„Die Wirtschaft muss Motor der Region werden“ – Im Gespräch mit SPD-Bürgermeisterkandidat Jens Wölke

Petershagen. Bei der Kommunalwahl im September 2020 geht der SPD Ortsverein Petershagen/Weser mit dem Lahder Rechtsanwalt Jens Wölke in das Rennen um das Amt des Bürgermeisters. Damit setzt die SPD auf die Kompetenz und Erfahrung des langjährigen Ratsmitgliedes, der unter anderem durch seine Arbeit in den Vorständen des Stadtsportverbandes und des Gewerbevereins Lahde in vielfältiger Weise mit städtischen Belangen vertraut ist.

Herr Wölke, Sie wollen 2020 Bürgermeister werden. Was unterscheidet Sie von anderen Politikern?

Dazu muss man erstmal fragen, ob es einen klassischen Politikertypus gibt. Aber ich lasse mich ungern in ein Bild zwängen. Dazu bin ich zu direkt. Ich bin kein Freund davon, lange um den sogenannten heißen Brei herum zu reden. Ich weiß zwar die Diplomatie anzuwenden, bin aber auch der Meinung, dass es Grenzen gibt. Aufgaben müssen gelöst und nicht durch Politik aufgebauscht werden.

Welche Vorteile bringen Ihre Erfahrungen als Rechtsanwalt und Kampfkünstler für das Amt des Bürgermeisters mit?

In meinem Beruf als Jurist habe ich gelernt, die Lösung zu einem Problem durch eine einfache Unterordnung eines Sachverhalts unter den Tatbestand einer Rechtsnorm zu erzielen. Hier ist Disziplin und problembewusstes Arbeiten gefordert. Auch in der asiatischen Kampfkunst geht es um Disziplin und Selbstkontrolle, was zu einem sehr fokussierten Arbeiten führt. In beiden Beschäftigungsfeldern ist aber auch immer die Selbstreflexion ein Faktor, der zu einer Verbesserung der Tätigkeit führt. Ich möchte gerne an das anknüpfen, was ich in der vorherigen Frage schon aufgegriffen habe. Ich glaube meine Direktheit ist gerade dem Wesen des Kampfkünstler geschuldet, denn dort ist eine Technik auch immer gradlinig.   

Bei ihrer Vorstellung haben sie darauf hingewiesen, dass die Wirtschaft in unserer Region mehr zum Motor werden muss. Was meinen Sie genau damit?

Wirtschaft schafft Arbeitsplätze, Wirtschaft erhält Arbeitsplätze und sorgt neben dem Gewerbesteueraufkommen auch dafür, dass die Mitbürgerinnen und Mitbürger unserer Stadt sich ihre Existenz hier vor Ort sichern können. Dies hat einen direkten Einfluss auf die Lebensqualität und die Zukunftsfähigkeit jeder einzelnen Ortschaft. Wir müssen uns aber nicht nur um Neuansiedlungen kümmern, auch die bestehenden Unternehmen müssen unterstützt werden. Als Bürgermeister wäre es mir daher wichtig, einen engen Kontakt mit jedem einzelnen Unternehmen zu halten, um etwaige Probleme zu lösen, bevor diese auftreten. Aus meiner Erfahrung heraus ist auch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Gewerbevereinen wichtig. 

Welche Schwerpunkte möchten Sie in den Zentralorten Petershagen und Lahde und in den 27 weiteren Ortschaften setzen?

Zunächst einmal möchte ich betonen, dass die Zukunft der Stadt Petershagen in den einzelnen Ortschaften und damit meine ich alle 29 Ortschaften entschieden wird. Nur mit lebendigen Ortschaften und modernen Zentren wird es ein funktionierendes Ganzes geben. Daher ist es mein wichtigstes Anliegen, die Qualität des jeweiligen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens in jedem der 29 Ortsteile zu sichern und zu stärken.

Denn Petershagen kann mehr. Zum Beispiel bei der Bildung. Es ist mein Anspruch, ein schulartübergreifendes Konzept für die gesamte Stadt zu entwickeln, welches auch die Schulinfrastruktur einschließt, wobei hier auf Grund der Schulsituation der Schwerpunkt in den Zentralorten liegt. Aber auch das ehrenamtliche Engagement ist eine unverzichtbare Grundlage einer lebendigen und lebenswerten Stadt. Das sehe ich durch meine Vorstandsaktivitäten unter anderem im Gewerbe- und Verkehrsverein Lahde e.V. oder in der 1. Bürgerkompanie Lahde e.V. immer wieder.  Ich stehe für die Förderung des ehrenamtlichen Engagements, sei es in den Vereinen, den Bürgerinitiativen oder den freiwilligen Feuerwehren. Hierdurch werden die Ortschaften und der Zusammenhalt gestärkt. 

Die Ortschaften müssen aber auch durch ein intelligentes Mobilitätskonzept der Zukunft, welche verkehrsträgerübergreifend ausgebaut werden muss und einen Mix mit den vorhandenen Angeboten enthält, gestärkt werden. Wie gesagt Petershagen kann mehr!

Was verbindet Sie persönlich mit Petershagen?

Nun gut, geboren wurde ich in Bad Oeynhausen. (lachend) In der Großstadt hielt ich es jedoch nur fünf Tage aus, so dass ich zunächst in Bierde und dann in Lahde aufgewachsen bin und immer noch hier wohne. Ich bin in Lahde zur Grundschule gegangen und habe mein Abitur am städtischen Gymnasium Petershagen gemacht. Seit meiner Jugend habe ich mich immer wieder in Vereinen engagiert, zuerst beim TuS Lahde/Quetzen in der Sparte Leichtathletik, später im Gesamtverein. Seit mehr als 25 Jahre leite ich das Training in meinem Kampfkunstverein, dem Karate Dan Tien Lahde e.V. Mittlerweile kommen Karate-Schüler zu mir und erzählen mir stolz, dass ihre Eltern auch schon bei mir Unterricht gehabt haben und Prüfungen abgelegt haben. Das führt schon zu viel Emotionen. Auch wenn man zu Hochzeiten von Schülern eingeladen wird, die mit sechs Jahren mit dem Training begonnen haben. Ebensolche positiven Emotionen erlebe ich aber auch jeden Tag, wenn ich mit dem Hund bei einem Familienspaziergang durch unsere wunderschöne Natur gehe. Da die Fotografie ein Hobby von mir ist, entdecke ich auch immer wieder neue sehenswerte Seiten. Ein Fotoband über die Stadt Petershagen würde bei mir den Titel haben „Dort Wohnen, wo andere Urlaub machen!“ – (lacht) nur dass ich mittlerweile zu viele Fotos für nur einen Band habe. 

Text und Fotos: Krischi Meier