Mit strammem Schritt voraus: Mantrailer Klara verfolgt die Spur. Fotos: Krischi Meier

Den Weihnachtsmann gefunden – Mantrailer-Hündin Klara im Dienst auf Gut Neuhof

Heimsen (kri). Monika Ziemek bringt jeden Tag ihre beiden American Staffordshire Klara und Nils mit ins Büro. „Hunde lockern uns einfach auf“, weiß die Einrichtungsdirektorin der AMEOS Eingliederung Gut Neuhof, auf dem derzeit 117 suchtkranke und psychisch kranke Menschen leben.

Klara bringt dabei aber auch eine ganz besondere Fähigkeit mit: Sie ist ausgebildeter Mantrailer – ein Suchhund, der Personen über längere Strecken finden kann. Hunde sind Weltmeister im Riechen und mit rund 250 Millionen Riechzellen ausgestattet, die es ihnen erlauben Duftstoffe viel genauer aufzunehmen, als wir es können. Bei konventioneller Fährtensuche folgen Hunde einer von Menschen am Boden hinterlassenen Spur, während sie beim Mantrailing zu wahren Spezialisten ausgebildet werden. Hier lernen die Personensuchhunde, einen spezifischen menschlichen Duftstoff aus allen anderen Düften herauszuriechen und den Geruch zu verfolgen.

Das Geruchsobjekt – hier eine Maske – wird in einer Plastiktüte der Hündin präsentiert, sodass sie nicht durch andere Gerüche beeinflusst und abgelenkt wird.

„Bei uns leben Bewohner mit Hin- und Weglauftendenzen und Suchtkanke, die sich gerne mal auf eine Bank in der Umgebung legen – besonders im Winter kann das schnell gefährlich werden“, erklärt Monika Ziemek. „Mit Klara haben wir eine zusätzliche Chance die Bewohner wiederzufinden.“ Generell können sich alle Bewohnerinnen und Bewohner auf Gut Neuhof frei bewegen, müssen aber um 22 Uhr in der Einrichtung sein sein. Ist dies nicht der Fall erhält die Polizei eine entsprechende Meldung, wird aber nur dann aktiv, wenn eine akute Gefahr vorliegt. In den anderen Fällen wird abgewartet – und hier kann Klara künftig unterstützen.

Ein Trainingseinsatz ereignete sich kurzfristig auf dem Gut Neuhof: Der Weihnachtsmann mit Geschenken wurde gesichtet, ist aber nicht wie geplant im Hauptgebäude angekommen. Dabei hat er seine Maske auf dem Vorplatz verloren. Jetzt kann ihn nur noch Klara finden. 

Routiniert legt Monika Ziemek der Hündin das spezielle Trail-Geschirr an und versetzt sie damit in den Arbeitsmodus. „Die Vorbereitung und die Präsentation eines Geruchsstoffes ist besonders wichtig, um die vermisste Person zu finden“, erklärt sie.  „Der Geruchsstoff sollte so eindeutig wie möglich sein, damit der Hund auch die vermisste Person und nicht etwa eine Pflegekraft sucht, die ein Kleidungsstück im Zimmer des Bewohners angefasst hat. Im Moment eignen sich Masken dafür sehr gut.“ In diesem Fall wurde Klare die Maske des Weihnachstmanns in einer Plastiktüte unter die Nase gehalten, um andere Gerüche aus der Umgebung abzuschirmen. „Wir haben immer den gleichen Ablauf beim Suchen, damit Klara weiß, was sie machen soll.“ Dann geht es los: Strammen Schrittes zieht sie an der Leine und gibt den Weg vor.   Dabei ist sie so trainiert, dass sie immer die neueste Spur verfolgt. Zunächst geht es vom Gelände des Gut Neuhof in ein kleines Waldstück, über die Straße in Richtung Zollhaus. Einige Male muss Monika Ziemek, die auch eine Hundetrainerausbildung absolviert hat, ihre Hündin an die Arbeit erinnern. „Manchmal nimmt sie auch Gerüche zum Beispiel von einem Hasen wahr, aber den wollen wir natürlich nicht suchen.“ Weiter geht es auf das Gelände am Zollhaus und in eine geöffnete Tür: Hier sitzt der Weihnachtsmann, Klara hat ihn zielsicher gefunden. Zur Belohnung darf sie einige Minuten mit ihm spielen.

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„Im Training und in der Ausbildung soll Klara die ,vermissten‘ Personen so toll finden, dass sie diese gerne und mit Spaß suchen möchte. Ein Spiel motiviert sie dabei mehr als nur ein reines Leckerlie“, erklärt Monika Ziemek. In ihrer kürzlich bestandenen Prüfung zum Mantrailer hat Klara eine vermisste Person über eine Strecke von etwa 2,5 Kilometern gefunden und für die Verfolgung der Spur etwa eine halbe  Stunde benötigt. Aber auch längere Strecken sind möglich. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Geruchsspur ganz frisch oder bis zu wenige Tage alt ist, die Nase des Hundes findet sie. Besonders erstaunlich: Sogar wenn die vermisste Person mit dem Auto gefahren ist und dabei die Klimaanlage genutzt oder ein Fenster etwas geöffnet hat, sind ausreichend Geruchsstoffe auf dem Weg, um von einem Mantrailer gefunden zu werden. „Schwierig wird es, wenn eine Person mit dem Bus gefahren ist. Dieser ist so verschlossen, dass keine Gerüche austreten können. Ist dies der Fall, verliert sich die Spur der gesuchten Person an einer Bushaltestelle und das ist für uns Hundeführer auch ein wichtiger Hinweis“, erklärt Monika Ziemek. 

Bisher ereignete sich auf Gut Neuhof für American Staffordshire Klara noch kein realer Einsatz, dafür gibt es aber regelmäßige Traningseinheiten um immer vorbereitet zu sein.

Klara hat den Weihnachtsmann und die Geschenke gefunden und damit die Übung erfolgreich abgeschlossen.