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Bestattungskultur im Wandel – Sichtbare Auswirkungen auf Friedhöfen

Petershagen. Auf den meisten Friedhöfen in Petershagen ist eine deutliche Veränderung sichtbar: Immer mehr Lücken zwischen den einzelnen Grabreihen sind keine Seltenheit mehr und die Tendenz ist steigend. Grund hierfür ist ein Wandel in der Bestattungskultur, der nun auch Petershagen seit einigen Jahren erreicht hat. Seit 2017 zeigt sich auch hier der Trend zu Urnenbestattungen, denn in dem Jahr lag die Zahl erstmals über der der Sargbestattungen. Seitdem gab es nur im Jahre 2019 mit 69 Sargbestattungen wieder mehr als Urnenbestattungen (57) in Petershagen. Aber bereits 2020 liegt die bisherige Zahl der Urnenbestattungen mit 54 wieder über der der Sargbestattungen mit 50. „Der Bedarf hat sich geändert“, stellt Bauamtsleiter Kay Busche fest.  „Früher war es selbstverständlich, dass Familiengrabstätten genommen wurden, heute sind pflegeleichte Bestattungsformen gewünscht“, fügt Tatjana Brast, Pressesprecherin der Stadt Petershagen, hinzu. Dadurch werden immer mehr Gräber aufgelöst und nur wenige neue kommen hinzu. Das führt zu sichtbaren Auswirkungen auf den Friedhöfen: Früher waren rechts und links an den Friedhofswegen entlang gleichermaßen Gräber angeordnet. Heute jedoch befinden sich immer mehr Leerstände sowie Grünflächen dazwischen. Das bedeutet auch einen erhöhten Pflegeaufwand für die Friedhofsbetreiber. Die schwierige Aufgabe besteht darin, diese freien Flächen weiter zu vermitteln, sie auch für Jüngere attraktiv zu gestalten. Allein die Wahrnehmung von Friedhöfen durch die verschiedenen Generationen ist aufgrund der kulturellen Veränderung sehr unterschiedlich. Ältere Menschen sehen sie als Anlaufpunkt und Begegnungsstätten, für jüngere ist es dagegen ein schwieriges Thema, da sie Friedhöfe nicht mit einem Ort verbinden, zu dem man gerne hingeht.

Friedhof Ilserheide

In Petershagen gibt es aktuell mehr als zehn verschiedene Arten von Grabstätten. Neben den klassischen Reihen- und Wahlgräbern für Särge und Urnen gibt es auch neue Möglichkeiten für die letzte Ruhestätte, wie unter anderem pflegeleichte Baum- und Partnergräber. Die Baumgräber befinden auf einer Wiese an einem Baum und anstelle eines Grabsteins weist eine Namensplakette direkt auf dem Baum oder auf einer Steinstele auf den Verstorbenen hin. Auch Partnergräber, bei denen insgesamt vier Paare um eine Steinstele herum bestattet werden, gehören zu den neueren Möglichkeiten. Immer mehr Menschen haben in der heutigen Zeit außerdem bereits zu Lebzeiten konkrete Vorstellungen von ihrer letzten Ruhestätte und legen fest, wie und wo sie beerdigt werden möchten. Hierbei steht die Friedhofsverwaltung der Stadt Petershagen für Beratungen zu den Bestattungsmöglichkeiten zur Verfügung. Bei der Entscheidung sollten aber nicht nur eigene Wünsche und Vorlieben mit einfließen, sondern auch die sich deutlich unterscheidenden Kosten sowie die Überlegung welche Konsequenzen die Entscheidung für Angehörige wie für Ehepartner oder eigene Kinder mit sich zieht.

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Friedhof Neuenknick

Im gesamten Stadtgebiet von Petershagen gibt es 18 städtische und 11 kirchliche Friedhöfe. Auf den städtischen Friedhöfen ist der Bauhof der Stadt für die Durchführung der Friedhofspflege zuständig. Unterstützung erhalten die dort festangestellten Mitarbeiter durch 34 geringfügig Beschäftigte. Seit 2020 hebt der städtische Bauhof die Gruften auf den städtischen Friedhöfen selbst aus, da es auf die öffentlichen Ausschreibungen der Stadt Petershagen keine Rückmeldungen von Unternehmen gab, die die Aushebung von Gruften übernehmen wollten. „Zu viele Friedhöfe und zu weite Strecken dazwischen sind die Begründungen“, so Kay Busche. „Wir haben viel Respekt vor der Aufgabe, aber es funktioniert gut“, erklärt er weiter. Seit ein paar Jahren ist der Einsatz von Unkrautvernichtern auf Friedhöfen nicht mehr erlaubt. Daher werden die Wege nun mit Heißluftgeräten von Unkraut befreit, was einen deutlichen Mehraufwand mit sich bringt. „Im Sommer müssen die Mitarbeiter etwa drei Mal pro Woche über die Wege gehen, damit es einigermaßen ordentlich aussieht“, sagt Kay Busche. Auf dem Friedhof in Ilserheide wurden die Wege daher teilweise zu Grünwegen umgearbeitet und auf dem Neuenknicker Friedhof die Hauptwege durch die Dorfgemeinschaft gepflastert. Solche Planungen erfolgen immer nach Rücksprache mit dem jeweiligen Ortsbürgermeister, um dem unterschiedlichen Bedarf der einzelnen Ortschaften gerecht zu werden. Größere Maßnahmen der letzten Jahre waren unter anderen Baumfällarbeiten auf den Friedhöfen in Ilserheide und Rosenhagen aufgrund von Borkenkäferbefall sowie der Bau eines Geräteschuppens durch die Dorfgemeinschaft und die Änderung der Wege durch den Bauhof aufgrund des Abrisses der Ovenstädter Kapelle. Die Arbeiten an einer neuen Hecke sowie zwei neuen Baumgräber in Bierde ist ebenfalls abgeschlossen. In Planung befinden sich aktuell Pflasterarbeiten in Ilse und eine Neubepflanzung an einem Weg auf dem Friedhof in Rosenhagen.

Text: Simone Kaatze, Fotos: Krischi Meier (2), Dietmar Meier (1)