im April stand Miami ganz oben auf meiner Liste. Eine Woche Sonne, Strand und eine Pause von dem täglichen Arbeitsleben sollte mir einen Traum erfüllen, auf den ich schon lange gewartet habe.

Langsam aber sicher hat sich der Corona-Virus dann aber auch in unserer Region verbreitet. Nach und nach sind immer mehr Corona-Fälle in unserem direktem Umfeld aufgetreten, was dafür gesorgt hat, dass die Schule der Kinder geschlossen wurde und sich meine Gasteltern nicht mehr sicher gefühlt haben, mich nach Miami reisen zu lassen.

Mittlerweile habe ich das Haus seit vier Wochen nicht mehr verlassen und habe zusätzlich die Rolle des Lehrers für die Kinder übernommen, da diese sonst nur Online-Unterrichtsstunden und Aufgaben haben. Der soziale Kontakt zu meinen Freunden findet nun lediglich über Videochat statt. Auch das Reisen, also somit der Grund, aus dem ich insbesonderein Amerika bin, ist nicht mehr möglich. Das regt natürlich zum Nachdenken an, das Jahr früher zu beenden.

Auch mit den Kindern ist das Leben in der Quarantäne nicht wirklich einfacher. Die ganze Familie ist 24 Stunden zu Hause und mir wurde damit die Möglichkeit genommen, nach der Arbeit auch einmal Abstand zu gewinnen. Trotzdem hat sich die Beziehung zwischen mir und meiner Gastfamilie während dieser Zeit definitiv verbessert, da wir viel Zeit haben, um miteinander zu reden.

Im Endeffekt versuche ich die ganze Situation so positiv wie möglich zu sehen und spare nun das Geld für meinen immer noch ausstehenden Reisemonat im September und hoffe darauf, dass die Beschränkungen so schnell wie möglich zu Ende gehen.

Foto: privat