„Der Wald wird sein Gesicht ändern“

Petershagen. Das Sturmtief Friederike hatte im Frühjahr 2018 im Heisterholzer Forst mehr Schaden angerichtet, als der Orkan Kyrill 2007. Besonders in Mitleidenschaft gezogen worden waren dabei Waldabschnitte mit Fichtenbeständen nördlich des Forsthauses. Der Sturm hatte hier regelrechte Schneisen geschlagen und zahllose Fichten wie Mikado-Stäbchen übereinander stürzen lassen (Bericht in der März-Ausgabe). Bereits im Frühjahr war absehbar, dass die Aufarbeitung der Schäden nicht vor dem Spätsommer erfolgen würde, weil der Waldboden durch den vielen Regen im Winter völlig durchnässt worden war. Ende August ging es nun ans Aufräumen. 

Bei den Arbeiten kam auch ein Holzvollernter (englisch Harvester) zum Einsatz, der die Stäm-me in einem Arbeitsschritt fällen, entasten, in Stücke schneiden und ablegen kann und das in kürzester Zeit. Der Einsatz solcher Maschinen sei heute auch aus Kostengründen aus dem Forstbetrieb nicht mehr wegzudenken, erklärte Achim Büscher, für Heisterholz zuständiger Forstbeamter des Landesbetriebs Wald und Holz NRW. Das Team des Petershäger Anzeigers hat die Arbeitsweise des Harvesters auch in einem Video dokumentiert, das auf der Facebook-Seite des Anzeigers zu finden ist. 

Harvester besitzen einen Kranarm, an dem der mit Messeinheit, Kettensäge und Entastungsmessern ausgestattete Fällkopf frei beweglich montiert ist.

Inzwischen sind die Arbeiten erheblich fortgeschritten. Die größeren Schneisen, die Friederike in die Fichtenbestände geschlagen hatte, sind weitgehend geräumt (Foto oben). Hier liegen die geschnittenen Stämme derzeit aufgereiht am Wegesrand. Kronenmaterial verbleibt auf den Flächen als Biomasse, die dem Boden wieder Nährstoffe zuführen soll. Ansonsten würde dieser degradieren, weil die Flächen nicht gedüngt werden.

Wenig Hoffnung hat Büscher für die umstehenden Fichtenbestände. „Aufgrund der Bodenbeschaffenheit ist der Fichtenbestand an diesem Standort nicht zu halten“, hatte Büscher schon direkt nach „Friederike“ erläutert. Der Forstbeamte geht davon aus, dass sich die gesamten Fichtenbestände bei Sturm schon in den nächsten zwei Jahren auflösen werden, weil das Wurzelwerk der Bäume nicht tief genug in den Untergrund aus Tongestein eindringen kann.

Zu den Sturmschäden kommt noch die Folgewirkung des trockenen Sommers hinzu: Die Borkenkäferproblematik, die jetzt bundesweit auf der Tagesordnung steht, wie Roland Schockemöhle, mit der Thematik besonders befasster Leiter des Regionalforstamtes Hochstift erläuterte (näheres dazu in unserer Wetterkolumne auf Seite 31). Viele Fichten werden deshalb in nächster Zeit noch zusätzlich trocken werden, sodass das  Holz massiv entwertet wird.  „Derzeit befinden sich viele Käfer in den Fichten noch im Larvenstadium. Wir versuchen, solche Bäume möglichst schnell zu finden und zu fällen, um zu verhindern, dass die Larven auswachsen und überwintern“, beschreibt Schockemöhle die augenblickliche Zielrichtung. Sein Resümeé: „Die forstliche Aufgabe für die kommenden Jahre und Jahrzehnte heißt Mischwälder. Und wir müssen lernen, mit klimaresistenteren Baumarten zu arbeiten.“

Das Teilstück unmittelbar westlich der B61 nach dem Einsatz des Harvesters. Auf dem Waldboden liegt noch ein Teil der aufgearbeiteten Fichtenstämme. Bei den noch stehenden Bäumen handelt es sich um Kiefern, die dem Sturm aufgrund ihres tiefgründigeren Wurzelwerks getrotzt hatten.

Text und Fotos: Dietmar Meier