Eine Wacholderdrossel auf einem Acker in Jössen. Foto: Dietmar Meier

Drosseln – die Amsel und ihre Verwandten

Von Daniel Grüning, Biologische Station Minden-Lübbecke

Einige Drosselarten kann man häufig im eigenen Garten beobachten, oder man begegnet ihnen auf dem Spaziergang durch den Park, den Wald oder vorbei an Hecken und Gehölzen. Auch sind sie manchmal zur abendlichen Stunde in der Kneipe anzutreffen – die Schnapsdrossel. 

Die bei uns mit Abstand häufigste Drosselart ist die Schwarzdrossel, besser bekannt als Amsel. Sie ist die einzige heimische Drossel, bei der die beiden Geschlechter deutlich unterschiedlich gefärbt sind. Das Männchen trägt das auffällige schwarze Gefieder sowie einen gelben Schnabel und gelbe Augenringe. Die Weibchen und Jungtiere hingegen sind unauffällig braun gefärbt. Hiermit sind sie jedoch im Unterholz viel besser getarnt und so vor Fressfeinden geschützt. Das Männchen wiederum muss auffallen, denn die Weibchen sollen sich ja für sie entscheiden. Engagiert trällern sie ihre melodiösen Strophen von der obersten Baumspitze oder dem Dachfirst, den sogenannten Singwarten. Der Gesang ist von hier besonders gut und weit zu hören und bedeutet: Hier ist mein Revier! Andere Amselmännchen werden ferngehalten und gegebenenfalls auch aktiv verscheucht, wenn es sein muss.

Neben der Schwarzdrossel können wir auch die Singdrossel, die Wacholderdrossel und die Misteldrossel mit etwas Glück in Gärten mit größerem Gehölzbestand beobachten. Die Singdrossel fällt vor allem durch den markanten Gesang auf. Typisch für ihren Gesang ist, dass die sehr abwechslungsreichen Strophen drei- bis fünfmal wiederholt werden. Die Singdrossel ist kleiner als die Amsel, die Brust und der Bauch sind hell gefärbt mit dunklen Flecken. Zur Lieblingsnahrung der Singdrossel gehören Häuschenschnecken. Um an die Schnecken heranzukommen, werden die Schneckenhäuser an einem Stein zerschlagen. Dieser Nahrungsplatz, wird auch als „Drosselschmiede“ bezeichnet. 

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Die Misteldrossel ist die größte heimische Drosselart und kann leicht mit der Singdrossel verwechselt werden. Sie ist jedoch größer, aufrechter und etwas heller gefärbt als diese. Am besten kann man die beiden Arten jedoch am Gesang unterscheiden. Die Misteldrossel singt weniger abwechslungsreich.

Die Wacholderdrossel ist von den heimischen Drosselarten am kontrastreichsten gefärbt. Ihr Kopf, Nacken und Bürzel sind hellgrau, das Rückengefieder und die Oberseiten der Flügel sind rötlich braun gefärbt. Die Brust zeigt sich ockergelb mit dunklen Flecken und die Unterseite ist weiß. Der Schnabel ist auffallend gelb-orange gefärbt. Die Wacholderdrossel ist sehr gesellig und brütet in kleinen Kolonien. Ihr schackernder Ruf ist sehr charakteristisch, während der Gesang schwätzend und wenig melodiös daherkommt. 

Zwei weitere Drosselarten, die Rotdrossel und die Ringdrossel, können nur selten zur Zugzeit im Herbst und Frühjahr bei uns beobachtet werden. Die Rotdrossel brütet in Skandinavien und Nordosteuropa. Die Ringdrossel brütet in höheren Lagen, vornehmlich im Alpenraum. 

Vielleicht entdecken Sie beim nächsten Spaziergang durch unsere Natur neben der häufigen Amsel auch die übrigen heimischen Drosselarten. Viel Freude dabei!