Dorfgemeinschaft berät über die Zukunft

Frille. Die voll besetzte Diele des Mühlenbauhofs zeugte vom großen Interesse der Friller Einwohnerschaft an der ersten Bürgerversammlung seit längerer Zeit. Gemeinsam hierzu eingeladen hatten die Kulturgemeinschaft mit ihrem 2. Vorsitzenden Henning Seele, Karl-Friedrich Lindau, 1. Vorsitzender der Dorfwerkstatt, sowie Ortsbürgermeister Karl-Heinz Rodenbeck. Unter dem Motto „Frille 2021 bis 2025“ ging es um nicht weniger als um die weitere Zukunft der dörflichen Gemeinschaft im Ort.

Als Moderator erläuterte Henning Seele die gegenwärtige Sachlage und gab das Wort für weitere Informationen an seine Mitstreiter Lindau und Rodenbeck. Seit einiger Zeit ist im Ort bekannt, dass das seit vielen Jahren vom Verein Dorfwerkstatt betriebene Dorfcafé zum 17. März schließen wird. Karl-Friedrich Lindau betonte an dieser Stelle, dass der beliebte Treffpunkt aus rein wirtschaftlichen Gründen seinen Betrieb einstelle und dies nichts mit den neuen Eigentümern des Anwesens zu tun habe. Man wolle die Pacht regulär auslaufen lassen.

Auch im einzigen Dorfgasthof „Zum weißen Hirsch“ sind derzeit die Lichter verloschen, die letzte Pächterin habe aufgegeben, war zu vernehmen. Zur Zeit werde dort aufgeräumt, gereinigt und eine Inventur aufgenommen, aber ein neuer Betreiber sei nicht in Sicht, erklärte Jörg Fromme von der Besitzerfamilie. 

Des weiteren verkündete Henning Seele, dass Adelheid Duwenkamp ihr Amt als Ortsheimatpflegerin zum 31. Dezember abgegeben habe und trotz diverser Gespräche mit möglichen Kandidaten bisher kein Nachfolger gefunden sei. Ortsbürgermeister Karl-Heinz Rodenbeck, als Bindeglied zwischen Dorf und Stadtverwaltung, will aus Altersgründen zur Kommunalwahl 2020 nicht mehr antreten. Wer sich berufen fühlt, möge bitte über eine Kandidatur nachdenken, hieß es.

Auch die Friller Kulturgemeinschaft verfügt seit etwa einem Jahr über keinen 1. Vorsitzenden. Wegen Zeitmangel und sonstiger Arbeitsbelastung vermag niemand aus dem übrigen Vorstand dieses Amt übernehmen, erklärte Seele. Wer aus dem Ort Zeit, Organisationstalent und etwas gesunden Menschenverstand mitbringt, könne sich gerne melden. Dorfwerkstatt und Kulturgemeinschaft haben in der letzten Zeit einige Projekte gemeinsam gestemmt, wie zum Beispiel das Friller Dorfjubiläum, den Tag der Regionen, oder den Bau der Boulebahn auf dem Freithof. Grundtenor ist jedoch, dass in beiden Institutionen eine fortschreitende Überalterung stattfindet und dass es so an neuen, jüngeren Mitgliedern fehlt. Über eine Fusion der beiden Vereine wurde bereits laut nachgedacht, da sich die Aufgaben und Ziele in mancher Hinsicht überschneiden und ergänzen, war zu erfahren.

Positives konnte über den Teilstandort Frille der Grundschule Lahde-Frille berichtet werden. Wegen steigender Schülerzahlen kann für das Schuljahr 2019/2020 wieder eine Eingangsklasse gebildet werden, was den Fortbestand der Schule im Dorf zunächst erst einmal sichert. Für die kleinen Mitbürger wird es ab März auch wieder einen Ersatz für den abgeräumten Spielplatz Holzstraße geben. Die bekannten alten Spielgeräte und eine neue Nestschaukel finden sich dann in der Schellerhauer Straße. Am alten Standort war der Grundbesitzer nicht bereit, den Pachtvertrag mit der Stadt Petershagen zu verlängern.

Nach der Verkündung der Fakten war Gelegenheit für die Bürger, Wünsche, Kritik und Anregungen vorzutragen. Hier wurde zum Beispiel ein Ende der Nachtabschaltung für die Straßenbeleuchtung gefordert, mit einem heiter ironischen Blick auf die Nachbarkommunen, wo man auch zu später Stunde noch sicher den Weg nach Hause findet. Ein Fahrradweg in Richtung Lahde entlang der K6 stand ebenso auf dem Wunschzettel wie ein kleiner Einkaufsladen mit biologisch nachhaltigen Produkten ohne Umverpackung, oder eine Arztpraxis in der nunmehr leer stehenden Volksbankfiliale. Auf die Nachfrage zur Breitbandanbindung der Ortschaft konnten die Akteure keinen konkreten Termin nennen, was dem komplizierten Ausschreibungs- und Vergabeverfahren für die Arbeiten geschuldet sei. Eventuell könne man 2022 ins Auge fassen, erklärte Henning Seele.

Als Resümee für diesen Abend waren sich die Anwesenden einig, dass es angesichts der vielen Probleme und Baustellen im Ort nicht bei dieser einen Dorfversammlung bleiben wird, um die Themen zu vertiefen und eventuell Lösungen zu finden. Auf jeden Fall bedarf es eines verstärkten Engagements der jüngeren Jahrgänge, sich bei den dörflichen Institutionen einzubringen, um das soziale dörfliche Leben weiter zu gewährleisten.

Text und Foto: Frank Krause