Mittwoch, 21. Februar 2024

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Bewegung beim Thema Wölfe?

Die Schadensbilanz, die Kosten für Schutzmaßnahmen und Entschädigungen sowie Frust und Resignation bei Tierhaltern haben scheinbar eine solche Dimension erreicht, dass die Politik an der Problematik Wolf nicht mehr vorbei sehen kann.

Petershagen (ddm). Das noch vor wenigen Jahren gezeichnete Bild vom scheuen Wildtier, das sich zurückzieht, sobald Menschen auftauchen, ist mittlerweile kaum mehr haltbar. Meldungen über Wolfssichtungen und Risse von Weidetieren sind an der Tagesordnung und werden in den sozialen Medien vielfach geteilt. Die Schadensbilanz, die Kosten für Schutzmaßnahmen und Entschädigungen sowie Frust und Resignation bei Tierhaltern haben scheinbar eine solche Dimension erreicht, dass die Politik nicht mehr an der Problematik vorbei sehen kann. Überraschend deutlich äußerte sich dazu Mitte November die NRW-Landesgruppe in der SPD-Bundestagsfraktion und forderte in einem „Positionspapier zum Wolfsmanagement“ erhebliche Veränderungen in der Wolfspolitik. Der heimische SPD-Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion, Achim Post, brachte die Forderung auf seiner Facebook-Seite auf den Punkt: „Wir brauchen endlich einen klaren Vorrang des Schutzes von Weidetierhaltung. Dazu müssen die Entnahmemöglichkeiten ausgeweitet und Folgemaßnahmen bereits nach dem ersten Riss möglich sein.“ Ähnlich äußert sich auch die heimische CDU-Landtagsabgeordnete Bianca Winkelmann: „Ich bin fest überzeugt, dass wir die Akzeptanz für das Zusammenleben von Wolf und Weidetieren nur dann erreichen können, wenn wir die Regeln für auffällige Wölfe verschärfen. Was im Moment landesweit mit Schafherden passiert, hat mit Tierschutz nichts mehr zu tun. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.“ Das Thema Wölfe stand auch auf der Tagesordnung der Herbstkonferenz der Umweltminister am Monatswechsel in Münster. Laut einer dpa-Meldung haben sich die Umweltminister von Bund und Ländern dabei auf Vorschläge verständigt, die Bundesumweltministerin Steffi Lemke im Oktober vorgelegt hatte. Demnach sollen verhaltensauffällige Einzelwölfe, die Schutzzäune überwunden und Nutztiere gerissen haben, künftig schneller als bisher getötet werden können. Dafür bedarf es laut NRW-Umweltminister Oliver Krischer als Vorsitzendem der Konferenz einer bundesweit praxisgerechteren und rechtssicheren Vorgehensweise und damit einer Änderung des bestehenden sogenannten „Praxisleitfadens Wolf“. An der Spitze der Umweltministerien der 16 Bundesländer stehen derzeit elf Mitglieder der Grünen, drei der SPD und jeweils einer der CDU und der Freien Wähler. Bundesumweltministerin Steffi Lemke ist ebenfalls Mitglied der Grünen. Beschlüsse der Umweltministerkonferenz könnten im Mühlenkreis unmittelbare Anwendung finden. Denn mittlerweile liegt der Kreisverwaltung ein Antrag zur Entnahme eines Problemwolfes aus dem Bereich der Kreise Minden-Lübbecke und Diepholz vor. Auf unsere Anfrage teilte die Pressestelle des Kreises dazu unmittelbar vor Redaktionsschluss mit: „Auf der Grundlage der derzeit gültigen Rechtslage mit der Wolfs-Verordnung NRW sind wir als Untere Naturschutzbehörde aufgefordert, den uns vorliegenden Antrag auf artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung zu bearbeiten. Gemäß Wolfs-Verordnung liegt die Bearbeitung derzeit beim Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr NRW als oberste Naturschutzbehörde. Diese beteiligt ihrerseits das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz LANUV als beratende Fachbehörde. Inwieweit die Umweltminister-Konferenz-Beschlussfassung zur Änderung des Praxisleitfadens Wolf kurzfristig in geltendes Recht umgesetzt wird und sich damit auch auf den derzeitigen Verfahrensablauf auswirkt, ist aktuell noch nicht absehbar.“

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Daten der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) zur Entwicklung der Wolfsterritorien seit 2000. Die Grafik veranschaulicht, dass sich die exponentielle Zunahme der Wolfspopulation weiterhin fortsetzt. Für den Monitoringzeitraum 2022/23 sind 184 Rudel, 47 Paare und 22 Einzeltiere erfasst (linke Säule). Quelle: www.dbb-wolf.de
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