Die Spuren des Beschusses sind noch heute am Gebäude von Wilhelm David zu erkennen. Fotos: Daniel Bake

Der Krieg fand auch vor der Haustür statt

Von Daniel Bake

Windheim. Als sich am Anfang September Mitglieder der Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege im Kreis Minden-Lübbecke e.V. (GeFBdML) in Windheim zu einer Feldbegehung trafen, war ihnen noch nicht bewusst, welche Aufregung die Begehung nach sich ziehen würde. Ausgestattet mit einer denkmalrechtlichen Erlaubnis durch die Obere Denkmalschutzbehörden nutzten einige bei dieser Begehung auch Metallsonden, um im Erdreich verborgene Gegenstände auffinden zu können. Ihr Ansinnen war es auf der, in den vergangenen Jahren sehr fundreichen Fundstelle, Artefakte vor der Zerstörung durch den Pflug zu retten. Dass sie aber einen Fund machen würden, der zur Zerstörung gebaut wurde, ahnten sie nicht. Landeigentümer Wilhelm David aus Windheim hatte zwar schon 2014 von dem Beschuss des Orts Windheim Anfang des Jahres 1945 berichtet, allerdings war nach über 75 Jahren nicht zu vermuten, dass sich im Pflughorizont noch Geschoss aus diesem Beschuss finden würden. Dennoch entdeckte Jonas Rosenfeldt eine Granate aus dem Zweiten Weltkrieg aus eben diesem Beschuss der Ortschaft. Im Frühjahr 1945 hatten alliierten Truppen von Ovenstädt aus über die Weser in die Ortschaft gefeuert, um einen eventuell aufkommenden Widerstand gegen die Befreiung durch die Alliierten direkt zu ersticken. Der damals 11-jährige Wilhelm David erinnert sich noch gut: „Im Keller waren wir, zusammen mit Flüchtlingen aus dem Osten, die Köpfe unten. Es knallte über uns. Eine Granate ging durchs Fenster in die Küche. Die Suppe lag danach auf dem Boden. Den Tag blieben wir ohne Mahlzeit.“ Die Granaten trafen den Stall der Familie David. „Eine zerfetzte zwei Bäume rechts neben dem Stall“, berichtete der mittlerweile 87-jährige ehemalige Diplom-Ingenieur und Leistungssportler. Eine andere Granate ging durch die Wand des Stalls, durchschlug zwei Balken und explodierte im Inneren. Die Spuren des Beschusses sind noch heute unverkennbar. Ziegel mussten erneuert werden und die Einschläge der Splitter mit Zement aufgefüllt werden. Die im Stall zurückgeblieben Splitter der Granate, die Herr David 1945 aufgesammelt hatte, befinden sich noch heute in seinem Besitz. Sein Vater hisste bereits vor dem Einmarsch der alliierten Truppen die weiße Fahne am Haus, was vermutlich dazu führte, dass der Hof nach dem ersten Beschuss nicht noch weiter beschossen wurde. Kurz nach dem Fund der Granate hatte der Verein die Kreispolizeibehörde über die Entdeckung informiert, um die Beseitigung schnellstmöglich stattfinden zu lassen. Am nächsten Tag erfolgte die unproblematische Sprengung der Granate, durch die Kampfmittelräumer aus Arnsberg. Übrig blieb nicht viel, einige Splitter auf dem Acker und ein Loch halb verfüllt mit Sand. Das umsichtige Handeln aller Beteiligten hat in diesem Fall schlimmeres verhindert und tatsächlich ein Stück Land in Petershagen sicherer gemacht. „Ich hoffe, dass die Menschen daraus gelernt haben“, lautet ein Wunsch, den der 87-jährige Wilhelm David äußerte.

Diese Granate wurde kürzlich in Windheim gefunden.