Foto: Dietmar Meier

Der Star

Von Daniel Grüning, Biologische Station Minden-Lübbecke

Stare kann man in unseren Gärten häufig bei der Nahrungssuche beobachten. Die geselligen Vögel landen regelmäßig in kleinen Trupps auf dem Rasen und suchen dort trippelnd nach Insekten und Würmern. Wenn Kühe und Pferde auf der Weide stehen oder auch Schweine im Freien gehalten werden, sind Stare oft in der Nähe. Sie ernähren sich von Fliegen oder Zecken, die sie von der Haut der Tiere picken. 

Das schwarze Prachtkleid der Stare mit den weißen Punkten schimmert auffällig in grünen und violetten Farben. Dies unterscheidet ihn zum Beispiel von der, auf den ersten Blick ähnlich aussehenden, einfach schwarz gefärbten männlichen Amsel. Stare sind auch etwas kleiner als die Amsel und haben einen kürzeren Schwanz. 

Der Star ist der einzige Vertreter der Familie der Stare in Deutschland. Der nahe verwandte Einfarbstar kommt auf der iberischen Halbinsel, den Inseln Sizilien und Sardinien sowie in Nordwestafrika vor. Die dritte Starenart in Europa ist der Rosenstar. Sein Verbreitungsschwerpunkt liegt in den Steppengebieten im nahen Osten und reicht bis ins östliche Mitteleuropa. In Deutschland sieht man die beiden Verwandten des einheimischen Stars jedoch nur sehr selten.

Stare sind Höhlenbrüter und sind häufig Nachmieter des Buntspechtes. Er nutzt die vom Buntspecht angelegten Baumhöhlen selbst zur Brut, nachdem der Specht diese aufgegeben hat. Außerdem bauen Stare ihre Nester in Nischen an Gebäuden oder nehmen Nistkästen an. Stare brüten gerne in Nachbarschaft zueinander und bilden oft größere Brutkolonien. Hierbei sind sie nicht immer monogam, das heißt sie wechseln etwa bei einer zweiten Brut im Jahr den Partner. 

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Faszinierend sind die riesigen Schwärme, die Stare oft schon kurz nach dem Verlassen der Brutreviere ab Mitte Juni bilden. Die Schwarmgrößen erreichen im September und Oktober vor Beginn des Herbstzuges ihren Höhepunkt. Am Abend ziehen die Wolken aus Staren am Himmel hin und her bevor sie ihre Schlafplätze bevorzugt in größeren Schilfgebieten aufsuchen. Unsere heimischen Stare überwintern meist in den südlichen Mittelmeerländern sowie Nordafrika. Da die Winter jedoch bei uns immer milder werden, bleiben viele Stare hier oder fliegen nur noch wenige Kilometer in Richtung Westen und Süden. So sind vor allem auch die Beneluxländer und Großbritannien beliebte Winterquartiere. Zudem überwintern viele Stare aus Skandinavien und Osteuropa hier bei uns. 

Stare sind wahre Stimmenimitatoren. Sie können nicht nur andere Vogelstimmen perfekt nachahmen sondern auch sämtliche Umgebungsgeräusche. Ihnen gelingt es auch die Klingeltöne von Smartphones oder die Sirene einer Feuerwehr zu imitieren. Warum die Stare dies machen ist nicht ganz klar. Es wird jedoch angenommen, dass männliche Stare, die besonders ausdauernde und abwechslungsreiche Sänger sind, bevorzugt von den Weibchen als Fortpflanzungspartner ausgewählt wurden und auf diese Weise ihre Gene in die nächste Generation weitergeben können.

Der Star wird auf der Roten Liste der Brutvögel in Deutschland als „gefährdet“ eingestuft. Innerhalb von zwanzig Jahren ging der Brutbestand in Deutschland um 2 Millionen Paare zurück. In NRW kann davon ausgegangen werden, dass der Brutbestand innerhalb der letzten 25 Jahre um etwa 80 Prozent zurückgegangen ist. Die Gründe liegen vor allem im Verlust geeigneter Brutplätze und in der Nutzungsintensivierung von Grünlandflächen sowie dem verstärkten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.